Sehnsucht nach der Bühne

Mühlheimer Teilzeitdenker freuen sich auf gemeinsame Aktion im Schanz

Probenbetrieb mit Mund-Nasenmaske: Die Aktiven der Theatergruppe Teilzeitdenker bereiten sich auf ihren Kurzauftritt im Mühlheimer Schanz vor.
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Probenbetrieb mit Mund-Nasenmaske: Die Aktiven der Theatergruppe Teilzeitdenker bereiten sich auf ihren Kurzauftritt im Mühlheimer Schanz vor.

„Kunst trotz Corona“ haben sich acht Theatergruppen aus der Mühlenstadt auf die Fahnen geschrieben. Jede steht heute und morgen je 15 Minuten auf der Bühne im Schanz. Die Pandemie führte die Vereine, die ganz unterschiedliche Stilrichtungen vertreten, erstmals zusammen.

Mühlheim – „Edward war mein Vater, ein Lügner. Oder ein Held, ein Träumer, ein Versager? Er hatte ein warmes Herz. Er war nie für mich da. Wir haben so vieles gemeinsam erlebt, aber ich war nicht dabei. Alles, was ich heute bin, bin ich wegen meines Vaters. Mein Vater war kalt. Das alles war mein Vater.“ Mit einem Ausschnitt aus Daniel Wallis’ „Big Fish“ beteiligt sich die Theatergruppe Teilzeitdenker an der Benefiz-Gala. Vom Erlös der Aktion soll der kulturelle Nachwuchs gefördert werden, die drei Vorstellungen sind bereits ausverkauft.

„Mehr Power! Ihr müsst mehr aufeinander reagieren, wie wirkt das auf mich, was willst du von mir, wer soll ich sein?“ Regisseur Philippe Bender ist bei der Probe noch nicht ganz zufrieden mit der Szene. Das Ensemble erzählt die Geschichte eines Kindes, das am Grab seines Vaters realisiert, dass es nichts über ihn weiß. Jeder Darsteller verkörpert eine von vielen Sichtweisen auf den Verstorbenen.

„Die Barriere zum Publikum bricht, es wird Teil der Geschichte“, erläutert Laura Katharina Mücke. Sie arbeitet in Wien, trommelt die Kameraden zusammen. Zwar sind Architekt, Flugbegleiter, Pfarrer, Schauspieler und Mediziner in alle Winde verstreut, dafür haben sie einen großzügigen Raum zum Proben: Bender arbeitet in der freireligiösen Gemeinde in Offenbach als Kultur- und Jugendreferent.

Philippe Bender schreibt, gibt die grobe Richtung vor, aber auch viele „Spiel-Räume“, regt Impulse und Improvisationen an. Nächstes Jahr im Oktober wollen sie das komplette Werk aufführen. „Wir entwickeln immer auf Grundlage eines Buchs ein eigenes Stück“, sagt Organisatorin Mücke. Unter ihnen befindet sich ein Tischler, der den Bau der Kulissen vorantreibt. „Die Arbeit zieht Energie und gibt sie zurück“, erzählt die Sprecherin.

Die Runde entstand 2008 aus der Theatergruppe am Friedrich-Ebert-Gymnasium, heute stehen bis zu 16 Aktive im Scheinwerferlicht. „Das ist gerade das Tolle, Verrückte, dass sich acht Formationen zusammentun“, schwärmt Laura Mücke von dem Projekt im Schanz, „alle haben sich über die Möglichkeit aufzutreten gefreut“. (Von Michael Prochnow)

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