Neues Fahrzeug der Feuerwehr

„Peter“ im Einsatz für die Bürger

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Max Raack (von links), Klaus Wolf und Stadtbrandinspektor Michael Plahusch freuen sich über das neue Einsatzfahrzeug der Feuerwehr.

Dietzenbach - Die Feuerwehr hat ein neues Einsatzfahrzeug. Doch bevor das zu Einsätzen ausrückt, stehen noch Schulungen für die Brandschützer an. Von Sascha Dreger

3,30 Meter hoch. Mehr als acht Meter lang. 15 Tonnen schwer. Und der Name: Peter. Mit Reflektorstreifen und Folie in Tagesleuchtrot beklebt, präsentiert sich das brandneue Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF-20) der Dietzenbacher Feuerwehr weithin sichtbar. Und es ist vollgepackt mit modernster Einsatztechnik. Ein Allroundpaket, mit dem die Brandschützer für die meisten Einsätze in der Kreisstadt bestens gerüstet sind. „Es gibt nur sehr wenig, was wir mit dem Fahrzeug und der Ausrüstung an Bord nicht bewerkstelligen könnten“, sagt Stadtbrandinspektor Michael Plahusch und erklärt auch gleich wieso an den Fahrzeugseiten neben der Bezeichnung HLF-20 auch der Name „Peter“ zu lesen ist. „Spitznamen haben fast alle unsere Autos“, sagt er. „Wir verbringen viel Zeit in und mit den Fahrzeugen, sie sind eben mehr als nur ein Arbeitsgerät aus kaltem Blech.“

Beim neuen Gefährt sei es aber etwas anderes: „Bei vielen Feuerwehren gibt es schon lange Namenspatenschaften für Fahrzeuge – eine schöne Tradition“, findet Plahusch. Mit der Taufe soll der verstorbene, langjährige Stadtbrandinspektor a. D. und Gründungsmitglied der Dietzenbacher Jugendfeuerwehr, Peter Emke, geehrt werden. „Peter hat sehr viel für die Feuerwehr geleistet und sie definitiv geprägt“, betont Plahusch. „Und damit wollen wir unsere Wertschätzung zum Ausdruck bringen.“ Die Zahl 20 in der Fahrzeugbezeichnung beschreibt die Nennförderleistung der Pumpe in 100 Litern, was bedeutet, dass die Pumpe bis zu 2 000 Liter Wasser pro Minute fördern kann. „Unsere Pumpenleistung ist noch mal verstärkt worden“, erklärt Wolf, „wenn wir mit vollem Druck löschen, schafft sie sogar mehr als 3 000 Liter in der Minute“.

Führerhaus und Mannschaftskabine des HLF bieten Platz für insgesamt neun Einsatzkräfte. Für deren Sicherheit sorgen neben Treppenstufen, die automatisch beim Öffnen der hinteren Türen ausfahren, auch beleuchtete Trittbretter rund um das Fahrzeug. „Bei Einsätzen im Dunkeln ist es schon wichtig zu sehen, wo man hintritt“, erklärt Klaus Wolf, der gemeinsam mit Plahusch und dem hauptamtlich in der Wache an der Rodgaustraße arbeitenden Feuerwehrmann Max Raack federführend für die Beschaffung des Fahrzeugs zuständig war.

Die Beleuchtung, inklusive einem auf bis auf 6,50 Meter ausfahrbaren Lichtmast zum Ausleuchten der Einsatzstelle, funktioniert mit LED-Technik. „Das spart Energie, die übrigens komplett vom fahrzeuginternen Generator selbst bereit gestellt wird“, erklärt der Stadtbrandinspektor. Hinter den Rollläden an den Seiten des HLF warten die verschiedensten Rettungsgeräte auf ihren Einsatz. „Die linke Seite dient hauptsächlich der technischen Hilfeleistung – etwa bei Verkehrsunfällen, Umwelteinsätzen oder Notfall-Türöffnungen“, erläutert Raack. Ein akkubetriebenes Kombigerät aus Rettungsschere und Spreizer wartet dort auf die Retter und macht sie flexibel. „Damit können wir blitzschnell mit der Arbeit beginnen, auch weiter vom Fahrzeug entfernt“, informiert Plahusch. In der Zwischenzeit können etwa die pneumatischen Hebekissen oder hydraulische Rettungsgeräte einsatzbereit gemacht werden.

Nur wenige Handgriffe entfernt findet sich neben Seilen, Ölbindemittel sowie Hitze- und Chemieschutzanzügen aber auch ein aufblasbares Sprungkissen, in das Menschen im Notfall aus bis zu 16 Metern Höhe hineinspringen können. Wenn die Retter stattdessen irgendwo hochmüssen, liegt auf dem Dach eine bis zu 14 Meter ausziehbare Leiter bereit. Ein starker Lüfter auf der rechten Fahrzeugseite wird etwa zum Entrauchen von Gebäuden benutzt, außerdem sind Werkzeuge wie Feuerwehraxt, Bolzenschneider, Brechstange und ein LED-Strahler mit etwa acht Stunden Akkulaufzeit griffbereit. Sämtliche elektrisch betriebenen Geräte speisen aus zahlreichen Steckdosen ihre Energie, und mit einem tragbaren Generator kann auch fernab vom Fahrzeug eine Stromversorgung problemlos aufgebaut werden.

Tag der offenen Tür der Feuerwehr in Dietzenbach: Bilder

Der hintere Teil des Fahrzeugs ist für den Brandfall gerüstet. Für kleinere Brände sind Handfeuerlöscher an Bord, in weniger als einer Minute steht aber auch die Versorgung mit 1 600 Liter Löschwasser sowie 125 Liter Schaumlöschmittel aus den Fahrzeugtanks zur Brandbekämpfung bereit. Gesteuert wird die Hochleistungspumpe per Knopfdruck. Über einen Monitor hat der Maschinist die wichtigsten Daten immer im Blick. „Wenn die Technik mal versagen sollte, können wir aber auch alles manuell bedienen“, sagt Wolf.

Von den ersten Überlegungen einer Neuanschaffung als Ersatz für das bisherige, 1991 in Dienst gestellte HLF-16, liegen rund zwei Jahre Planung sowie intensive Gespräche mit dem Aufbau-Hersteller Rosenbauer und Vertretern der Stadt hinter der dreiköpfigen Arbeitsgruppe. „Um so manches Detail zu klären, waren da auch schon mal heiße Diskussionen dabei“, verrät Wolf augenzwinkernd. Letztlich sei es aber schließlich darum gegangen, das bestmögliche Fahrzeug für die Bedürfnisse der Dietzenbacher Feuerwehr zu bekommen. „Ich denke das ist uns gelungen.“ 390.000 Euro zahlt die Stadt für die Anschaffung, 93.800 Euro bekommt sie vom Land Hessen als Förderung wieder zurück. Bis die Brandschützer mit „Peter“ zu ihren ersten Einsätzen ausrücken können, wird es wohl Mitte Februar werden. Vorher stehen noch Schulungen für die Einsatzkräfte an, um alle Neuerungen und jeden Winkel des Fahrzeugs genau kennenzulernen.

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