Nicht nur Lkw nutzen die Dreieichstraße als Umgehung

B459-Sperrung: Schlafen mit Ohrstöpseln

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Ein Lkw bahnt sich seinen Weg durch die Dreieichstraße. Der silberne Pkw muss abbremsen.

Dietzenbach - Eine Anwohnerin der Dreieichstraße beschwert sich über durch die B459-Baustelle bedingten Durchgangsverkehr – vor allem von Lkw und Sattelschleppern. Stadt und Polizei weisen ihre Vorwürfe teils zurück. Von Ronny Paul 

Die Sperrung der Rathaus-Center-Kreuzung besteht seit gut fünf Wochen. Der erste Abschnitt der von Hessen Mobil veranlassten B459-Fahrbahnsanierung soll noch bis zum Ende der Sommerferien andauern, bevor die zweite Bauphase folgt. Bislang, so schien es, verläuft alles entgegen den Befürchtungen nahezu reibungslos. Alles? Nicht ganz. Was sich zunächst von der Dietzenbacherin Claudia Weber-Sonnenberg wie ein Lob liest, entpuppt sich als scharfe Kritik: „Die Umleitung läuft prima. Der Verkehr sucht sich samt Lkw, Sattelschlepper und Motorradfahrer seinen Weg durch unser Wohngebiet. Hierbei werden alle Durchfahrtverbote, Geschwindigkeitsbeschränkungen in der Frankfurter Straße ,Zone 40’ und Dreieichstraße ,Zone 30’ ignoriert. Sattelschlepper und große Lkw verirren sich regelmäßig – auch spätnachts – durch unsere Straßen.“ Scheinbar nehme man „mittlerweile von allen Seiten billigend in Kauf, dass der Verkehr hier macht, was immer möglich ist“, vermutet die Anwohnerin der Dreieichstraße. „Wir sind die lästige Alternative zur großräumigen Umfahrung um Dietzenbach herum.“

Jede Nacht bemerke sie Sattelschlepper oder große Laster, die durch die Dreieichstraße fahren. „Tagsüber verirren sich immer wieder Lkw in diese Umleitung. Faktisch sind wir für den gesamten Pkw-Verkehr die 24-stündige Umfahrung der gesperrten B459-Teilstrecke. Der Betrieb nimmt auch in den Abendstunden kaum ab. An Durchschlafen ist ohne Ohrstöpsel nicht zu denken. Natürlich kann man auch kein Fenster geöffnet lassen.“

Seit Montag sei der Verkehr „absolut unerträglich. Mein Mann und ich arbeiten im Schichtdienst und sind eigentlich seit dem 25. Juni nur noch auf Schlafentzug“. Hinzu komme, dass Kanaldeckel vor ihrem Haus lose seien und deren Geklapper die Lärmbelästigung verstärkten. Zahlreiche E-Mails an Stadt und Bürgermeister seien, „nachdem man sich auf die erste gemeldet hat, nun gänzlich unbeantwortet“ geblieben. Telefonisch habe sie von Stadtpolizei und Polizei die Auskunft bekommen, man habe keine Streifen übrig, die sich darum kümmern könnten. „Sie kennen das Problem, sie werden tagtäglich von den Bewohnern angerufen. Das Personal reicht aber nicht für eine dauerhafte Kontrolle“, sagt Weber-Sonnenberg. Sie ist sauer: „Auf die Schulter klopfen, weil alles so gut gelaufen ist, sollte sich jedenfalls keiner. Das käme einer Verhöhnung der betroffenen Anwohner gleich.“

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Mit den Aussagen konfrontiert, heißt es vonseiten der Stadt: „Es war allen Beteiligten von Anfang an klar, dass auch eine teilweise Sperrung einer wichtigen Hauptverkehrsachse – es handelt sich hierbei schließlich um eine Landes- und eine Bundesstraße (Anm. d. Red.: L3001 und B459) – nicht ohne Schwierigkeiten verlaufen wird.“ Jedoch seien die genannten Probleme weder einer fehlerhaften Planung noch einer schlechten Umsetzung der Baumaßnahme geschuldet. „Diese entstehen in erster Linie dadurch, dass sich einige Verkehrsteilnehmer nicht an die ausgeschilderten Durchfahrtverbote beziehungsweise Umleitungen halten.“ Den Vorwurf, die Stadtpolizei würde die Vergehen nicht ahnden und das Ganze billigend in Kauf nehmen, weist die Stadt von sich: Das „entspricht nicht der Realität“, heißt es in der städtischen Mitteilung. Seit Beginn der Bauarbeiten, sei die Ordnungspolizei „fast täglich vor Ort, um Durchfahrtskontrollen des Schwerlastverkehrs“ zu machen. Dabei wurden, wie berichtet, in den ersten beiden Tagen zunächst mündliche Verwarnungen ausgesprochen, anschließend schriftliche. „Insgesamt haben unsere Ordnungskräfte bislang 256 schriftliche und 131 mündliche Verwarnungen ausgesprochen. Da das Aufgabenspektrum unserer Ordnungspolizei äußerst umfangreich ist, kann eine lückenlose Kontrolle selbstverständlich nicht gewährleistet werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.“

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Jedoch lasse sich die Tatsache, „dass insbesondere ortskundige Verkehrsteilnehmer statt der vorgesehenen Umleitung – nämlich über die Frankfurter Straße – die Dreieichstraße nutzen, ordnungsrechtlich weder kontrollieren noch in irgendeiner Form ahnden“. Vonseiten der Polizei heißt es: „Es kommt immer wieder vor, dass Lkw sich in die Dreieichstraße verirren oder die Durchfahrverbote ignorieren“, berichtet Thomas Eck, stellvertretender Polizeidienststellenleiter, auf Anfrage. Die Polizei kontrolliere die Frankfurter- und die Dreieichstraße hauptsächlich in den Abendstunden. Werde ein Lkw-Fahrer dort angetroffen, winke dem Betroffenen ein Bußgeld. Im Großen und Ganzen verlaufe die Sperrung ruhiger, „als wir uns das vorgestellt haben“, sagt Eck.

Da der erste Bauabschnitt mit Ende der Sommerferien voraussichtlich abgeschlossen sein und im anschließenden die Vollsperrung der Vélizystraße aufgehoben wird, erhofft sich die Stadt auch eine „spürbare Entlastung der Anwohner der Frankfurter- und Dreieichstraße“.

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