KVG Offenbach rüstet sich für die Zukunft

Pilotprojekte für Bus und Bahn

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Andreas Maatz, Geschäftsführer der kvgOF, und Britte Sorg, zuständig fürs Marketing, vor den Fahrradboxen.

Dietzenbach - Die Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach koordiniert für die rund 340.000 Menschen im Kreis den öffentlichen Personennahverkehr. Für die Zukunft hat sich der RMV-Partner mit Sitz am Masayaplatz einiges vorgenommen. Von Christian Wachter 

Der Mauszeiger an der Wand folgt Andreas Maatz’ Handbewegungen. Die Karte, die auf die Leinwand projiziert wird, ist noch recht neu im Sortiment der Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach („kvgOF“) und seit Monatsbeginn über die Homepage aufrufbar. Geholfen hat dabei die Berliner Firma Baumgardt Consultants. Maatz, Geschäftsführer bei der kvgOF, betont, dass sich dieser interaktive Liniennetzplan gerade für diejenigen eigne, die sich im Kreis noch nicht so gut auskennen.

Er klickt auf Seligenstadt, demonstriert, dass man sich von Dietzenbach aus kommend zum Beispiel anzeigen lassen kann, wie man mit öffentlichen Verkehrsmitteln dort hingelangen kann – eine eventuell nötige Baustellenumfahrung, die etwa ein Bus auf sich nehmen muss, inklusive. Dazu könne man sich andere „Points of Interest“ in der Nähe anzeigen lassen, Rathäuser oder Schulen etwa. Zu 100 Prozent fehlerfrei laufe zwar noch nicht alles, man sammle aber innerhalb des Hauses schon Listen, um zu schauen, an welchen Stellen kurz- oder langfristig nachgebessert werden muss. Auch, dass Nutzer künftig selbst solche Orte einreichen, die dann über den interaktiven Plan angesteuert werden können, schließt er nicht aus. „Das Ganze muss natürlich beherrschbar bleiben, grundsätzlich sind wir da aber offen.“ Dabei verweist er insbesondere auf die immer wieder erforderlichen Aktualisierungen.

S-Bahn-Erweiterung

Trotz der elektronischen Möglichkeiten, sei der direkte Beratungsbedarf hoch wie eh und je. „Der Sitz am Masayaplatz ist 2003 mit viel Voraussicht dort gebaut worden.“ Gerade ältere und Menschen aus anderen Ländern kämen häufig vorbei, um sich Auskünfte über Tarife oder Fahrpläne einzuholen. Dass die S2, die direkt vor der Tür hält, allerdings keine Preise in Sachen Kundenzufriedenheit gewinnen wird, ist dem Diplom-Geografen bewusst. Als Grund für den ungeliebten sporadischen Halt in Steinberg macht er auch die Eingleisigkeit von Dietzenbach Mitte bis zum Bahnhof aus. „Der eine Zug muss warten, bis der andere raus ist, auch für die Lokführer ist das nicht immer einfach.“ Deshalb gelte es auch, den Menschen Zusammenhänge klarzumachen, dass zum Beispiel ein gut gemeintes Aufhalten der Tür schnell eine Kettenreaktion auslösen könne, an deren Ende dann mehrere Züge Verspätung haben.

„Ein echtes Problem allerdings ist es, wenn die S2 schon in Offenbach-Ost endet, auch für Kunden aus Heusenstamm – da machen wir uns Gedanken, wie wir das mit Bussen regeln könnten.“ Eine Lösung, um die Eingleisigkeit zu kompensieren, könnte für Maatz auch ein Ausbau der Bahnstrecke sein. Nicht wie jüngst von Dietzenbachs Parlamentariern diskutiert (wir berichteten) bis nach Urberach allerdings, sondern bis nur zur Kreisquerverbindung. So sei es möglich, dass die Bahnen auch nach dem Bahnhof in Dietzenbach aneinander vorbeifahren. Außerdem könne man so einen Schnellbus einrichten, der auf direktem Wege, ohne Umweg also, durch den Kreis pendelt.

Kostenloser ÖPNV und E-Mobilität

Skeptisch ist Maatz wenn es um das Gedankenspiel geht, den öffentlichen Personennahverkehr komplett kostenlos zu machen. „Wir bräuchten erheblich mehr Leute, würden mit unseren derzeitigen Bussen, die angemietet sind, nicht auskommen.“ Für jeden Kilometer, den ein Bus fährt, erläutert er, entstünde ein finanzieller Aufwand von zwei bis drei Euro. „Wir wären komplett abhängig von der öffentlichen Hand.“ Dennoch, fügt er an, müsse man sich ununterbrochen Gedanken über Mobilitätskonzepte der Zukunft machen, auch um die E-Mobilität. „Wir haben allerdings nicht dieselbe Infrastruktur wie in Offenbach oder Wiesbaden, wo sich über die Betriebshöfe Strom beziehen lässt.“ Hinzu kämen die langen Strecken. „Da kommen dann eher die Stadtbusse in Frage.“ Unterstützung von einem Experten hat man sich über einen sogenannten E-Coach geholt, dessen Erstberatung das Land Hessen spendierte.

Fahrradboxen

Ein zukunftsorientiertes Pilotprojekt sieht man bei der kvgOf und dem RMV in den an der S-Bahn-Station Dietzenbach Mitte aufgestellten Fahrradboxen. Seit 2016 kooperiert man dafür mit der Firma Kienzler Stadtmobiliar. Radler können diese Boxen für einen Tag, eine Woche, einen Monat oder ein Jahr buchen und ihr Stahlross in dieser Zeit unterbringen.

Nach der Registrierung gibt es einen Code, der dann die Türen öffnet. Sechs der zwölf Boxen verfügen außerdem über eine Ladestation für Pedelecs. „Gerade für Nutzer hochwertiger E-Bikes bietet sich eine solche Abstellmöglichkeit an, wenn man einmal gebucht hat, weiß man sicher, dass man einen Platz hat.“ Einzig bei der Nachfrage ist derzeit noch Luft nach oben, mehr als die Hälfte der Boxen ist noch frei. Perspektivisch wolle man darüber nachdenken, flexiblere Modelle anzubieten, etwa solche, bei denen sich am Start- und Zielpunkt Boxen buchen lassen, erläutert Maatz.

Wer die Boxen testen möchte, kann eines von drei Abos über einen Monat Laufzeit gewinnen. Interessierte schreiben dafür bis Freitag, 23. März, eine Mail mit dem Betreff „Fahrrad“ an gewinn_dietzenbach@op-online.de Ausführliche Informationen zu den Boxen gibt es online.

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