Neue Wege für die Zukunft entdeckt

Das Leben in den muslimischen Gemeinden in Dietzenbach während der Corona-Krise

Neue Wege: Die Gläubigen des marokkanisch-islamischen Freundeskreises Tawhid-Moschee beten aktuell wegen der Corona-Krise zu Hause.
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Neue Wege: Die Gläubigen des marokkanisch-islamischen Freundeskreises Tawhid-Moschee beten aktuell wegen der Corona-Krise zu Hause.

Die muslimischen Gemeinden in Dietzenbach nutzen die Zeit der Corona-Krise sinnvoll.

Dietzenbach – Nicht nur Veranstaltungen und Gottesdienste in den christlichen Kirchen fallen derzeit aus, sondern auch alle Zusammenkünfte und Gebete in den muslimischen Gemeinden. Doch auch dort steht das Leben trotz Corona keinesfalls still, sondern ermutigt die Verantwortlichen dazu, neue Wege zu gehen. Die Pandemie zwingt die Gemeinden zu kreativen Lösungen, die auch für die Zukunft eine Bereicherung darstellen.

Lernen für die zukünftige Gemeindearbeit

„Wir können auch Positives für die Zukunft aus dieser Situation mitnehmen“, berichtet Mansoor Masud Ahmad von der pakistanischen Ahmadiyya-Gemeinde, „wir bieten beispielsweise den Kindern und Jugendlichen regelmäßigen Online-Unterricht an, auch in den Schulfächern Mathe, Deutsch und Englisch“. Damit wolle die Gemeinde vor allem den Jüngsten helfen, die Langeweile zu Hause zu überstehen. 

Die Gemeinde hat dafür eine WhatsApp-Gruppe und greift auch auf einen Youtube-Kanal zurück. „Die Inhalte werden von Professoren und Lehrern innerhalb der Gemeinde erstellt“, verrät Ahmad. „Viel wird aktuell über die sozialen Medien organisiert, davon wollen wir viel für die zukünftige Gemeindearbeit mitnehmen.“

Zeit zum Desinfizieren nutzen

Ähnlich organisiert sich auch der marokkanisch-islamische Freundeskreis Tawhid Moschee. Per Handy und Mail bleiben die Mitglieder in Kontakt und unterstützen sich gegenseitig in der schwierigen Zeit. „Die Gebete macht jetzt jeder von zu Hause aus“, sagt Rachid Azzamouri von der Tawhid-Gemeinde, „das ist zwar nicht wie das gemeinschaftliche Freitagsgebet, aber das Wichtigste ist, dass wir uns jetzt an die Empfehlungen halten.“

Auch die türkische Fatih-Moschee-Gemeinde nutzt nun das Internet als Kanal für das digitale Lernen. „Das Unterrichten von unserem Jugendlichen erfolgt derzeit über einen Youtube-Kanal, über Instagram und WhatsApp“, berichtet Aykan Aydin von der Fatih-Gemeinde. Diese nutzt die Zeit aber auch auf andere Weise sinnvoll und ist gerade dabei, sowohl ihre Räumlichkeiten als auch die Gebetsteppiche gründlich zu reinigen und sie zusätzlich noch zu desinfizieren. 

Dankbarkeit für Arbeit in der Corona-Krise

Die Gemeinde plane zudem den Muezzin-Ruf von der Moschee aus per Lautsprecher nach draußen schallen zu lassen. Aydin: „Damit wollen wir verdeutlichen, dass das Leben trotzdem weiter geht und auch den Menschen Mut machen.“ Doch es sieht wohl nach der ersten Anfrage so aus, als würde das Ordnungsamt ihnen eine Absage erteilen. „Wir hoffen, dass das alles bald vorbei ist und organisieren gerade mit unserer Jugendgruppe ein Netzwerk, um einsamen Menschen beizustehen und zu helfen“, sagt Aykan Aydin.

Auch bei der Ahmadiyya-Gemeinde wird auf eine baldige Besserung der Lage gehofft. „Natürlich haben wir Verantwortlichen gerade alle sehr viel Arbeit, um das Gemeindeleben umzustrukturieren“, berichtet Mansoor Masud Ahmad, „aber für viele Menschen innerhalb der Gemeinde ist es auch positiv, nun mehr Zeit mit der Familie verbringen zu können.“

Obwohl es sich um drei unterschiedliche muslimische Gemeinden handelt, haben alle den gleichen Wunsch sich bei den Kassierern an der Supermarktkasse, bei den Ärzten, Pflegern, LKW-Fahrern sowie allen anderen zu bedanken, die aktuell alles am Laufen halten: „Wir sind sehr dankbar für die wichtige Arbeit die diese Menschen leisten“, sagt Rachid Azzamouri von der Tawhid-Gemeinde.

VON LUKAS REUS

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