"Diese Erdnüsse haben sie nicht für euch"

Mitarbeiter des Unternehmens Pittler demonstrieren für „Tarifliches Zusatzgeld“

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Warnstreik bei Pittler TS: Mitarbeiter legen die Arbeit nieder.

Warnstreik an der Johannes-Gutenberg-Straße: 65 Angestellte des Maschinenbauunternehmens Pittler T+S sind gestern dem Aufruf der IG Metall gefolgt und haben die Arbeit niedergelegt.

Dietzenbach –Mit einer kurzen Kundgebung vor dem Tor bekundeten die Metaller ihren Willen, für die Anerkennung des Tarifvertrages „Tarifliches Zusatzgeld“ zu kämpfen. Die Belegschaft von Pittler war in roten Shirts gekleidet, auf denen stand: „Wir kämpfen für unseren Platz im T-Zug. “ Der Warnstreik war eine Früh-Schluss-Aktion: Nach der Kundgebung sind die Mitarbeiter nicht wieder an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt.

Worum geht es? Das tarifliche Zusatzgeld ist vereinfacht dargestellt eine seit 2018 von der IG Metall ausgehandelte jährliche Sonderzahlung: eine Einmalzahlung in Höhe von 27,5 Prozent eines Monatsentgelts (T-Zug A) sowie und eine Pauschale von 400 Euro (T-Zug B). Beschäftigte mit kleinen Kindern, pflegebedürftigen Angehörigen und Schichtarbeiter haben zudem die Möglichkeit, statt dieser Geldzahlung (T-Zug A) acht freie Tage zusätzlich zu nehmen. Dieses Plus an Selbstbestimmung der Beschäftigten bei der Arbeitszeit ist laut IG Metall ein Meilenstein tariflichen Fortschritts.

"Warum sollen wir das nicht auch bekommen?"

Das Unternehmen Pittler verweigert sich nach Auskunft der IG-Metallerin Marita Weber bislang dieser tariflichen Veränderung. Der Verhandlungsführer und Gewerkschaftssekretär der IG Metall, Luis Sergio, berichtete den Streikenden von der bislang letzten Verhandlung zu Wochenbeginn, die ergebnislos und ohne einen neuen Termin zu vereinbaren, beendet wurde. Das Unternehmen nannte laut Sergio einen Betrag von rund 100 000 Euro, die das tarifliche Zusatzgeld kosten würde. Sergio nannte den Betrag Peanuts für das Unternehmen. „Aber diese Erdnüsse haben sie nicht für euch“, machte der Gewerkschaftler deutlich. Vielmehr habe die Geschäftsleitung, die gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen war, eine „madige Praline“ angeboten: „Die Geschäftsführung versucht, die Belegschaft von Pittler gegen die Belegschaft von Diskus-Werke (Anm. d. Red.: Beide Unternehmen teilen sich einen Gemeinschaftsstandort) auszuspielen – das lassen wir uns nicht gefallen,“ äußerte Sergio unter Beifall der Streikenden. Die ebenfalls auf dem Gelände befindliche Firma Diskus-Werke ist 2008 aus dem tarifgebundenen Arbeitgeberverband ausgetreten. Seitdem haben die Diskus-Beschäftigten nur unregelmäßig Entgelterhöhungen erhalten.

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„Wir tun viel fürs Unternehmen, machen Überstunden, arbeiten teils samstags und sonntags und fahren auf Montage“, sagte ein Angestellter. Zudem arbeite man 40 Stunden pro Woche, bekomme aber nur 35 bezahlt. Er finde es eine „ganz gute Sache, die die IG Metall da ausgehandelt hat“, und fragte: „Warum sollen wir das nicht auch bekommen?“

Bei Pittler gilt seit 2002 ein Anerkennungstarifvertrag auf Basis der Metall- und Elektroindustrie Hessen. Neue Tarifverträge wie den T-Zug müssen neu anerkannt werden. Das hat der Arbeitgeber in diesem Fall erstmalig abgelehnt. „Bislang haben wir mit Pittler keine Probleme gehabt“, betonte Weber.

Wie es weiter geht, ist offen. Sergio kündigte an, in den Kampfmodus schalten zu wollen. Das werde kein Spaß und kein einfacher Weg, betonte er vor der Belegschaft.

VON RONNY PAUL

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