„Mit Bauchweh“ mildere Strafen gewährt

Dietzenbach/Darmstadt - „Ich war damals ein ganz anderer Mensch, ich habe heute eine ganz andere Einstellung“, versichert Veli T. Seit März sitzt der 19-Jährige in Haft. Gestern haben er und der Mit-Angeklagte Samed K. (21) vor dem Landgericht Darmstadt für eine Milderung ihrer Strafen gekämpft. Mit Erfolg. Von Katrin Diel

Im August 2008 hatte das Amtsgericht Offenbach Samed K. und Veli T. wegen verschiedener Vergehen zu Jugendstrafen von drei Jahren sowie zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Sowohl die Angeklagten als auch die Staatsanwaltschaft gingen in Berufung.

In der Nacht vom 5. auf den 6. Mai 2007 waren die beiden jungen Männer zusammen mit einem Dritten mit dem Taxi von Frankfurt zu ihrem Wohnort Dietzenbach gefahren. Sie hatten reichlich Alkohol und Drogen konsumiert. Aus Geldmangel beschlossen sie, dem Fahrer sein Portemonnaie zu entwenden. Nach Ende der Fahrt sprühte Veli T. dem Opfer Pfefferspray ins Gesicht, während Samed K. versuchte, an die Geldbörse zu kommen. Der Taxifahrer konnte jedoch flüchten.

Am Tathergang besteht kein Zweifel, die Angeklagten zeigten sich von Anfang an geständig – auch in Bezug auf weitere frühere Vergehen. Dem heute 21-jährigen K. werden unter anderem 18   Autoaufbrüche in Neu-Isenburg, Langen und Obertshausen zur Last gelegt. Mit dem Verkauf der Beute, etwa Laptops und Navis, finanzierte er seine Drogensucht, er konsumierte Marihuana und Kokain. Auch der gefährlichen Körperverletzung hat er sich schuldig gemacht.

Nach fünf Monaten Untersuchungshaft durfte K. in eine therapeutische Einrichtung wechseln. Schon vor seiner Verurteilung im August habe er das Ziel gehabt, seine Sucht in den Griff zu kriegen. In der Therapie verhält er sich laut Beurteilung seines Betreuers vorbildlich: Er sei gut integriert, sozial engagiert und mitfühlend. Vor Gericht erschien er im dunklen Anzug, die halblangen Haare ordentlich zurück gegelt.

Auch Veli T. ist bereits vor dem Taxiraub strafrechtlich in Erscheinung getreten. Diebstahl, Körperverletzung und Verstoß gegen das Waffengesetz stehen auf der Liste seiner Vergehen. Er habe sich in der Haft gebessert, an Kursen und Trainigseinheiten teilgenommen, mit Tai-Chi Konfliktbewältigung gelernt und nehme keine Drogen mehr, gab T. an. Außerdem habe er eine Ausbildungsstelle in Aussicht.

Der Staatsanwalt zeigte sich von dieser Besserung nicht überzeugt, er forderte drei beziehungsweise vier Jahre Haft für T. und K. Die Richter milderten das Urteil des Amtsgerichts trotz der Schwere der Vergehen ab. „Mit Bauchweh“, betonte der Vorsitzende Richter Thomas Sagebiel. „Aber wir wollen ihre momentanen Bemühungen nicht zurückweisen.“

Veli T. erhält eine Vorbewährung von neun Monaten und darf das Gefängnis unter strengen Auflagen verlassen. Er muss sechs Monate lang eine elektronische Fußfessel tragen, die jede seiner Bewegungen überwacht. Das Urteil für Samed K. lautet zwei Jahre und fünf Monate. Er kann beantragen, dass nach Beendigung seiner Therapie der Rest seiner Strafe zur Bewährung ausgesetzt wird.

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