Die lebendigste Form der Literatur

Poetry Slam und A-cappella beim 34. Frauenfrühstück

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Poetry-Slammerin Jule Weber begeistert die Besucherinnen des Frauenfrühstücks mit teils nachdenklichen Texten.

Dietzenbach - Eine eher moderne Kunstform hatte das Frauenfrühstück in seiner Frühjahrsausgabe in den Mittelpunkt gestellt. Mit der Darmstädterin Jule Weber holten die Organisatorinnen eine der erfolgreichen Poetry-Slammerinnen auf die Bühne. Von Barbara Scholze

Dabei begeisterten ihre selbst erdachten Texte zu Leben, Liebe und Leid, vorgetragen in einer gewissen Zeit und Sprechstruktur, recht schnell das Dietzenbacher Frauenpublikum. Zu der gelungenen Atmosphäre des Frühstücks im Capitol des Bürgerhauses trugen ebenso die musikalischen Stars des Morgens bei: Die fünf jungen Frauen der A-cappella-Gruppe Catchy Tunes brillierten einmal mehr mit ihrem unverfälschten Gesang und gaben somit dem Auftritt der Slammerin den passenden Rahmen.

Organisiert vom Frauenbüro, gemeinsam mit den Kooperationspartnern Volkshochschule, Stadtbücherei, Kreisvolkshochschule und Stadtmarketing-Agentur, gehört das Frauenfrühstück auch im 20. Jahr zu den Veranstaltungen, die nicht nur Dietzenbacherinnen, sondern auch Gäste aus der gesamten Umgebung in die Kreisstadt locken. „Frauen brauchen Zeit sich zu amüsieren“, betonte die städtische Frauenbeauftragte Bettina Kuse zu Beginn. Viel Humorvolles fand sich denn auch in den Vorträgen von Jule Weber. Mehr noch aber Nachdenkliches. Über Wege etwa, die schwer zu gehen sind und von der Kraft, die sie fordern. So sei der Weg von ihrem Platz bis zur Bühne nicht weit gewesen, sagte Weber. Das Klatschen des Publikums habe sie dabei wie einen vorgegebenen Takt empfunden. „Erste Schritte sind meistens ganz einfach, letzte sind schwierig, die macht man allein.“ Auf ihren eigenen Wegen habe sie aber erfahren: „Wenn ich die Augen schließe, dann klingen die Absätze meiner Schuhe auf dem Asphalt fast wie Applaus“.

Starke Worte, untermalt von sparsamen Gesten

Poetry Slam sei die lebendigste Form der Literaturbewegung, betonte Jule Weber. Starke Worte, untermalt von sparsamen Gesten kennzeichneten ihren Vortrag. Manchmal launig wie bei ihren Gedanken zu Hosentaschen. „Bei Frauenhosen passt nichts rein, aber was glauben Sie, was in eine Männerhosentasche alles reingeht.“ Da sei immer noch eine Benachteiligung für das weibliche Geschlecht festzustellen. Ernsthafter beschäftigte sich die Mutter einer kleinen Tochter mit dem oft schwierigen Leben einer alleinerziehenden berufstätigen Frau. „Da bleibt manchmal nur die Gutenachtgeschichte von der Mutter, die so müde war.“ Mit großem Applaus bedachte das Publikum ebenso Texte zum Leben einer Bilderbuchfamilie oder zu Anne, dem wilden Kind, das für ein Mädchen immer schon ein guter Junge war.

Auch die Catchy Tunes beließen es schließlich nicht bei einem Lied über das Wetter oder einer hervorragenden A-cappella-Version des Hits „Dangerous“. Sie widmeten sich ebenso dem Thema Frauen, erzählten von Body-styling im Sinne von „Sport ist Mord“ und gaben darüber hinaus ein paar männerlastige Witze zum Besten. So baten sie in ihrem Schlusswort die Besucherinnen zu bedenken, dass es nur drei Sorten von Männern gebe, die Frauen nicht verstehen: die jungen, die mittelalten und die alten.

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