Die Bürde des Booms

Kommentar zum neuen Schulentwicklungsplan

Die Debatte darüber, wie sich der für die Schulbauten zuständige Kreis Offenbach auf die steigenden Schülerzahlen vorbereitet, bleibt wichtig – und ist trotzdem nur das Donnergrollen weit gravierenderer Auseinandersetzungen, die sich am politischen Horizont abzeichnen. Von Michael Eschenauer

Denn das ist die, wenn man eine im Grund positive Entwicklung so nennen will, Schattenseite des Zuzugs von Menschen in die Region: Boom-Region zu sein ist zwar toll, kostet aber auch Einiges. Der Kreis Offenbach ist von 338.000 Einwohnern im Jahre 2010 auf 351.000 im vergangenen Jahr gewachsen, 14 bis 16 neue Schulklassen müssen deshalb Jahr für Jahr Platz finden. Hinzu kommen die Räume für die Betreuung der Kinder nach dem Unterricht.

Landrat Oliver Quilling steht mit dem Kreis einem politischen Akteur vor, der den größten Teil der baulichen Schul-Infrastruktur bereitzustellen hat. Die letzten beiden Schulen die in der Region entstanden, waren die Käthe-Paulus-Schule in Mainhausen und die Emma-Schule in Seligenstadt. Danach passierte nichts mehr. Jetzt aber kommen auf den Kreis und damit auch auf die 13 Kreiskommunen Millionenkosten für neue Schulen zu. Wer die Debatten über die Anhebung der Kreisumlage verfolgt hat, ahnt, was ins Haus steht, wenn angesichts der nötigen Investitionen eine Erhöhung der Schulumlage unvermeidbar wird. Schon jetzt schöpft der Kreis gut 110 Millionen Euro bei seinen Städten und Gemeinden ab.

Gerade läuft es ökonomisch rund im Kreis Offenbach; nicht auszudenken, wenn sich die Wirtschaftslage eintrübt, die Einnahmen der Kommunen zurückgehen und gleichzeitig der Kreis die hohle Hand hinhält. Beides wird zweifellos irgendwann kommen. Und etwas anderes ist ebenfalls sicher: Die Haushaltslage des Kreises, wo man mit Hilfe diverser Entschuldungsprogrammes des Landes Hessen den Schuldenberg von fast einer Milliarde Euro um 470 Millionen Euro mindern konnte, wird sich wieder verschlechtern.

All dies zeigt: Es ist höchste Zeit, dass man sich überlegt, wie man die neuen Belastungen schultern will – und mit welchen Argumenten man Bund und Land dazu bringen kann, die Bürde des Booms mitzuschultern.

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