Mengenrabatt auf Masayaplatz

Wegen Drogenbesitzes in Dietzenbach: 22-Jähriger zu 16 Monaten auf Bewährung verurteilt

Ermittler hatten im Mai 2019 am Masayaplatz einen 22-Jährigen aus Syrien mit Cannabis erwischt. Vom Schöffengericht in Offenbach wurde der junge Mann nun zu einer zur Bewährung ausgesetzten Freiheitsstrafe von 16 Monaten verurteilt und zu gemeinnütziger Arbeit.

Dietzenbach – Staatsanwalt Thomas Glab wirft dem 22-jährigen A. vor, am 15. Mai 2019 mit Haschisch gehandelt zu haben. Er habe 46,6 Gramm verkaufen wollen. Das Gutachten bestimmt den Anteil am Rausch erzeugenden THC auf 16,8 Prozent. Der Angeklagte lag mit rund 7,8 Gramm reinem Wirkstoff über der nicht mehr als geringfügig geltenden Menge von 7,5 Gramm THC. Pflichtverteidiger Ulf Köper erklärt auf Nachfrage von Richter Manfred Beck, sein Mandant werde sich zu den Vorwürfen äußern. Ja, er habe das Cannabis besessen, aber keinen Handel betrieben, sondern die Drogen in der Absicht gekauft, sie selbst zu konsumieren. A. flankiert seine Aussage mit diversen Schwüren. Richter Beck will wissen, wie sich von 424 Euro aus Hartz IV so eine Menge finanzieren lasse. A. sagt, er habe an dem Tag die letzten 150 Euro von seinem Konto abgehoben und davon 50 Gramm gekauft, um einen Rabattvorteil zu nutzen.

Ein Polizist berichtet, die Ermittler hätten den Masayaplatz ständig im Auge. Den Angeklagten, der in einer Flüchtlingsunterkunft in Rodgau wohnt, habe er bis dahin nicht gekannt. Um eine Kontrolle zu umgehen, sei A. weggerannt, wobei er den Rucksack mit dem Haschisch in ein Gebüsch warf. Als man ihn schließlich stellte, „machte er uns lächerlich“.

A. habe geäußert, in Deutschland passiere ihm doch nichts. Die russische Polizei in Syrien greife ganz anders durch. Hämisch habe er ihn angeschaut und vor dem Abtransport auf die Wache gefragt, „was denkst Du, wann ich wieder frei bin?’“.

In Ungehorsamshaft geschickt

Zu einem anderen Zeitpunkt schätzte A. die Folgen seines Handelns weniger präzise ein. Das Gericht hatte dessen Verhandlung eigentlich für Anfang August eingeplant. Damals nahm A. den Termin jedoch nicht wahr, weshalb Richter Beck die sogenannte Ungehorsamshaft anwies. Im Knast soll er einen Wachmann angegangen haben, was ein weiteres Verfahren nach sich ziehen dürfte.

Der Angeklagte schwört auf Nachfrage des Richters, er werde nie mehr Haschisch rauchen. Außerdem betont er refrainartig, keinen Handel betrieben zu haben, auch wenn er laut Polizei am Masayaplatz konstatierte, „was ihr bei mir findet, ist nur ein Prozent“. Letztlich spielt das keine Rolle. Auch der Besitz wird mit mindestens einem Jahr Haft bestraft.

A., der im November 2015 nach Deutschland kam, sammelte bislang Vorstrafen wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und Diebstahl. Vor Gericht ermahnen ihn Richter Beck und Rechtsanwalt Köper wiederholt, nicht reinzureden. Staatsanwalt Glab erklärt, Handel lasse sich tatsächlich nicht nachweisen, der Besitz aber schon. Er plädiert auf 16 Monate Gefängnis. Auch wenn sich kaum positive Umstände fänden, „kann man die Aussetzung zur Bewährung noch einmal verantworten“. Schließlich habe A. bis jetzt noch keine Haftstrafe kassiert. Glab fordert außerdem das Ableisten von 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Anwalt Köper stimmt zu. Die Sprüche gegenüber der Polizei seien jugendlichem Übermut entsprungen.

Richter Beck und die Schöffinnen verhängen neben den 16 Monaten Gefängnis auf eine Bewährungszeit von vier Jahren 100 Stunden gemeinnützige Arbeit. Das Urteil nehmen alle an. Der Angeklagte freut sich, nicht mehr in die JVA zurückzumüssen: „Danke, Herr Richter. Auf Wiedersehen.“ (Stefan Mangold)

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