Samuel Diekmann

Miete einen Pastor für Hochzeit oder Trauerfall

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Pastor Samuel Diekmann

Dietzenbach - Es gibt Anlässe, die nach einer besonderen Form verlangen: Für viele Menschen sind das Hochzeiten und Beerdigungen. Weil Zeremonien vergangener Jahrzehnte oft überholt scheinen und die Kirche kein Monopol auf die Gestaltung dieser Rituale mehr hat, gibt es öfter freie Redner. Von Simone Weil

Das hat damit zu tun, dass immer weniger Leute einer Kirche angehören. Deswegen wirbt Pastor Samuel Diekmann von der Dietzenbacher Jesus-Gemeinde schon länger auf seiner privaten Homepage mit dem Slogan „rent-a-pastor“ („Miete einen Pastor“). Nun ist aus dieser Idee ein Portal oder eine Agentur geworden. „Jetzt habe ich mich getraut, ein Gewerbe gegründet (Eventmanager), einen Brief nach München zum Marken- und Patentamt geschickt, um den Namen rent-a-pastor.com als Marke zu sichern und begonnen, mich mit kompetenten Kollegen zu vernetzen.“

Diekmann ist nicht nur Theologe, sondern auch Designer, Buchautor, Aktivist und Kampagnenmanager und kennt die fromme Szene gut: Es gibt gute Redner und weniger gute Redner – in seine Kartei sollen nur die besten kommen. Deswegen wirbt er mit seinem Ausschlusskriterium. „Wer schlechte Kritiken bekommt, fliegt raus“, betont der Pastorenvermittler. So sollen Besucher der nach Postleitzahlen unterteilten Homepage sicher sein können, dass nur die Besten gebucht werden.

Angebot zurück zu den Kirchen holen

Auf mehreren Plattformen bieten zwar freie Theologen ähnliche Dienstleistungen an. Doch der 31-Jährige will dieses Angebot zurück zu den Kirchen holen. „Das ist ganz oft so: Auch wenn die Religion das ganze Leben lang keine Rolle gespielt hat, stellt sich die Frage in diesen bestimmten Situationen doch noch mal ganz anders.“ Bezüge zu den Fragen der Zeit sind für den jungen Familienvater, der sich auch auf Youtube und Facebook tummelt, ebenso selbstverständlich wie der Gebrauch der neuen sozialen Medien.

Jeder Pastor, der mitmacht, hat sich dazu verpflichtet, dass Kirchenmitgliedschaft keine Rolle bei den Anfragen spielt Gegen ein Honorar oder eine Spende können auch Kirchenferne das Angebot wahrnehmen. Für diejenigen, die ihre Dienste anbieten, ist das interessant, weil sie sich um nichts kümmern müssen: Visitenkarten, Plakate und Broschüren hat Diekmann bereits entwickelt. Er selbst ist vor allem von der Idee begeistert, sich mit anderen zu vernetzen.

Redner werden kurz mit ihren Profilen vorgestellt

Die Redner werden kurz mit ihren Profilen vorgestellt. Besucher der Homepage erfahren, ob es sich um einen klassischen, eher unkonventionellen oder einen musikalischen oder unmusikalischen Redner handelt und können sich in Artikeln über Hochzeiten und Beerdigungen informieren und inspirieren lassen. „Unsere Redner sind dazu bereit, unkonventionelle Wege zu gehen, niedrigschwellige geistliche und individuelle Angebote zusammen mit dem Kunden zu entwickeln.“

Im Einzelfall will man flexibel sein und abwarten, was die Kunden wollen. Es ist immerhin weitestgehend Neuland, das Theologe Diekmann und seine Mitstreiter betreten, das behutsam und ganz individuell gestaltet werden muss. Dazu zählt etwa auch, dass bei einer Trauerfeier längst nicht mehr nur klassische Melodien erklingen, sondern immer öfter die Lieblingsmusik des Verstorbenen läuft. Wie unlängst geschehen, können das eben auch Lieder von Elvis Presley sein.

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