Muslime gegen Fanatiker

Kein Platz für Extremisten

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Die Bait-ul-Baqi-Moschee am Theodor-Heuss-Ring.

Dietzenbach - Ein Treffen von Pierre Vogel und anderen Salafisten in Dietzenbach sorgt weiter für Aufregung in der Kreisstadt. Die Muslime in Dietzenbach distanzieren sich von den Islamisten. Von Ronny Paul und Norman Körtge

„Alles Quatsch! Wir hatten mit diesem Menschen nichts zu tun und wollen es auch nicht!“ Mohamed Oiadlizi, Vorsitzender des marokkanischen Moscheevereins, dessen Tawhid-Moschee an der Justus-von-Liebig-Straße zunächst im Zusammenhang mit einem Treffen des Salafistenpredigers Pierre Vogel in der Kreisstadt erwähnt worden war (wir berichteten), findet deutliche Worte der Ablehnung. Allerdings muss er zugeben, dass jener ebenfalls in Medienberichten erwähnte belgische Prediger Tarik ibn Ali vor etwa zwei Jahren in der Moschee gewesen sei. Damals habe er aber keine radikalen Thesen vertreten, sagt Oiadlizi, der sich um weitere Transparenz bemüht. Wenn der repräsentative Moschee-Neubau fertig sei – wahrscheinlich Ende April, Anfang Mai – werde er gerne zu einem „Tag der offenen Tür“ einladen und Frage und Antwort stehen. Derzeit laufe dort noch der Innenausbau.

Aykan Aydin, stellvertretender Vorsitzender der DITIB türkisch-islamischen Gemeinde Dietzenbachs, sagt ganz klar, dass sich seine Gemeinde von jeglichen Extremismus distanziere, der im Namen ihrer Religion ausgeübt wird. „Wir mögen Meinungsverschiedenheiten haben. Wir mögen debattieren, gar uns streiten. Wir mögen die Berichterstattung über den Islam in Deutschland kritisieren oder als diffamierend verurteilen, ja sogar uns darüber gerichtlich auseinandersetzen. Rechtswidrigen Äußerungen kann aber nur mit den dafür angemessenen Mitteln des Rechts begegnet werden. Niemals jedoch darf das Leben eines Menschen wegen seines Glaubens oder wegen seiner Meinung angetastet werden“, heißt es in der ausführlichen Presseerklärung nach Anfrage unserer Zeitung. Darin stellt Aydin auch klar, dass bei ihnen keine Hassprediger oder Vertreter extremistischer Organisationen geduldet werden. „Unsere Gemeinde ist für jeden frei zugänglich. Sobald wir aber Gruppierungen von Extremisten in unseren Räumlichkeiten sehen, so werden diese gebeten unsere Gemeinde zu verlassen und solche Aktionen zu unterlassen“, berichtet Aydin.

Großes Polizei-Aufgebot bei Salafisten-Versammlung

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Auch Majid Munir Rammah, zuständig für den interreligiösen Dialog in der Bait-ul-Baqi Moschee der Ahmadiyya-Gemeinde, distanziert sich ganz klar von muslimischen Extremisten wie Pierre Vogel: „Mit denen haben wir absolut nichts zu tun.“ Von dessen Besuch in Dietzenbach habe er erst aus den Medien erfahren. „Die Einstellung der Extremisten und unsere sind komplett gegensätzlich“, beteuert Rammah und ergänzt: „Wir lehnen jede Form von Gewalt und Dschihad strikt ab.“ Er verweist darauf, dass seine Gemeinde stets den interreligiösen Dialog suche und auch permanente Aufklärungsarbeit unter den Mitgliedern betreibe: „Wir organisieren regelmäßig Informationsveranstaltungen wie unseren Tag der offenen Tür.“

Zuletzt betont Rammah, dass seine Gemeinde sehr aktiv in der „Arbeitsgemeinschaft der Religionen in Dietzenbach“ (ARD) mitarbeitet und dort auch ein Positionspapier zum Thema Islam in Arbeit sei. Das bestätigt ARD-Sprecher Horst Schäfer. Bereits im vergangenen Herbst habe sich das Gremium an die Arbeit gemacht, dieses zu erstellen. Allerdings kommen die Mitgliedsgemeinden der ARD erst wieder im März zusammen. Danach werde das Positionspapier auch der breiten Öffentlichkeit vorgestellt, so Schäfer.

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