Leiter der Stadtbücherei

Johannes Leva ist Literarischer Quereinsteiger

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Johannes Leva vor dem Regal mit einem seiner Lieblings-Genres, der Fantasy. 

Das Paradies habe er sich immer als eine Art Bibliothek vorgestellt, hat Jorge Luis Borges einmal geschrieben. Wenn es nach dem argentinischen Schriftsteller geht, hat Johannes Leva bei seiner Berufswahl schon einmal etwas richtig gemacht. 

Dietzenbach – Seit rund zwei Monaten ist er der neue Leiter der Stadtbücherei. Auf viel Neues, viel Publikum und eine schöne Arbeitsatmosphäre sei er an der Darmstädter Straße getroffen, erzählt Leva und lobt das Kollegium auch für die Geduld bei der Einarbeitung. 1987 in Gernsheim geboren, hat Leva nach der Schule und Zivildienst einen Bachelor in Archäologie und einen Master in Kulturanthropologie gemacht, danach hat er über den Arbeiter-Samariter-Bund in einer Langener Notunterkunft für Geflüchtete gearbeitet. In der Kreisstadt kennt man ihn schon von der Gemeinwesenarbeit Süd-Ost.

„Es gibt wenig Orte, die nicht kommerziell und dennoch ein Treffpunkt für Jugendliche sind“, führt Leva einen Aspekt auf, der ihn am Quereinstieg gereizt hat. Das verstaubte Bild, das der Institution Bibliothek anhaftete habe sich gewandelt, genau so wie die Anforderungen in einer Zeit, in der das Internet mit Wissen lockt, das nur ein paar Klicks entfernt ist. „Ein Sachbuch ist trotzdem noch etwas anderes, wir müssen uns aber auch sonst gut aufstellen, vermitteln, wie man gut recherchieren kann, wo es Quellen gibt.“ Schon jetzt kommen junge Menschen etwa mit Rechercheaufgaben in die Schülerhilfe, die über den Förderverein angeboten wird. Gerne, sagt Leva, würde er solche Angebote noch ausbauen.

Die Nachwuchsförderung sei ohnehin ein Schwerpunkt, aber auch die Bibliothek als Ort des lebenslangen Lernens. Dabei nennt er auch die Ausstattung an Literatur für Deutsch als Fremdsprache mit der dazugehörigen Zusammenarbeit mit der Volkshochschule. Größere Autorenlesungen soll es wieder geben, wenn allen Brandschutz-Voraussetzungen Rechnung getragen ist.

Ganz oben auf der Liste der Genrepräferenzen stehen bei Leva Fantasy und Historische Romane, von Joanne K. Rowlings Harry Potter bis hin zu Ken Folletts Säulen der Erde. Bände von George R. R. Martins Lied von Eis und Feuer habe er schon mit zwölf Jahren gelesen, lange bevor die Serien-Umsetzung Game Of Thrones unzählige Menschen begeisterte also. Gerade Harry Potter ist in der Bücherei nach wie vor überaus gefragt. „Die Bände kann man alle zwei Jahre erneuern“, sagt Leva. Neben weiteren Medien gibt es rund 25 000 Bücher in den Räumen an der Darmstädter Straße, empfohlen werde eine Erneuerungsquote von rund zehn Prozent jährlich. Diese schaffe man allerdings nicht ganz. Was die Suche nach neuen Büchern fürs Programm angeht, so gibt es im Team Spezialisten, für Sachbücher, Romane sowie Kinder- und Jugendliteratur etwa. Generell, sagt Leva, wolle man es mit dem Programm auch schaffen, weniger gebildete Menschen in die Bibliothek zu locken. Natürlich muss aber auch Leva auf’s Geld schauen, aber nachdem er zuletzt mit vielen verschiedenen Förderanträgen zu tun hatte, sei es geradezu angenehm, mit einem festen Budget planen zu können. Auch beim Alltagsgeschäft packt Leva aber mit an – Bücher einsortieren, einen Wagen wegräumen, wenn er voll ist, das gehört eben auch für den Chef dazu.

Digitales Zeitalter hin oder her – ein Buch komme auch bei der jungen Zielgruppe in gedruckter Form immer noch am besten an, sagt Leva. Auch wenn er sich vorstellen kann, künftig E-Book-Reader zu verleihen, damit Besucher einen Eindruck davon bekommen können, wie es sich denn auf so einem Gerät liest.

Die in vielen Ausschreibungen gerne gesehene interkulturelle Kompetenz kann Leva auch abseits seiner beruflichen Laufbahn vorweisen. Während der Schulzeit war er ein Jahr in Südafrika, seinen Zivildienst machte er in einem Krankenhaus in Malawi, wo er die Medikamenten-Lieferungen betreute. Nach dem Bachelor-Studium schließlich reiste er noch ein Jahr durch Afrika. „Wie ,Work And Travel’, nur eben ohne ,Work’“, sagt er mit einem Lächeln. Nebenberuflich ist er außerdem seit dem Studium Boulder-Trainer, musikalisch lebt er sich in einer Trash-Folk-Band aus, die auch auf Mittelaltermärkten auftritt. Noch hat Leva wegen einer Eltern-Teilzeit ein reduziertes Stundenkontingent, ab Januar füllt er die Stelle in der Bücherei voll aus.

VON CHRISTIAN WACHTER

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