Mit offenen Karten spielen

Dietzenbach: Grünen-Politiker René Bacher spricht über seine Kandidatur als Bürgermeister

Mit dem Fahrrad an der Heinrich-Mann-Schule: René Bacher will ein Bürgermeister für alle sein
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Mit dem Fahrrad an der Heinrich-Mann-Schule: René Bacher will ein Bürgermeister für alle sein

Bei der Dietzenbacher Bürgermeisterwahl tritt René Bacher als Kandidat für die Grünen an. Nun hat er seine Ziele und politischen Vorstellungen für Dietzenbach präsentiert.

Dietzenbach – Bürgermeister zu werden: Diesen Gedanken hegt René Bacher, der die Grünen als Stadtrat im Magistrat vertritt, bereits seit einigen Jahren. Doch sein Umfeld hatte ihm geraten, noch ein wenig zu warten. „Die Bedenken waren vor einiger Zeit noch, dass ich zu jung bin“, sagt der heute 34-Jährige. Den Rat befolgte er zunächst. Aber nach elf Jahren Kommunalpolitik sieht er seine Zeit nun gekommen. „Ich habe jetzt das nötige Wissen und die Reife, um solch ein Amt auszufüllen“, ist Bacher überzeugt.

Wird der Politiker, der seit 2009 bei den Grünen ist, gewählt, will er viel bewegen. „Als Bürgermeister hat man Gestaltungsmöglichkeiten“, sagt Bacher. Man könne entscheiden, zu welchem Zeitpunkt eine Vorlage der Stadtverordnetenversammlung vorgelegt und bei Zustimmung, zu welchem Zeitpunkt sie umgesetzt werde. „Mir ist es wichtig, einiges deutlich schneller umzusetzen, als es derzeit der Fall ist“, betont der Kandidat.

Das Rüstzeug für das Amt des Bürgermeisters, so sagt er, habe er durch seine Tätigkeit als stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher in der Zeit von 2016 bis 2019 sowie im Magistrat erworben. „Dadurch habe ich noch einmal ganz andere Einblicke in die Politik, aber auch in die Stadt erhalten“, sagt der Vater zweier Jungs, der seit elf Jahren in Dietzenbach lebt. Doch auch sein Beruf als Grundschullehrer an der Schule „An den Linden“ in Rödermark sei eine gute Vorbereitung. „Ich bin dort die ständige Vertretung der Schulleitung.“ So habe er Kenntnisse über die Funktionen einer Verwaltung erhalten. Durch sein Studium habe er zudem auch die Fähigkeit erworben, sich schnell in verschiedene Themen einzulesen und diese anzugehen. Studiert hat René Bacher neben Politik und Wirtschaft die Fächer Deutsch, Mathe, Geografie und Ethik.

Einsetzen will der Bürgermeisterkandidat sein Know-how etwa für die Vereinslandschaft. „Denn sie ist der Kit unserer Stadt“, betont der gebürtige Dieburger, der selbst bereits die verschiedensten Vereinsämter ausgefüllt hat. Außerdem ist es ihm ein Anliegen, das Stadtleben mit seinen Festen und der Kultur wieder mehr zu beleben. „An dieser Stelle darf nicht weiter eingespart werden.“ Gleiches gelte für den sozialen Bereich der Stadt.

In wirtschaftlichen Belangen hält es Bacher hingegen für dringend notwendig, dass insbesondere die vielen kleinen Unternehmen deutlich mehr Unterstützung durch die städtische Verwaltung bekämen. Denn diese hielten, wie auch die Vereine, die Stadt zusammen. „Wir müssen aktiv über das Angebot in der Stadt reden, damit das Geld der Dietzenbacher auch in Dietzenbach bleibt“, sagt er. So könne man städtische Werbeflächen etwa für den Einzelhandel nutzen oder auf der Internetseite der Stadt ein Online-Schaufenster einrichten. „Derzeit wirbt die Kommune an diesen Stellen nur für sich selbst“, kritisiert René Bacher.

Es stehen jedoch auch Themen wie Klimaschutz und Verkehr auf seiner Agenda. „Ich werde mich dafür einsetzen, dass nicht auch noch der letzte Baum in unserer Stadt abgeholzt wird“, sagt der 34-Jährige. Er wolle insgesamt erreichen, dass es in Dietzenbach wieder mehr Grün und weniger Beton gebe. Ebenso liegt ihm der Ausbau des Radwegenetzes am Herzen. „Es kann nicht sein, dass Kinder trotz Fahrradführerschein nicht sicher von Steinberg in die Altstadt kommen.“

Die Farbe seiner Partei, so stellt Bacher klar, soll während seiner möglichen Amtszeit keine vordergründige Rolle spielen. „Ich will ein Bürgermeister für alle sein“, betont er. Dass er dennoch als „Grüner“-Kandidat und nicht, wie viele ihm geraten haben, als Parteiloser antritt, sei vor allem der Tatsache geschuldet, dass er die Politik der Grünen all die Jahre vertreten habe. „Mich als Unabhängiger aufstellen zu lassen, hätte ich deshalb als Schwindel empfunden“, sagt das Magistratsmitglied. Denn man mache keine ungebundene Politik. Schließlich habe jeder sein Netzwerk, mit dem er im Austausch stehe.

Gleichzeitig hindere seine Parteizugehörigkeit ihn nicht daran, die dem Bürgermeister gebotene Neutralität zu wahren. „Wenn es in der Stadtverordnetenversammlung zu Mehrheits-Entscheidungen kommt, hinter denen ich persönlich nicht stehe, werde ich diese dennoch mittragen“, sagt Bacher. Schließlich hätten sie durch die Abstimmung die demokratische Legitimation erhalten. „In diesen Momenten muss man die Größe haben, etwas durchzusetzen, das man selbst nicht vertritt.“

Von Anna Scholze

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