„Internationale Gärten“ wechseln Standort zum nächsten Jahr

Oase in Dietzenbach muss umziehen

Die Betreiber der Internationalen Gärten hoffen auf ein ertragreiches letztes Jahr am jetzigen Standort, bevor sie umziehen müssen.
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Die Betreiber der Internationalen Gärten hoffen auf ein ertragreiches letztes Jahr am jetzigen Standort, bevor sie umziehen müssen.

Eine komplette Gartenanlage zieht um: mehr als ein Dutzend einzelner Parzellen, unzählige Gießkannen, Rechen und Schaufeln, über die Jahre sorgfältig gezogene Pflanzen und vielleicht der ein oder andere Eimer mit Erde, der man eine gute Ernte verdankte. Ein paar Tränen werden da beim Abschied wohl fließen. Aber die Entscheidung ist gefallen:

Dietzenbach – Die Kleingartenanlage „Internationale Gärten“, derzeit noch auf einem rund 4000 Quadratmeter großen Gelände nahe der Kreisquerverbindung und der Justus-von-Liebig-Straße gelegen, muss weichen und sich auf einem neuen Areal in der Nachbarschaft der Flüchtlingsunterkunft an der Lise-Meitner-Straße ansiedeln.

Der Ansiedlung gingen heftige Diskussionen voraus

Seit Beginn des Jahres 2006 existiert der Pachtvertrag zwischen der Stadt und den „Internationalen Gärten“ für das Grundstück im Südosten Dietzenbachs. Zustande gekommen war er im Anschluss an das Projekt „Dietzenbach unvollendet“, das einen großen Bedarf an Gärten aufgezeigt hatte. Allerdings gingen der Ansiedlung heftige Diskussionen voraus. So heißt es unter anderem in der abschließenden Dokumentation des Projektes: „Es wird deutlich, dass sich kein Automatismus entwickelt hat, der als sinnvoll zu erachtende Vorhaben, wie etwa die Umsetzung des Bebauungsplans für Kleingärten, mithilfe von Bürgern nun durch die Hürden des Alltags tragen könnte. Hier ist der Verdacht angebracht, dass die Politik mit allen Mitteln das Vorhaben verzögert.“

Indes entstanden nach den langen Kabbeleien, auch um den noch aktuellen Standort an der Kreisquerverbindung, 14 Gartenparzellen mit Gemeinschaftsfläche, Wegen und Hecken. Gärtner aus mehr als zehn verschiedenen Nationen treffen sich dort, um streng ökologisch zu pflanzen, zu ernten und zu genießen. Zäune gibt es zwischen den Parzellen nicht. „Wir probieren miteinander aus und lernen voneinander“, heißt das grundsätzliche Motto.

Von Beginn an schwebte über den fleißigen Gärtnern das drohende Ende

Demzufolge könnten die „Internationalen Gärten“ ein Vorzeigeprojekt der Kreisstadt sein. Aber: Von Beginn an schwebte über den fleißigen Gärtnern das drohende Ende der Arbeit in der Natur, zumindest auf dem überlassenen Areal. So war im Pachtvertrag festgehalten, dass eine Nutzung dort nur bis zur „bebauungsplankonformen Entwicklung des Gebietes“ gestattet sei.

Nun ist es soweit, der jetzige Bebauungsplan soll aufgehoben werden, sodass die Kreisbehörde mitgeteilt hat, die Nutzungsmöglichkeit als Gartenanlage werde erlöschen. Zwar hätten die Gärten mit einer weiteren Änderung des Plans bestehen bleiben können, das hatten die Stadtverordneten aber schon im Jahr 2017 abgelehnt. Also bleibt nur die Umsiedlung.

„Wir wussten von Anfang an, dass wir möglicherweise das Gelände wieder verlassen müssen“, gesteht Abdel Allous nun ein. Dennoch blickt der Vorsitzende des Vereins „Internationale Gärten“ dem Umzug traurig entgegen. „Das neue Gelände ist leer, sodass wir wieder ganz von vorne anfangen müssen.“ Während Tomaten, Minze, Paprika, Zwiebeln und Salat nach der Aufbereitung der Erde frisch gesetzt werden können, müssen ältere Bäume, Weinreben und Sträucher am Standort bleiben und werden untergepflügt. „Das tut uns schon weh“, sagt Allous. Zumal es ein paar Jahre dauere, bis die Oase wieder richtig grüne. Für die Mitglieder bedeute das, kräftig Zeit und Geld zu investieren. Manch Älterer habe zudem seinen Rückzug angekündigt, „sie sind zu alt, um nochmal anzufangen“, sagt Allous.

„Das ist ein ganz kleiner Tropfen auf dem heißen Stein“

Wenn die Gärtner auch akzeptieren, dass der Geländewechsel sein muss, so zeigen sie sich doch auch enttäuscht von dem Unterstützungsangebot der Stadt. Bezahlen will die Verwaltung einen neuen Brunnen, dafür sind 9000 Euro vorgesehen und ebenso 4000 Euro für einen Zaun. Zurzeit ist das Grundstück mit Brombeersträuchern nahezu überwachsen, die DSK, der es gehört, hat jahrelang keinerlei Pflege betrieben, das soll nachgeholt werden.

Für den Transport vom alten an den neuen Standort will die Stadt „einen kleinen Lkw“ anmieten, wobei die Kosten 100 Euro nicht überschreiten dürfen. „Das ist ein ganz kleiner Tropfen auf dem heißen Stein“, stellt der Vereinsvorsitzende fest.

Doch noch freuen sich Allous und seine Gärtner auf ein ertragreiches letztes Jahr und gehen davon aus, dass der Umzug erst im kommenden Frühjahr stattfinden wird. „Es ist geplant, dass wir uns Ende des Jahres nochmals genauer besprechen“, teilt er mit. Dann wird er wohl auch das Thema „Stromversorgung“ ansprechen. „Auch das ist nicht geklärt und es wäre schön, wenn die Stadt uns dabei helfen würde.“ (Barbara Scholze)

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