Corona-Regeln an Schulen

Maskenatteste häufen sich an Waldorfschule in Dietzenbach

Die Maske absetzen dürfen Schüler im Unterricht aktuell nur mit Attest. An der Waldorfschule in Dietzenbach gibt es davon auffällig viele.
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Die Maske absetzen dürfen Schüler im Unterricht aktuell nur mit Attest. An der Waldorfschule in Dietzenbach gibt es davon auffällig viele.

Nach dem Skandal um ungültige Maskenatteste an einer Freiburger Waldorfschule ist klar: Auch an der Waldorfschule in Dietzenbach sind auffällig viele Kinder vom Masketragen befreit.

Dietzenbach – Besorgte Eltern berichten, dass in manchen Klassen bis zu 14 Kinder mit entsprechenden Attesten sitzen – und, dass diese Kinder allesamt impfkritische Eltern haben. „In der Klasse meiner Tochter sitzen aktuell mal sieben, mal acht Kinder, komplett ohne Maske. Es waren auch schon zehn“, berichtet eine Mutter, deren Nachwuchs die Waldorfschule besucht. „Und jeder an der Schule weiß, dass es gerade die Kinder von den Eltern sind, die Corona leugnen oder Impfgegner sind.“

All diese Kinder könnten ein ärztliches Attest vorweisen, das sie vom Masketragen befreit. „Aber in der Masse und Häufung ist das natürlich eine Farce“, sagt eine andere Mutter, die ebenfalls zur Waldorf-Schulgemeinde gehört und in Aschaffenburg wohnt. Sie berichtet gar von zeitweise 14 Kindern ohne Maske in der Klasse.

Waldorfschule in Dietzenbach (Kreis Offenbach): Schulleitung stößt bei Maskenattesten an Grenzen

Auch die Schulleitung hat offenbar erkannt, dass etwas getan werden muss, hat die betroffenen Kinder gebündelt und mit Abstand zur restlichen Klasse an die geöffneten Fenster gesetzt. Angeblich sei das auch so mit dem Schulamt abgestimmt. Das habe die Schulleitung den Eltern versichert. Überhaupt sei die Schulleitung sehr engagiert und würde alles tun, um die Schutzmaßnahmen umzusetzen, berichtet die Mutter. „Aber man merkt, dass sie bei den Attesten an Grenzen stößt.“

Dass es an der Waldorfschule in Dietzenbach brodelt, zeigt auch folgende Schilderung: Teile der Elternschaft hätten in sozialen Netzwerken immer wieder eine Nähe zu Querdenkern erkennen lassen, berichtet eine der Mütter. Irgendwann habe dann sogar die Schulleitung reagiert und klipp und klar gesagt, dass das nicht weiter geduldet werde. Seitdem sei so etwas auch nicht mehr geschehen.

Dennoch gibt es auch in der Lehrerschaft offenbar Kollegen, die Corona nicht richtig ernst nehmen und die Meinung vertreten, dass man immun gegen das Virus sei, wenn man nur die richtige Einstellung habe, sagt die Mutter. „Da wird einem wirklich anders, wenn man sein Kind da jeden Morgen hinschicken muss.“

Corona-Masken an Dietzenbacher Waldorfschule: „Steht uns nicht zu, anzuzweifeln“

Bei der Waldorfschule bestätigt man die geschilderte Lage weitgehend. „Allerdings müssen wir natürlich den Eltern glauben, wenn sie ein ärztliches Attest vorlegen“, argumentiert Waldorfschulen-Geschäftsführerin Anna-Maria Kraus. „Uns steht es nicht zu, da eine medizinische Indikation anzuzweifeln.“ Es gebe mittlerweile Listen von Ärzten, die gehäuft solche Atteste ausstellen würden. Dies habe man bei der Beurteilung auch im Hinterkopf. Überhaupt habe die Schule in Sachen Coronasicherheit bisher alles Nötige getan, behauptet Kraus. „Wir haben uns nichts vorzuwerfen.“

Auch im Fall von „manchen Kollegen, mit denen wir Schwierigkeiten hatten, haben wir klar gesagt: Haltet euch an die Regeln. Und wir haben da auch harte Bandagen angelegt.“ Zudem stehe man im Austausch mit dem Staatlichen Schulamt und habe signalisiert bekommen, dass soweit alles seine Ordnung habe. Die Geschäftsführerin appelliert deshalb an die besorgten Eltern, mit den Eltern der Kinder mit Maskenattest zu sprechen. „Vielleicht würden sie dann auch erfahren, warum diese Kinder keine Masken tragen können. Ich jedenfalls bin sehr traurig, dass nun Eltern gegen Eltern vorgehen.“

Kreis Offenbach: Mehrere Atteste von Waldorfschülern in Dietzenbach werden geprüft

Beim Staatlichen Schulamt ist die Masken-Problematik an der Dietzenbacher Waldorfschule bekannt. „Mehrere Eltern haben sich mit ihren Sorgen an uns gewendet und uns auf eine Häufung der Atteste zur Befreiung von der Maskenpflicht hingewiesen“, sagt die im Schulamt für die Waldorfschule zuständige Dezernentin und Coronabeauftragte Karin Rosbach.

In der Tat würden aktuell mehrere Atteste von Waldorfschülern wegen möglicher Auffälligkeiten zur Prüfung vorliegen. Allerdings gebe es im Moment beim zuständigen Kreis Offenbach nicht genügend Kapazitäten, um die Prüfungen durchzuführen. „Uns sind da in gewisser Weise auch die Hände gebunden, weil es uns nicht zusteht, eine medizinische Bewertung vorzunehmen. Mehr können wir seitens des Schulamtes deshalb aktuell nicht tun.“ Die Dezernentin räumt aber ein: „Bei den Attesten von der Dietzenbacher Waldorfschule ist eine Häufung zu erkennen.“ An den anderen Schulen in Stadt und Kreis gebe es nur vereinzelte Fälle. (Von Christian Reinartz)

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