Neue Schilder in den „Speyergärten“ sorgen für Ärger bei Anwohnern

Parkplatzproblematik in der Altstadt

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„In den Speyergärten“ herrscht gähnende Leere, seitdem die neuen Halteverbotsschilder stehen. In den Augen der Anwohner sei jedoch genügend Fläche für Parkplätze vorhanden. Die zeitgleiche Sanierung in der Darmstädter Straße verschärft die Situation.

Das Ärgernis ist besonders am Nachmittag groß, wenn die Bewohner der Altstadt von der Arbeit nach Hause kommen. Mehrere Runden sind nötig, um im Bereich der Darmstädter Straße und Schäfergasse einen Parkplatz zu finden, der keine Parkscheibe verlangt

Dietzenbach – Nun fielen am Harmonieplatz weitere Möglichkeiten weg: Auf dem kurzen Stück der Landwehrstraße an der Ecke zu den Speyergärten gilt absolutes, gegenüber des Theaters Schöne Aussichten eingeschränktes Halteverbot. Von der Bergstraße aus die Speyergärten hinunter konnte bisher nur auf einer, nun aber auf beiden Straßenseiten nicht mehr geparkt werden.

Die Stadt reagiert damit auf die Tatsache, dass PKWs und Einsatzfahrzeuge von Feuerwehr und Rettungsdienst mit der Zeit breiter geworden sind. Die schmalen Gassen hingegen bleiben. Gleichzeitig steigt die Anzahl der Fahrzeuge pro Haushalt.

Der Unmut am Harmonieplatz ist groß. „Für mich ist das nicht nachvollziehbar“, sagt eine Anwohnerin. Während der Bauphase des Mehrfamilienhauses auf der gegenüberliegenden Seite haben die Anlieger bereits viele Einschränkungen hinnehmen müssen, sagt sie weiter. „Die Begehung des Bereiches hat im Februar stattgefunden, als die Baustelle noch die Straße beengt hat“, berichtet sie. Natürlich sei es dann zu eng für Einsatzfahrzeuge. „Die entscheidungsgebende Praxisfahrt eines Feuerwehreinsatzfahrzeuges hat erst nach der Beendigung der Baustelle stattgefunden“, wendet die Stadt ein.

Auch im Internet wird das Thema Parkplatznot diskutiert. „Dann sollen die Anwohner halt in ihren Hof fahren“, heißt es dort von einem Facebook-Nutzer. Die Anwohnerin stimmt dem im Ansatz zu. „Doch gerade am Wochenende will man sein Grundstück doch auch einmal anders nutzen“, wirft sie ein. Dort sieht sie die Möglichkeit, dass das Halteverbot zumindest auf gewisse Tage und Uhrzeiten beschränkt werden könnte.

Die Problematik in den Speyergärten ist nicht neu. In den letzten Jahren haben sich drei Neubauten zu den Häusern in der Straße gesellt. Und mit ihnen neue Bewohner. Durch das erweiterte Halteverbot im oberen Teil der Straße fallen insgesamt zwölf Parkplätze weg. Anwohner Ralf Loch, der selbst 2015 auf seinem Grundstück gebaut hat, sieht darin eine Wertminderung seines Eigentums. „50 Jahre lang ist nichts in dieser Straße passiert, nun kamen in kürzester Zeit neue Häuser dazu“, berichtet Loch. Da sei es verständlich, dass die Stadt die Parksituation überprüft. „Aber ich begreife nicht, warum man pauschal die ganze Straße mit dem Verbot versieht.“ Würde man pro Einfahrt einzeln entscheiden, ob genug Platz zum Ein- und Ausfahren vorhanden ist, könne man acht der zwölf Parkplätze weiterhin nutzen, schätzt Loch. Die Stadt lenkt ein: „Es wurde bereits vereinbart, dass die Straßenverkehrsbehörde die Halteverbotsflächen erneut einzeln betrachtet, um mögliche Parkflächen zu ermitteln.“

„Trotzdem muss sich auch jeder an die eigene Nase fassen“, meint Loch weiter. Würde sich jeder an die Regelung halten, fünf Meter Abstand zu einer Straßenecke zu halten, wären die Schilder nicht nötig. „Vielleicht schafft stattdessen ein Poller Abhilfe“, sagt er.

Wenn aber vom einen auf den anderen Tag Schilder aufgestellt werden, fühle man sich hinters Licht geführt. Seine Nachbarin am Harmonieplatz ergänzt: „Eine Benachrichtigung wäre schön gewesen.“

Der öffentliche Parkplatz gegenüber dem Wirtshaus „Zur Linde“ wird außerdem gerade saniert. „Das ist ein unglücklicher Zeitpunkt“, findet Elke Schott. Als Bewohnerin der Altstadt hat sie schon ihre Gewohnheiten geändert. So habe sie den wöchentlichen Großeinkauf auf den Donnerstag verlegt. „Mein Auto bewege ich am Wochenende eigentlich gar nicht mehr, aus Angst, keinen Platz mehr zu bekommen“, meint sie. Die Sperrung verschärft die Situation zwar zusätzlich, war jedoch notwendig wegen Pflastereinbruch und Wurzeleinwuchs. „Nach der Sanierung werden die Parkplätze wieder in vollem Umfang zur Verfügung stehen“, verspricht die Stadt. Die Baumaßnahmen seien bereits zur Hälfte abgeschlossen. Wegen Vorgaben der Straßenverkehrsordnung, DIN-Normen und Sicherheitsaspekten seien die Handlungsspielräume für neue Parkplätze jedoch sehr eingeschränkt. Aufgrund des Bedarfs hat die Stadt reagiert. „Ende August wird eine neue öffentliche Parkfläche offiziell eingeweiht“, heißt es.

. VON LISA SCHMEDEMANN

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