40 Jahre als Funktionär bei der TG Dietzenbach

Heinz-Rudi Keim tritt kürzer: Ein Leben „uff dem Bersch“

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Von der ersten Reihe in die Ehrenriege: Der neue TG-Vositzende Roland Henneberg (links) und seine Stellvertreterin Kira Bendel bedanken sich bei Heinz-Rudi Keim für seine langjährige Vorstandstätigkeit.

Dietzenbach – Turnen, Handball, Tennis. Drei Sportarten, die Heinz-Rudi Keims Leben bestimmt haben – sowohl als Aktiver, als auch später als Funktionär. Mit 72 Jahren tritt er nun kürzer und übergibt den Vorsitz der Turngemeinde Dietzenbach (TG) an Roland Henneberg. Von Ronny Paul

„Als Ehrenvorsitzender bleibe ich der TG aber weiter verbunden“, betont er. Mehr als 40 Jahre Vorstandsarbeit liegen hinter ihm. Fast sein gesamtes Leben ist Keim schon mit der TG verbunden. Er schwelgt in Erinnerungen. Als Sechsjähriger beginnt er „uff dem Bersch“ mit Turnen, vier Jahre später startet er mit Handball. Eine TG-Pause legt Keim mit 18 Jahren ein, tritt aus dem Klub aus und schließt sich den erfolgreichen Handballern der SG Dietzenbach an. Unter anderem feiert Keim mit der SG 1968 die Südwestdeutsche Meisterschaft im Feldhandball und spielt Bundesliga zusammen mit Größen wie Klaus Rettig. „Die SG-Zeit möchte ich nicht missen“, bekräftigt Keim.

1972 kehrt er „uff den Bersch“ zurück – „zurück in die Heimat“, wie er sagt. Unter Trainer Ewald Grimm spielt Keim fortan Hallenhandball, sechsmal hintereinander steigt das Team auf. Der Wingertsberg, auf dem das TG-Gelände steht, hat es dem Ur-Dietzenbacher angetan, die Terrasse der Gaststätte nennt er „einen der schönsten Plätze im Kreis Offenbach“. Damals, erinnert sich der 72-Jährige, war es üblich, dass die Handballer nach den Spielen in die TG-Gaststätte einkehren: „Da gab es immer Stiefel zu trinken und wer als Letzter ausgetrunken hatte, zahlte für alle – das waren schöne Zeiten.“ Generell sei die TG für ihre Geselligkeit bekannt gewesen. „Wir hatten viele Talente im Team, die weggegangen und dann später wieder zurückgekommen sind.“

1974 gilt es, einen Nachfolger für Willi Wurm, den Abteilungsleiter der Handballer, zu finden. Am Stammtisch heißt es dann: „Der Rudi kann das – und ich hab’s dann auch gemacht“, sagt Keim. Das von Wurm ins Leben gerufene internationale Kleinfeldturnier mit Herren- und Damen-Handball-Teams – etwa aus Dänemark und Norwegen – führt Keim erfolgreich weiter. Mit seinem Freund Wolfgang Knecht sammelt er die internationalen Mannschaften immer freitags am Frankfurter Flughafen ein und fährt sie durch die Gegend. „Wolfgang und ich waren die einzigen, die drei Tage nüchtern geblieben sind, Schlaf gab es kaum“, sagt Keim und lacht.

Gute Erinnerungen hat der ehemalige Verwaltungsangestellte beim Kreis Offenbach auch an die Verbundenheit mit den Handballern der TUS Eller und an ein besonderes Ritual: „Sonntagmorgens nach dem Turnier wurden mit den Düsseldorfern gemeinsam abgebaut und anschließend das mitgebrachte Altbier genüsslich getrunken.“ Und aus der TUS Eller und der TG Dietzenbach wurde kurzerhand das „Spaßteam“ TUS Ellerbach „Wir sind dorthin zu Turnieren gefahren und die Düsseldorfer haben uns besucht.“ Das hält einige Jahre.

Familiensporttag in Dietzenbach: Bilder

1987 wird Keim zum stellvertretenden und 1998 zum TG-Vorsitzenden. Warum? „Ich habe es immer verstanden, Parteien zusammenzubringen. Das war mein Vorteil.“ Ebenso ist er lange Jahre Abteilungsleiter der Handballer. Als die Frage aufkommt: Wo soll der für den Hessentag 2001 geplante Aussichtsturm stehen, bietet die TG – auf Mitinitiative von Keim – ihr Gelände an. Um den Turmbesuchern einen Platz zum Verweilen zu bieten, kommt Keim der Gedanke: Die typische Sportlerkneipe muss nobler werden. „Das hat auch geklappt“, sagt er stolz. „Der Turm ist bis heute ein Anziehungspunkt und ein Schub für die Gastronomie.“ Auch die Kooperation mit der SG initiiert Keim als Vorsitzender mit.

„Meine Frau Elke ist mittlerweile viel umtriebiger bei der TG als ich“, sagt Keim. Sie ist unter anderem im Vergnügungsausschuss, spielt Tennis und macht Aerobic. „Sie ist eine große Stütze für mich.“ Er betont: „Sie macht alles mit, was ich nicht mehr kann.“ Die vergangenen, „turbulenten“ Jahre – mit dem Austritt einiger Turner und Turntrainer 2016 (wir berichteten) – hat Keim aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr so im Vordergrund gestanden, Sporttreiben fällt ihm zunehmend schwerer. Und doch kann er nicht ohne den „Bersch“, ohne seine TG: Beim traditionellen donnerstäglichen Dämmerschoppen in der Gaststätte ist er immer noch regelmäßiger Gast.

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