Haushalt der Stadt

Das Minus erträglicher gestalten

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Dietzenbach -  Schon seit vier Jahren wiederholt sich das Prozedere bei den Haushaltsberatungen: Die Lokalpolitiker wollen wissen, wann die Sozialstation mit den Stadtschwestern endlich die in Aussicht gestellte schwarze Null schreibt. Von Christoph Zöllner 

Es gebe umfangreiche Bemühungen, das Minus erträglicher zu gestalten, heißt es dann, ein Durchbruch sei allerdings noch nicht in Sicht. Bei der jüngsten Lesung hakte GDL-Fraktions-Chefin Andrea Wacker-Hempel nach, die Antworten lieferte Walter Fontaine, Fachbereichsleiter Soziale Dienste. Ihm zufolge gab es zuletzt Gespräche über eine Fusion mit einer Darmstädter Stiftung, die auf Anfrage einen losen Kontakt bestätigte. Erster Stadtrat Dietmar Kolmer (CDU) kündigte an, in den nächsten Wochen noch einmal mit der Stiftung reden und danach die Stadtverordneten informieren zu wollen.

„Wann können wir die Kosten auf null setzen?“ fragte Harald Nalbach, Fraktionsvorsitzender von WIR-BfD. Immerhin sieht der mit dem Land vereinbarte Rettungsschirm-Vetrag vor, dass das jährliche Defizit der Einrichtung von 97.000 Euro ab 2015 entfallen soll. Ziel sei es, dass bis Ende Juni Klarheit herrsche, wie es mit der Sozialstation weitergeht, legte sich Bürgermeister Jürgen Rogg fest. Einerseits gebe es Verhandlungen mit dem Gesamtpersonalrat über mögliche Lösungen, andererseits bemühe sich Fontaine um einen Anbieter, der die Pflegedienstleistungen übernehmen könnte.

Interkommunale Zusammenarbeit

Derweil sind Fontaine zufolge Gespräche mit der Stadt Rodgau über eine interkommunale Zusammenarbeit gescheitert. Seitens der Nachbarstadt gebe es kein Interesse mehr, berichtete er. Die dortige Sozialstation ist seit etwa zehn Jahren eine gemeinnützige GmbH, an der die Johanniter zur Hälfte beteiligt sind. Die schwarze Null wurde dort schon im zweiten Betriebsjahr erreicht.

Die Dietzenbacher Stadtschwestern genießen einen guten Ruf. Pflegeprofis bewerten ihre Arbeit regelmäßig mit „sehr gut“ (wir berichteten). Zurzeit kümmern sich Fontaine zufolge sechseinhalb Kräfte um 34 Patienten. Zwei Stellen sind nicht wiederbesetzt worden. „Manche Projekte lassen sich nicht zu einem guten Ende führen“, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Helmut Butterweck während der Haushalts-Lesung. Seit Jahren schon werde darüber geredet; alle Ideen seien bislang ins Leere gelaufen. Es führe kein Weg daran vorbei, die Sozialstation zu schließen, so Butterweck.

Kürzlich war bekannt geworden, dass die Stadtverwaltung bei den Personalkosten bis zum Jahr 2020 alleine durch das Ausscheiden von 34 Mitarbeitern jenseits der Altersgrenze insgesamt 1,35 Millionen Euro und damit 12,1 Prozent einsparen kann. Sollte auch noch die Sozialstation mit den Stadtschwestern geschlossen werden, seien es sogar 14,5 Prozent. Aber noch ist nichts entschieden. Bis auf Weiteres läuft der Betrieb normal weiter: „Wir sind voll einsatzbereit“, betonte Fontaine auf Anfrage.

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