Loblieder für ersehnten Neubau

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„Lasst Euch das neue Schulhaus fein Ansporn zu neuem Fleiße sein“, reimte Zimmermann Hans Werner Kaps gestern vom Dach des Rohbaus in Richtung der Waldorfschüler, bevor er dem Richtbaum zuprostete und sein Glas zerschmetterte.

Dietzenbach ‐ Loblieder bei einem Richtfest sind nichts Ungewöhnliches, erst recht nicht, wenn es um einen mehr als vier Millionen Euro teuren und seit Jahren ersehnten und geplanten Schulanbau geht. Lange Reden, warme Worte – all das erwartet man üblicherweise. Von Barbara Hoven

Wenn jedoch ein von den Musik lehrern Stephan Strehl und Wolf Bütow eigens für den Anlass komponierter Kanon aus 400 Kinderkehlen erklingt, dann lässt das selbst den routiniertesten Festakt-Besucher staunen.

„Raum für alle hat die Erde“ sangen sämtliche Schüler der Waldorfschule gestern bei der Feier zum Abschluss der Rohbauarbeiten für den Schulneubau frei nach Schiller und überaus passend. Wenn die Erweiterung des optisch ungewöhnlichen Schulgebäudes am nordwestlichen Ortseingang im Sommer fertiggestellt ist, wird es reichlich neuen Raum geben: Gebaut werden derzeit eine Zweifelder-Turnhalle, ein großer Theatersaal mit Bühne und Empore, der Platz für bis zu 400 Menschen bietet, eine Schulbibliothek, eine Schulküche samt Mensa, zwei Musik- und zwei Klassenräume. Die Grundfläche der Schule wird sich mehr als verdoppeln, das bestehende dreigeschossige Schulgebäude mit 1147 Quadratmetern Bruttogrundfläche durch den zweigeschossigen Neubau um 1306 Quadratmeter erweitert.

Bilder vom Richtfest

Richtfest an der Waldorfschule

Jahrelange Planungen, ein straffes Sparprogramm und viel Engagement der Schul gemeinschaft waren nötig, um die finanziellen Rahmenbedingungen zu schaffen, Ende 2007 fiel dann die Entscheidung zum Ausbau der Bildungseinrichtung. Zur Finanzierung hat sich der Waldorfkindergarten- und Schulverein Dietzenbach 2,8 Millionen Euro bei der Bank geliehen, aus dem Bund-Länder-Investitionsprogramm „Zukunft Bildung und Betreuung“ zum Ausbau von Ganztagsschulen kommen rund 330.000 Euro, eine Million Euro muss die Schulgemeinschaft selbst aufbringen – eine stolze Summe für eine Privatschule.

Unsere Schule ist über die Jahre stark gewachsen, und der Anbau war dringend nötig, um das pädagogische Angebot erweitern zu können“, erklärt Barbara Schleich, die sich für die Rudolf-Steiner-Schule um die Presse kümmert. Wie dringend mehr Platz benötigt wird, macht sie am Beispiel der Mensa deutlich: „Die von Eltern ehrenamtlich betriebene Schulküche gibt täglich etwa 200 Mahlzeiten aus. Derzeit ist sie nicht nur sehr beengt untergebracht; die Schüler müssen auch täglich Tische und Stühle rücken, um zur Mittagszeit zwei Klassenräume in eine provisorische Mensa zu verwandeln.“

Ein Chor an Lobliedern

So bedankten sich Schulleitung und Vorstand gestern beim Festakt vor der neuen Mensa besonders für die gute Zusammenarbeit bei den Bauleitern und Handwerkern. Selbst der heftige Wintereinbruch hatte den Zeitplan nicht durcheinandergebracht. Die organisch geformten riesengroßen Dachbalken für den neuen Trakt, die manchen Vorbeifahrenden an der Vogelhecke staunen ließen, sind mittlerweile fristgerecht verbaut, der zweite Bauabschnitt geht mit Riesenschritten der geplanten Fertigstellung im Sommer entgegen. Als nächstes folgen die Dachdeckerarbeiten, die Fenster werden eingesetzt, und der Innenausbau beginnt. Der Schulbetrieb im neuen Gebäudeteil soll dann planmäßig zum Beginn des Schuljahres 2010/2011 starten.

Angesichts solcher Aus sichten zeigte sich Norbert Handwerk, Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft der Walddorfschulen, gestern fast gerührt, „dass ich das noch erleben darf“. Schon vor 20 Jahren, als er als Lehrer an der Dietzenbacher Schule tätig war, sei diese Vision in aller Munde gewesen. Auch Bürgermeister Jürgen Rogg stimmte in den Chor der Loblieder mit ein, nannte die Schule ein „wichtiges Aushängeschild für die Stadt“ mit Sogwirkung. Denn manch junge Familie sei eigens der Waldorfschule wegen in die Kreisstadt gezogen.

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