Fläche an der Linde bleibt noch zweieinhalb Wochen gesperrt

Dietzenbach: „Strafzettelautomat“ übt Kritik an Verhalten der Verkehrspolizei 

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Als höfliche Erinnerung an die Stadt dient der „Strafzettelautomat“. Gleichzeitig übt er Kritik an dem penetranten Verhalten der Verkehrspolizei. 

Seit Sonntag hängt der „Strafzettelautomat“ an der Darmstädter Straße. Bereitwillig hält dieser blaue Zettel bereit, mit dem so mancher Bürger bereits Bekanntschaft gemacht hat. 

Dietzenbach –  „Nur für Anwohner“ lautet der Hinweis am Automaten, daneben eine Anspielung auf den unfertigen Berliner Flughafen. „Parkbereit 2022“ steht dort in Rot und Schwarz auf einer Pappe, die mit Klebeband an der Bake befestigt ist. Der Parkplatz gegenüber der Gaststätte „Zur Linde“ ist seit Ende Juni gesperrt. Notwendige Renovierungsarbeiten der Städtischen Betriebe sind der Grund (wir berichteten). Doch auch nach neun Wochen dauern diese noch an.

Dieser Zustand stößt vielen Anwohnern in der Altstadt mittlerweile sauer auf. Als die Baken aufgestellt worden sind, war Anwohnerin Nadine Girard gerade auf dem Weg in den Urlaub. „Ich hatte mich nach den zwei Wochen schon auf den neuen Parkplatz gefreut, aber da war ja nichts“, erzählt sie weiter und zuckt mit den Schultern. „Insgesamt fehlen uns aktuell etwa 30 Plätze“, schätzt ein Anwohner. „Die Hoffnung war groß, dass die Stadt zur Nacht der Lichter – also wenn viel los ist in der Altstadt – den Parkplatz fertigmacht“, sagt Girard. Doch: nichts. Michael Würz, technischer Leiter der Städtischen Betriebe, teilt auf Anfrage mit: „Wir mussten in den vergangenen Wochen aufgrund der Sturmschäden leider andere Prioritäten setzen.“ Etwa zwei bis zweieinhalb Wochen müssten die Anwohner noch ausharren.

Dietzenbach: Unmut wächst weiterhin 

Der Unmut wächst. Das Wetter kann bekanntlich niemand beeinflussen. Das hält der Geduldsfaden der Anwohner aus. Derselbe reißt jedoch bei der Beobachtung, dass die Verkehrspolizei verstärkt kontrolliert. „Seit der Sperrung tauchen die blauen Zettel überall auf“, meint Girard. Eine Anwohnerin der Darmstädter Straße berichtet: „Letztens habe ich schnell Wasserkästen ausgeladen, kam zurück und der Verkehrspolizist stand an meinem Auto.“ Er sei noch nicht fertig gewesen mit dem Aufschreiben, als sie wieder an ihrem Pkw stand. Dennoch: ein Strafzettel. „Null Kulanz, da ist man sprachlos“, sagt die Betroffene. Auch die Parkuhren habe der Verkehrspolizist genauestens im Blick. „Um Punkt zehn Uhr wird kontrolliert und wehe, du bist zu spät an deinem Auto“, sagt sie weiter.

„Die Planung der Stadt hätte von vornherein anders aussehen müssen“

Ähnliches berichtet der „Urheber“ des Pappmahnmals am Lindenparkplatz. Er selbst habe einen Strafzettel kassiert, als während des Kulturfestivals des Theaters Schöne Aussichten Teile des Harmonieplatzes gesperrt waren und somit noch weniger Parkfläche vorhanden war. „Der Automat soll eine höfliche Erinnerung an die Stadt sein, dass der Platz noch nicht fertig ist“, erläutert er. „Die Planung der Stadt hätte von vornherein anders aussehen müssen, irgendwann zählt auch ein Sturm nicht mehr als Ausrede“, fährt er fort.

Nachbarin Elke Schott schätzt: „Wenn man die Strafzettel in der Nachbarschaft zusammenzählt, haben wir die Materialkosten für den neuen Parkplatz sicherlich schon abgedeckt.“ Woran liege es denn dann noch, fragt sie weiter. Ein Nachbar fügt hinzu: „Es ist schon eine Zumutung, dass die Renovierung und das Halteverbot am Harmonieplatz zeitlich zusammenfallen.“ Eine „Sauerei“ wiederum sei es, dass es so lange dauert und dann noch verstärkt kontrolliert werde.

Eine Aussicht auf Besserung gibt es indes auch in den Speyergärten nicht. Gegen das Halteverbot hat Anwohner Ralf Loch eine Unterschriftenaktion mit 33 Stimmen gesammelt und diese an die Stadt weitergegeben. Gemeinsam mit seinen Nachbarn bat er um einen Termin zur gemeinsamen Klärung. Nun kam die ernüchternde Antwort: „Aus Sicht der Stadt und des Kreises Offenbach besteht keine Notwendigkeit für einen solchen Termin“, heißt es in dem Schreiben an Loch. Dieser kann dabei nur den Kopf schütteln. „Wir fühlen uns im Stich gelassen“, sagt er. Eine Nachbarin meint: „Wenn hier in der Straße Halteverbot herrscht, müssten auch andere Straßen längst gesperrt sein.“ Als Beispiele nennt sie die Löwen- oder Hügelstraße.

VON LISA SCHMEDEMANN

In Dietzenbach ist ein Blumenladen überfallen worden. Die Gemeinde ist schockiert. Ebenfalls in Dietzenbach: ein Mann begegnete seiner Exfrau. Daraufhin zückte er Pfefferspray. 

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