Engagierte Experten

Naturschutzgruppe der Kolpinger blickt in Jahresbericht auch auf Unwetter zurück

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Bereit zum Abflug: Diese Turmfalken hat die Naturschutzgruppe in einem Kasten an einer Dietzenbacher Kirche abgelichtet.

Der Jahresbericht der Kolping-Naturschutzgruppe richtet den Blick regelmäßig in den Himmel und versteckte Ecken des Waldes, auf Streuobstwiesen und Hausdächer.

Dietzenbach – Vertreten wird die Gruppe durch Rudolf Keil, den Vogelschutzbeauftragten der Stadt, der Dietzenbachs Fauna so gut kennt wie kaum ein anderer.

Am Beginn des Berichts geht es um die Feldlerche, die der Naturschutzbund 2019 zum zweiten Mal nach 1998 zum Vogel des Jahres gekürt hatte. „Das ist leider kein gutes Zeichen“, heißt es, schließlich richtet sich die Auswahl nach der Gefährdung einer Art. War die Anzahl der brütenden Feldlerchen lange sehr unterschiedlich und ist etwa binnen eines Jahres von 23 auf acht gefallen, gibt es zumindest solche Negativtrends nicht mehr. Fortgesetzt hat die Naturschutzgruppe ihr Engagement für die Mehlschwalben, etwa durch das Anbringen von Kunstnestern. Ein Hausbesitzer bat die Kolpinger um Hilfe, weil bei einer Mehlschwalbenkolonie, die es bereits seit 60 Jahren gibt, in den vergangenen Jahren immer wieder Stücke aus den Nestern brachen. „Anfragen wie diese haben wir zum Glück immer noch in Dietzenbach.“

Nicht überrascht waren die Naturschützer einst vom „schnellen Wachstum der Saatkrähenkolonie“ an der Lise-Meitner-Straße. Die Pappelbäume sorgten für gute Bedingungen für den Nestbau, die Wiesen für Nahrung. 2018 waren 80 Nester belegt, am Ende der Brutzeit wurden die meisten Pappeln gefällt, im Restbestand bildete sich 2019 eine neue Kolonie. Außer den Pappeln nahmen die Krähen nun auch die Platanen auf den angrenzenden Wiesen ins Visier, besonders an der Kita an der Brunnenstraße: Rundherum gab es 52 Nester (wir berichteten). Für Unmut bei Anwohnern sorgten der Lärm und der Kot der Tiere auch an der Laufacher Straße. Seit dem Unwetter im August ist aber vieles anders, Bäume wurden entwurzelt, bei anderen brachen die Äste ab, informiert der Bericht. Von den Nestern blieb nicht viel. „So wird 2020 wieder das Rätselraten anfangen: Wie viele Vögel bleiben in Dietzenbach und wo gründen sie neue Kolonien?“ Generell, heißt es, habe das Unwetter im August den Lebensraum und die Brutmöglichkeiten vieler Vögel und Fledermäuse vernichtet.

Arbeit direkt unter dem Dach: Auf dem linken Foto ist Eberhard Bartke beim Reinigen von Schwalbennestern zu sehen. Den Schnabel weit offen hat auf dem rechten Bild eine junge Rauchschwalbe. FotoS: P

Zum Engagement der Kolpinger gehört seit 20 Jahren die Winterfütterung der Vögel im Wald. „Jahrzehntelang stand das Füttern von Vögeln in der Kritik von Naturschützern. Wir wollten genauer hinsehen, welche Arten überhaupt an die Futterstellen kommen und zu welcher Jahreszeit.“

Wenig überraschend: Wurden die Futterstellen im Winter gut angenommen und lockten etwa Bunt- und Mittelspechte, Kohl, Blau-, Sumpf, Weiden-, Tannen- und Haubenmeisen an, war der Andrang im Sommer überschaubarer. Kann man in der kalten Jahreszeit bis auf wenige Meter an die Futterstellen herantreten, um die Vögel zu beobachten, muss man im Sommer außerdem größere Abstände zu den Futterdosen einhalten. Von diesen Dosen machten Kleiber und Buntspechte ganzjährig Gebrauch. „Nach einem Jahr einer Ganzjahresfütterung kann man noch nicht viel aussagen. Zu beobachten war, dass die Vögel immer natürliches Futter unserem Vogelfutter vorzogen.“

FotoS: P

Kindern die Natur näherzubringen, stand ebenfalls einmal mehr auf der Agenda. Das große Beet an der Kita am Obernburger Weg wurde in vier kleine Beete unterteilt, damit nun jede Gruppe die Möglichkeit hat, anzupflanzen, was sie möchte. Mit verschiedenen Gruppen, etwa von der Astrid-Lindgren-Schule, ging es auch in den Wald, wo die Kinder ihrem Entdeckerdrang mit fachkundiger Begleitung freien Lauf lassen konnten. „Man kann schließlich nur schützen, was man auch kennt“, sagt Keil und gibt zu, dass so manches Kinderauge mehr entdeckt als er selbst.

Gab es im vergangenen Jahr unter anderem drei Fledermauswanderungen und einen Vortrag über die Feldlerche, will die Gruppe auch in diesem Jahr Veranstaltungen für Klein und Groß anbieten: „Unser Ziel, bei allem, was wir machen, ist, Kindern die Natur zu zeigen und die Bürger neugierig zu machen, was es in Dietzenbach alles so gibt.“  

wac

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