Viele Vorstrafen, 28 Monate Gefängnis

Delikte auch in Dietzenbach: Intensivtäter am Schöffengericht in Offenbach verurteilt

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Symbolbild: Wenn das Urteil des Schöffengerichts in Offenbach rechtskräftig wird, stehen 37 Vorstrafen im Bundeszentralregister eines 37-Jährigen. 

Wenn das Urteil des Schöffengerichts in Offenbach rechtskräftig wird, stehen 37 Vorstrafen im Bundeszentralregister eines 37-Jährigen.

Dietzenbach – Richter Manfred Beck verkündete nach zwei Verhandlungstagen 28 Monate Gefängnis wegen mehrfachen Diebstahls, Körperverletzung, Beleidigung und einem minder schweren Fall von räuberischer Erpressung für den Intensivtäter, der gerade einsitzt.

Das einzige, was Staatsanwalt Alexander Betz „zu Gunsten des Angeklagten“ einfällt, ist sein Geständnis, „so weit er sich erinnern kann“. Der Angeklagte erklärt etwa, sein Widerstand gegen die Polizei am 28. Juli 2017 um 4.45 Uhr an der S-Bahnstation Offenbach-Marktplatz sei ihm nicht erinnerlich. Einer Polizistin aber schon. Sie erzählt, dass der Angeklagte zu einer Gruppe gehörte, die Passanten, die sich auf dem Weg zur Arbeit befanden, auf die Nerven ging. Bei der Personenkontrolle habe sich der Angeklagte, bei dem sich später ein Alkoholwert von drei Promille messen ließ, vehement gewehrt. Die Beamtin erzählt, sie habe sich bei dessen Festnahme den Arm verdreht. Der Angeklagte habe versucht, Kollegen zu treten und Beleidigungen ausgestoßen.

Der Angeklagte sagt von sich, nach seinen bisherigen Knastaufenthalten, meist wegen Eigentumsdelikten, habe er immer schnurstracks den Weg zum Alkohol gefunden. Richter Beck erwähnt den Vater des Angeklagten, der es am liebsten sähe, sein Sohn kehrte in die somalische Heimat der Familie zurück, weil er dort schwerer an Alkohol und Drogen komme. In der Anklageschrift stehen auch drei in Dietzenbach begangene Taten. Zweimal versuchte er, im gleichen Supermarkt Schaumwein zu klauen. Erst drei Falschen Champagner, später eine Flasche Sekt. Zwei weibliche Angestellte einer Tankstelle sagen aus, wie er am 27. November morgens um fünf mit einem Kumpel, der an der Kasse ablenken sollte, versuchte, Getränkedosen einzustecken. Eine der Szenen, die Rechtsmediziner Dr. Alexander Paulke davon sprechen lassen, der Mann sei trotz weit über zwei Promille noch in der Lage gewesen, mit Plan zu handeln. Deshalb lasse sich lediglich von einer verminderten Schuldfähigkeit sprechen.

Verteidiger Moritz David Schmitt bringt Suchtdruck ins Spiel. Sein Mandant blicke auch auf eine Crack- und Heroinkarriere zurück. Paulke hingegen erklärt, man hätte im Blut nur geringe Hinweise auf Drogenmissbrauch gefunden. In der Dietzenbacher Tankstelle umzingelten schließlich Kunden den randalierenden Angeklagten, bevor die Polizei erschien (wir berichteten).

Am 13. August 2019 stellten Beamte in Seligenstadt den 37-Jährigen. Ein Tankwart berichtet, die Drohung, „ich will dein Geld haben, das ist ein Überfall“, ernst genommen zu haben. Er hatte den Mann nach dem Diebstahl von zwei Flaschen Wodka vor der Tankstelle angesprochen, der daraufhin wieder zurückkam, um die Getränke zu bezahlen. Weil ihm das Geld fehlte, drohte er, „wobei er die Hände in den Hosentaschen hielt“. Er habe damit rechnen müssen, dass der Betrunkene ein Messer ziehe. Der habe ihn zudem mit den Worten bedroht, „wenn du die Polizei angerufen hast, steche ich Dich ab’“. Als Ermittler den Angeklagten durchsuchten, fanden sich keine Waffen.

Die Anklage wirft dem 37-Jährigen noch Sachbeschädigung vor. In einer Asylunterkunft in Seligenstadt soll er einen Rollladen zerstört haben. Verteidiger Schmitt moniert, die Justiz habe sich noch nie darum gekümmert, seinen Mandaten eine Therapie zu ermöglichen. Der Mann sei haftempfindlich und im Knast Opfer einer Gewalttat geworden. Schmitt sieht in Seligenstadt keine räuberische Erpressung und plädiert auf 18 Monate Gefängnishaft. Staatsanwalt Betz fordert 34 Monate. Er sieht alle Vorwürfe bestätigt, „sein Leben zielt nur auf Alkoholkonsum“. Richter Beck und die beiden Schöffen verhängen 28 Monate. Beck betont, die Justiz trage keine Schuld daran, dass sich der Angeklagte keiner Therapie unterzogen habe. Bisher könne niemand eine Bereitschaft dazu erkennen.

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