Krokodil-Flüsterer Orazio Martino

Der mit dem Alligator schmust

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Ein echtes Showtalent: Orazio Martino mit Mississippi-Alligator Blacky. In seinem Haus betreibt er einen Privatzoo.

Dietzenbach - Orazio Martino hat sein Herz an Krokodile verloren. Deswegen leben sie bei ihm im Haus. Von Simone Weil

Für die italienische Polizei war er zu klein, jetzt tritt das Energiebündel mit Entertainerqualitäten mit furchteinflößend aussehenden Krokodilen auf. Orazio Martino, der Tierpfleger aus Leidenschaft, hat im Keller seines Dietzenbacher Einfamilienhauses alles, was manch zart besaitetem Zeitgenossen den Angstschweiß auf die Stirn treibt: Skorpion, Vogelspinne, Schlange sowie Alligator und Kaiman. Ochsenfrosch und Aga-Kröte, Leguan und Bartagame, Chamäleon und Waran ergänzen den behördlich genehmigten Privatzoo „L’alligatore“ im Wohngebiet.

Mit diesen Exoten ist der Wahl-Dietzenbacher bei Ausstellungen, Messen und Betriebsfeiern in Möbelhäusern und Einkaufszentren zu Gast und darüber hinaus für Werbeaufnahmen zu haben – fast immer mit dabei auf seiner Schulter ist der grüne Papagei Giacomo: „Ich hab’ ihn lieb – und ich hasse ihn“, sagt sein Herrchen über das anhängliche Tier, das ihn auf Schritt und Tritt begleitet und argwöhnisch bewacht. Deswegen ist der Vogel auch zu einer Art Markenzeichen geworden für den etwa 1,60 Meter kleinen Mann, der im naturfarbenen Dschungel-Outfit mit seinen Exoten bereits in unzähligen Fernsehshows zu Gast war.

Zu Gast beim Krokodil-Flüsterer aus Dietzenbach

Sein Reihenhaus ist voll von Fotos mit Berühmtheiten und Möchtegern-Promis, die sich mit Martino und seinen Tieren haben ablichten lassen. Costa Cordalis, Dieter Bohlen, Günter Jauch, Jürgen von der Lippe und auch diverse halbnackte Schönheiten sind da zu sehen, die mit Spinnen und Schlangen vor der Kamera posieren.

Eine Vogelspinne

Der gebürtige Römer, der früher als Gastronom in Hanau sein Geld verdiente, hat schon als Junge ein Faible für die urzeitlich aussehenden Krokodile gehabt. „L’alligatore“ hieß auch das Restaurant, in dem Martinos Kaimane, die er damals in der Pizzeria hielt, ein Mal pro Woche ihren großen Auftritt hatten. Weil immer häufiger Besucher auch zu ihm nach Hause kamen, um die Mississippi-Alligatoren Berta und Blacky zu bewundern, machte der Pizzabäcker aus seinem Hobby schließlich ein florierendes Gewerbe. „Was wir machen, fasziniert die Menschen“, erzählt er. Vor allem für Kinder seien seine Shows eine rare Gelegenheit, den Exoten nahezukommen und beim Kurztrip in den „Dschungel“ etwas über sie zu lernen.

Ein Skorpion

Inzwischen ist er selbst zum Experten geworden, der sich bei der Haltung und Pflege der Reptilien und anderen hierzulande seltenen Kreaturen mehr als gut auskennt: Er liebe die großen und kleinen Wesen, sagt der 55-Jährige. Doch er weiß, dass es auch Anfeindungen gibt: Ob das Präsentieren auf der Bühne gut ist für die Tiere und so weiter. Doch der quirlige Italiener zählt aus dem Stand auf, dass sämtliche Auflagen in Sachen Artenschutz von ihm eingehalten werden: bei Haltung und Pflege. Doch die Tiere machen auch viel Arbeit. Rund um die Uhr – auch nachts, wenn sie zum Beispiel Eier legen: Es gebe in diesem Beruf eben keinen klassischen Feierabend, erzählt Martino. Und er wird nicht müde, gleich hinzuzufügen, dass auch alle Nachbarn Bescheid wissen über die ungewöhnlichen Bewohner seines Eigenheimkellers.

Dort unten herrschen im Moment Temperaturen von 27 Grad Celsius und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit, damit sich die Lebewesen in den Terrarien auch richtig wohlfühlen: Allein 1500 Euro zahle er monatlich für Strom, erzählt der Krokodilflüsterer. „Mein Zähler dreht sich wie ein Auto“, sagt er. Klar, dass Futter und die entsprechende Ausstattung ein kleines Vermögen kosten. Deswegen ist Orazio Martino froh, Sponsoren gefunden zu haben.

Die Bilder vom Hausbesuch bei Orazio Martino

Tierpfleger aus Leidenschaft

Manchmal gebe es regelrecht unmoralische Angebote, verrät der Krokodilflüsterer: Dann kommen Leute zu ihm und bieten ihm ihren Hund oder die Katze an – als Futter für die gefräßigen Echsen. Solche Offerten werden jedoch stets abgelehnt.

Im Jahr 2006 sei ihm die Nachzucht der Alligatoren erstmals gelungen, sagt Martino. Das hält der Privatzoo-Betreiber für ein positives Zeichen: Dies spreche dafür, dass es den Tieren gut gehe, findet er und hackt Hühnchenteile klein, die sich seine Lieblinge Berta und Blacky schmecken lassen sollen. Die beiden schlummern unter großen Strahlern und sind vom ans Wohnzimmer grenzenden Wintergarten aus gut zu beobachten.

Das Bassin ist mit Regenwasser gefüllt, die Fenster sind vergittert: Der Hausherr ist ein echter Profi und hat die Geschichte schon unzählige Male erzählt. Schon steht er bei der fast vier Meter langen Panzerechse im Wasser, um sie von Hand zu füttern: Das macht sich gut fürs Foto. Mit Fisch und Fleisch lockt er die Tiere aus dem Becken, damit die Besucher sich von ihren beachtlichen Zähnen beeindrucken lassen können.

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