Mitglieder der AGS ziehen vor Gericht und bekommen Recht

Krach hinter den Kulissen

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Um das Europahaus an der Offenthaler Straße kümmert sich die gemeinnützige Gesellschaft Sakubi, deren alleiniger Gesellschafter die AGS ist.

Dietzenbach - Bei der Aktionsgemeinschaft Soziale Arbeit und der gemeinnützigen Gesellschaft Sakubi haben sich Mitglieder gegen den Vorstand aufgelehnt und geklagt. Der Fall landete vor dem Oberlandesgericht. Von Ronny Paul und Silke Gelhausen-Schüßler 

Dass der Haussegen bei Sakubi schief hing, war nicht zuletzt durch den Streit um die im Winter nicht funktionierende Nahwärmeheizung der Familie Müller am Europahaus deutlich geworden (wir berichteten). Der damalige Sakubi-Geschäftsführer Oliver Quast klagte unter anderem über fehlendes Geld, woran die Instandsetzung der Heizung letztlich gescheitert sein soll. In dem Zuge war von der anderen Seite zu vernehmen, Mitarbeiter seien mit der Art und Weise von Quasts Geschäftsführung nicht einverstanden. Erste Indizien zeigten sich im sich nach und nach dezimierenden Aufsichtsrat.

Die Aktionsgemeinschaft Soziale Arbeit (AGS) gibt es seit 1995 in Dietzenbach. Sie ist freier Jugendhilfeträger, der schwerpunktmäßig Gewaltprävention und Erlebnispädagogik für Jugendliche, aber auch Trainings für Erwachsene anbietet. Zum Verein gehört die gemeinnützige Gesellschaft Sakubi. Sie wurde 2011 gegründet, die AGS ist ihr alleiniger Gesellschafter. Die Hauptaufgabe von Sakubi ist die Verwaltung des Europahauses an der Offenthaler Straße, zu dem auch der Hochseilgarten gehört.

Quast wurde vom Vorsitzenden der AGS, Professor Gerd Stüwe, als Geschäftsführer im April vergangenen Jahres eingesetzt. Diese Personalie sorgte für ersten Unmut: Quast ist der Schwiegersohn von Professor Stüwe. „Das war ein Alleingang“, erinnert sich der neue Sakubi-Geschäftsführer Herbert Nuschenpickel und wird konkret: Quast sei nicht gerade prädestiniert für das Arbeitsfeld gewesen, das habe nachweislich zu großen Problemen geführt. Und auch das gesamte Betriebsklima habe unter Quast gelitten.

Vergangenes Jahr hatte man sich derart entzweit, dass vier Mitglieder gegen den AGS-Vorsitzenden Professor Stüwe vor dem Zivilgericht klagten. Dabei ging es um mehrere artverwandte Dinge: Kläger Nummer eins und zwei wurden von den Vorstandswahlen im November 2016 ausgeschlossen, nachdem ihnen schon vor längerer Zeit das Stimmrecht entzogen worden war. Sie hielten die Wahl daher für ungültig. Bei Klägerin Nummer drei wurde behauptet, sie sei ausgetreten, was sie aber dementierte. Klägerin Nummer vier wurde komplett vom Verein ausgeschlossen.

Dort stellte sich also – nicht nur für die klagenden Mitglieder – die Frage, ob diese Beschlüsse und die Vorstandswahl rechtens waren. Erschwerend hinzu kam noch, dass im Januar neue Mitglieder aufgenommen werden sollten. Dagegen reichten die Kläger eine einstweilige Verfügung ein.

Im Januar 2016 erfolgte der Verkündungstermin des Landgerichts Darmstadt. Die neunte Strafkammer des Zivilgerichts entschied, dass Klägerinnen Nummer drei und vier – beide Gründungsmitlieder – alle Rechte und ihre volle Mitgliedschaft zurückerhalten. Auch die Aufnahme neuer Mitglieder sei unwirksam.

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Die Anliegen der Kläger eins und zwei wurden zurückgewiesen. Dagegen legten die Kläger Berufung ein, die Sache landete vor dem Oberlandesgericht, das in Darmstadt direkt an das Landesgericht grenzt. Dort hatten die Kläger mehr Glück. Das Oberlandesgericht entschied im März, dass alle Beschlüsse der Vorstandswahl vom November ungültig seien. Die Berufung wurde zurückgenommen.

Professor Stüwe wirft in einer Mail an die Redaktion verschiedenen Mitarbeitern der AGS vor, sie hätten im November einen fachfremden, externen Vorstand installieren wollen und Entscheidungen sowie eine adäquate Arbeit blockiert. Damit seien Geschäftsführung und Vorstandsvorsitzender handlungsunfähig gewesen. Er und Quast hätten anonyme Schreiben erhalten und seien persönlich bedroht worden, so Professor Stüwe. Daher seien beide, um die Familien zu schützen, im Februar zurückgetreten: „Ich verzichte an dieser Stelle darauf, die näheren Umstände meines Rücktritts offen zu legen, denn es gibt für mich sinnvollere Tätigkeiten, als solche unsäglichen Angelegenheiten zu erläutern.“

Der neue AGS-Vorsitzende Stephan Schulz-Algi hatte bereits angekündigt, dass sich einiges zum Positiven ändern werde. Auch Nuschenpickel möchte die Vergangenheit nun schnell hinter sich lassen und blickt in die Zukunft: Für die motivierten Mitarbeiter sei der Abgang von Quast wie eine Befreiung gewesen. Der neue Vorstand habe genügend Themen zu bearbeiten und wolle die Wertschätzung der Auftraggeber, zu denen auch der Kreis Offenbach gehört, weiter bestätigen.

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