Nabu-Ortsgruppe will sich um den Kaupenwiesengraben kümmern

Trittsteine der Natur schaffen

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Man muss schon etwas Glück haben, einen Feuersalamander in Dietzenbach zu entdecken – aber es gibt sie. Dieses Exemplar des nachtaktiven Tiers hat unser Leser Wolfgang Knecht bei einem abendlichen Spaziergang in der Nähe der Kinder- und Jugendfarm am Bieberbach entdeckt.

Dietzenbach - Der Feuersalamander, der Waldkauz und der Kaupenwiesengraben – den Schutz der Tiere und die Renaturierung des Gebiets hat sich die Nabu-Ortsgruppe der Kreisstadt auf die Fahne geschrieben. Von Yvonne Fitzenberger 

Er ist klein, hat eine schwarz-glänzende Haut mit gelben Tupfen und bevorzugt einen feuchten Wohnort – der Feuersalamander. Die Amphibie, die auch Regenmännchen genannt wird, lässt sich kaum noch blicken. Durch reines Glück tauchte ein Lurch in der Nähe der Kinder- und Jugendfarm auf. Aber auch am Kaupenwiesengraben zeigten sich schon Salamanderlarven. „Allerdings nur sechs Stück, das reicht nicht für das Überleben“, berichtet Ludwig Schneefeld. Er ist der Vorsitzende des Dietzenbacher Naturschutzbunds (Nabu).

Die Ortsgruppe weiß darum, wie selten das Tier geworden ist. Bestürzt, erzählt Schneefeld, sei ein Kollege gewesen, der die Larven entdeckte – wissend um die unsichere Zukunft des Nachwuchses. „Wir haben die Fundstelle mit der unteren Naturschutzbehörde besichtigt“, erzählt der 66-Jährige. Der Plan: eine zweite Mulde schaffen und diese mit natürlichem Stein absichern, um weiteren Salamandern einen Geburtsort zu bieten.Mit der feuchten Erde und den Steinen, die als Unterschlupf für die Dunkelheit liebenden Tiere dienen, arbeitet der Nabu an seinem Vorhaben, die Population des Feuersalamanders zu fördern und ihn wieder zu einem festen Bestandteil der Dietzenbacher Natur zu machen.

Das ist aber nur eines der Ziele, die sich die Ortsgruppe, die Ende Januar 2016 entstand, gesetzt hat. Bereits vor der Gründung engagierten sich einige Mitglieder für den Naturschutz. „Es gab vor zirka zehn Jahren bereits eine Gruppe“, sagt Schneefeld. Diese löste sich allerdings auf. Einige der Ehemaligen sind nun Teil der Dietzenbacher Nabu.

Der Dietzenbacher Nabu bei der Arbeit an einer Hirschkäferwiege in der Nähe des Wollwiesenteichs. Rechts im Bild ist der Vorsitzende des Ortsgruppe, Ludwig Schneefeld. Fürs neue Jahr haben sich die Naturfreunde einiges vorgenommen, etwa Projekte mit der Waldorfschule.

Der 66-jährige Rentner hatte auch schon vor der Entstehung der Ortsgruppe ein Auge für die Natur: 1991 zog er nach Dietzenbach. Seine Wohnung ist Teil eines Rondells, in dessen Mitte eine große Grünfläche liegt. Diese haben sich zahlreiche Vögel als Revier ausgesucht. Das Stück Natur vor seiner Tür veranlasste ihn und seine Kollegen dazu, ein Vogelkataster für die Kreisstadt anzulegen. An diesem können alle Bürger der Stadt teilnehmen. „Das geht auch anonym“, sagt der Vorsitzende. Auch das ist Teil der Arbeit des Nabu, um die Artenvielfalt zu bewahren. Gemeinsam schützen und erneuern sie die Wald- und Wiesengebiete der Kreisstadt, um „Trittsteine der Natur“ zu schaffen, die die Biodiversität fördern.Auf 69 Mitglieder kann der Bund zurückgreifen, aktiv „sind acht bis neun von ihnen“, sagt der Wahl-Dietzenbacher. Das sind nicht genug Hände für die Aufgaben, die die Ortsgruppe anpacken will.

Eines der Projekte für dieses Jahr ist die Betreuung der beiden Streuobstwiesen an der Waldorfschule. „Wir haben bei der Stadt beantragt, dass wir die Pflege übernehmen“, erläutert Schneefeld. Zusammen mit den Waldorfschülern soll der Grünstreifen zum Beispiel durch eine Wildblumenwiese wieder aufgewertet werden. Dadurch werde die Fläche auch zum idealen Lehrort: „Wir wollen Kindern beibringen, die Natur wertzuschätzen“, betont er.

Bilder: Das grüne Paradies von Ulrike Berker aus Dietzenbach

So sucht der Dietzenbacher Nabu auch Schulpaten für seine Gebiete am Kaupenwiesengraben. Die Fläche mit ihren Teichen bietet viele Möglichkeiten, praktischen Biologieunterricht zu organisieren. „Wir würden auch die Gruppen begleiten und Vorträge halten“, sagt der Vorsitzende. Denn so können die Jungen und Mädchen Natur aktiv und bewusst erleben. Aber auch Pflichten kämen auf die Paten zu: Die Klassen erhalten die Möglichkeit, an Aufräumaktionen oder Begehungen teilzunehmen.

„In diesem Jahr wird auf unserer Parzelle der Fischteich noch entschlammt“, erwähnt Schneefeld. Zwei der dortigen Wasserstellen hat der Nabu bereits im vergangenen Jahr aufgearbeitet. Libellen, Insekten und Vögel wurden bereits durch die renaturierten Teiche angezogen und bereichern das Gebiet. „Das motiviert, weiterzuarbeiten.“ ‘ Infos und Kontaktdaten zur Ortsgruppe gibt es online auf nabu-dietzenbach.de.

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