Demokratiekonferenz:

Mehr Plätze zum „Rumhängen“

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Zum Abschluss der Demokratiekonferenz gab es zahlreiche Gespräche unter den Teilnehmern. Auch wurden die vielfältigen Projekte präsentiert.

Dietzenbach - Mehr als hundert Menschen sind zur Demokratiekonferenz ins Rathaus gekommen. Dabei ging es diesmal um die Teilnahme von Jugendlichen an demokratischen Prozessen. Von Burghard Wittekopf 

Unter dem Motto „G3 – Gesellschaft gemeinsam Gestalten“ fand die Demokratie- und Integrationskonferenz im Konferenzsaal des Rathauses statt. Veranstaltet wurde die Projektmesse vom Integrationsbüro der Kreisstadt und der lokalen Partnerschaft für Demokratie im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie Leben!“. Dass der Begriff Demokratie in der Kreisstadt tief verankert ist, zeigen die Bürger durch ihr ziviles Engagement für Integration und gegen jede Art von Rassismus in zahlreichen Projekten wie dem Internationalen Frauentreff, Interkulturellem Training, „Café Füreinander“ oder der Fahrradwerkstatt.

Die Teilnehmerzahl wuchs in den vergangenen Jahren stetig. Diesmal waren es mehr als 100. Erster Stadtrat Dieter Lang begrüßte die Gäste und lobte das große Netzwerk, das sich in den vergangenen Jahren in der Kreisstadt entwickelt hat.

So ein Netzwerk muss aufgebaut und gepflegt werden. Verantwortlich dafür und für die Koordination der vielen ehrenamtlichen Projekte sind Sonja Hoffmann, Leiterin der Stabsstelle Integration, Michael Becker von der Partnerschaft für Demokratie und Issam Ahsayni vom Integrationskonzept. Sie stellten ihre Arbeit vor und ermunterten die Teilnehmer zu regem Austausch.

Schwerpunkt der Veranstaltung waren Jugendliche. Dafür war die Frankfurterin Yagmur Mengilli als Referentin eingeladen. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Koordinatorin im EU-Forschungsprojekt „Partispace“, das sich, wie berichtet, mit dem Thema „Jugendliche“ und ihrer Art der Partizipation an Demokratie und Öffentlichkeit beschäftigt. Mengilli versucht Antworten zu finden, wie man Jugendliche zu mehr Teilnahme motivieren kann. So nimmt das „Rumhängen“ – neudeutsch Chillen – einen großen Raum in ihrer Doktorarbeit ein. Einer der Aufhänger bei der Tagung, der zu einer anregenden Diskussion führte, war „Raum für Jugendliche“. In ihrer Forschungsarbeit stellte Mengilli fest, dass Jugendliche oft Plätze suchen, auf denen sie einfach zusammensitzen. Wichtig dabei sei, dass Heranwachsende oft nicht viel Geld hätten und deshalb Plätze ohne Konsumzwang aufsuchen. Damit fallen Orte wie Cafés aus. Auf öffentlichen, konsumfreien Plätzen in der Innenstadt und in Einkaufszentren sind die „Rumhänger“ dagegen nicht gern gesehen. Es gebe zwar Jugendhäuser, aber diese seien nicht wirklich geeignet, um rumzuhängen. Ihre Forschung zeige, dass Jugendliche Räume brauchen, wo sie sich frei und unbeobachtet bewegen können, referierte Mengilli.

Es zeigte sich, dass unter den Konferenzteilnehmern unterschiedliche Meinungen vorherrschten. So forderten Teilnehmer die verantwortlichen Politiker auf, in der Kreisstadt Freiflächen für Jugendliche bereitzustellen. Andere hielten das Thema Sicherheit entgegen. Mengilli plädierte in allen Fällen dafür, die Jugendlichen bei der Suche nach geeigneten Plätzen einzubinden und sie nach deren Vorstellungen zu befragen. Bei den Themen Sicherheit und wie man gewaltbereite Jugendliche erreichen könnte, empfahl Mengilli, dass man mit ihnen und auch mit der Schule sprechen müsse, denn Gewaltbereitschaft habe durchaus andere Hintergründe. Ein Teilnehmer fragte, wie die Situation Jugendlicher in anderen Ländern aussehe. Mengilli nannte Schweden als Musterbeispiel, wo Jugendliche viel mehr in politische Entscheidungen eingebunden seien.

So gebe es dort mehr Schülervertretungen und Jugendparlamente. Auch stehe ihnen mehr Geld zur Verfügung. Im Unterschied zu Schweden, vermutet sie, dass sich die Jugendlichen in Deutschland mehr mit bürokratischen, als mit den „eigentlichen Fragen“ beschäftigen. In Schweden würden sich die jungen Menschen eher mit dem Thema „Wie schaffe ich zeitlich mein Abitur, wenn ich mich auch noch im Jugendparlament engagiere“ auseinandersetzen.

Im Anschluss sahen die Teilnehmer den Film „Gleichstrom“, den Heinrich-Mann-Schüler gedreht haben.

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