Warteliste verlängert sich

Zu wenige Plätze in Dietzenbacher Kitas – und die Personalsituation ist ebenso angespannt

Vier Kleinkinder liegen nebeneinander auf einem Teppich.
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Bis zum Ende des Jahres werden in den Kitas in Dietzenbach voraussichtlich 100 U3-Plätze fehlen. (Symbolbild)

In Dietzenbach nahe Offenbach blickt man besorgt auf die Zahl der verfügbaren Kitaplätze. Zum Umgang mit Personallücken gibt es derweil kreative Ideen.

Dietzenbach – Erfahrene Mitglieder des Sozialausschusses wissen: Wenn Peter Amrein, Leiter des Fachbereiches Soziale Dienste über die Dietzenbacher Kindertagesstätten spricht, müssen nicht selten erhebliche Probleme gelöst werden. Denn die Platzsituation spitzt sich zu, die Wartelisten werden länger und es fehlt an Erzieherinnen und Erziehern. Zu alldem kamen in jüngster Vergangenheit die coronabedingten Schwierigkeiten hinzu.

Doch immerhin in diesem Punkt konnte Amrein in der Sitzung am vergangenen Dienstag positive Neuigkeiten verkünden. „Wir sind seit diesem Montag wieder im Regelbetrieb“, sagte der Fachbereichsleiter. Darüber hinaus seien die Maskenpflicht in den Gruppenbereichen sowie die strikte Gruppentrennung aufgehoben. Außerdem hatte Amrein eine Nachricht im Gepäck, die insbesondere die Eltern freuen dürfte. „Bis auf eine Kindertagesstätte haben alle anderen wieder zu den gewohnten Zeiten geöffnet“, teilte er mit.

Dietzenbach bei Offenbach: Kitaplätze werden zunehmend Mangelware – ebenso Fachkräfte

Mit seiner Überleitung zur Platzsituation musste Peter Amrein, wie in der letzten Zeit des Öfteren, jedoch kritische Töne anschlagen: „Im besten Fall werden Ende des Jahres 80 Kinder im Ü-3 Bereich sowie 100 Kinder im U-3 Bereich ohne Platz sein.“ Zurückzuführen sei der hohe Bedarf unter anderem auf die starken Geburtenjahrgänge.

Damit der Bedarf gedeckt werden könne, müsse die Stadt unter anderem stärker mit den freien Trägern wie dem Waldorfkindergarten und dem Montessori-Kinderhaus zusammenarbeiten. „Das geht jedoch nicht, wenn wir ihnen eine Monatspauschale von 120 Euro pro Kind bezahlen“, betonte Amrein. Denn das sei deutlich zu wenig. Deshalb soll die Pauschale bis zum Jahr 2022 auf 240 Euro angehoben werden. „Schließlich bekommen Kommunen, die Dietzenbacher Kinder betreuen, eine Ausgleichszahlung von 400 Euro.“

Weiterhin wird die Situation in den Kitas auch durch den Fachkräftemangel erschwert. „Wir haben derzeit zwölf offene Stellen“, berichtet Amrein auf Nachfrage. Dabei werde der Mangel derzeit noch durch den Einsatz der Alltagshelfer gemindert. Ohne sie seien 25 weitere Erzieher vonnöten. „Deshalb wollen wir die Helfer auch nach der Krise weiterbeschäftigen“, sagt er. Allerdings müsse man die Möglichkeiten mit der Fachaufsicht beim Kreis abklären. Denn der Einsatz der Helfer sei derzeit nur während der Pandemie legitimiert. Amrein ist jedoch überzeugt, dass die Aufsicht im Sinne der Stadt entscheiden werde. „Sie kennt unsere Situation und hat dafür Verständnis“, führt der ehemalige Mitarbeiter des Kreises Offenbach weiter aus. Eine wohlwollende Entscheidung erfordere jedoch, dass die Kreisstadt die Akquise weiterhin vorantreibe.

Den Kitas in Dietzenbach nahe Offenbach mangelt es auch an ausgebildeten Erziehern

Um weitere Erzieher zu gewinnen, bediene sich der Fachbereich bereits jetzt aller zur Verfügung stehenden Mittel. So werde etwa auf Messen, in Fachhochschulen und im Internet um Pädagogen geworben. Besonders vielversprechend sei zudem der Ausbildungsbereich. „Das ist unsere Stärke“, betont Amrein. Derzeit beschäftige die Stadt 20 Azubis in den Kitas und die Erfahrung habe gezeigt, dass rund Dreiviertel der jungen Leute dem Standort treu bleiben.

Um das Fachkräfte-Problem in den Kitas zu lösen, werden jedoch auch weitere Maßnahmen in Betracht gezogen. „Wir sind derzeit am überlegen, ob wir mit einer Personalagentur zusammenarbeiten, die spanische Fachkräfte vermittelt“, erläutert Amrein. Dafür müsse in den ersten eineinhalb Jahren der Beschäftigung jedoch deutlich tiefer in Tasche gegriffen werden. Denn auch die Agentur wolle bezahlt werden. „Ich halte das jedoch für gerechtfertigt“, sagt er. Die Vermittlungsstelle sorge schließlich bereits vor der Einstellung dafür, dass die Erzieher die deutsche Sprache lernen und sei bei der Anfangsbetreuung mit im Boot.

Dass in der Kreisstadt, beziehungsweise in Deutschland selbst so wenige Fachkräfte zu finden sind, führt Amrein etwa auf das Überangebot an Stellen zurück. „In Dietzenbach bieten wir Konzepte an, die ebenso in anderen Kommunen zu finden sind“, macht er deutlich. Zudem sei das Gehalt überall gleich. Es sei also schwierig, sich von anderen abzuheben und auf einen Bewerber kämen gleich mehrere potenzielle Arbeitgeber. (Anna Scholze)

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