Sieben Festnahmen bei bundesweiter Razzia

Polizei durchsucht Osmanen-Clubhaus in Dietzenbach

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Polizisten stehen vor einem Bürokomplex in der Dietzenbacher Voltastraße. Weitere Bilder des Polizeieinsatzes finden Sie in der Galerie.

Wiesbaden/Dietzenbach - Gegen die rockerähnliche Gruppierung der Osmanen haben Einsatzkräfte heute eine bundesweite Razzia durchgeführt. In diesem Zusammenhang durchsucht die Polizei rund 50 Objekte, unter anderem mehrere Gebäude in Dietzenbach. Es gibt Festnahmen.

Mehr als 1000 Polizeikräfte haben in sechs Bundesländern rund 50 Wohnungen, Gewerberäume und Büros im Rocker-Milieu durchsucht. Sieben Männer wurden dabei heute festgenommen, sechs in Hessen und ein Verdächtiger im Saarland, wie der hessische Landespolizeipräsident Udo Münch in Wiesbaden sagte. Schwerpunkt der Aktion gegen die Osmanen Germania, die als türkisch-nationalistisch gelten, war Hessen, wie Sprecher des Innenministeriums und des Landeskriminalamtes (LKA) in Wiesbaden sagten.

Allein in Dietzenbach seien mehrere Objekte des „Osmanen Germania Boxclubs“ - unter anderem ein Bürkomplex in der Voltastraße - durchsucht worden, sagte ein Polizeisprecher. In Dietzenbach haben die Osmanen auch ihr World Chapter (Hauptsitz). Erst vor wenigen Wochen versammelten sich etliche Osmanen in Dietzenbach zu einer „größeren privaten Feier“, wie es von der Polizei hieß. Die Beamten zeigten ihrerseits in großer Zahl Präsenz, es gab keine Zwischenfälle. Daneben durchsuchten die Polizisten in Hessen auch Objekte in Münster, Bad Homburg, Friedberg, Rodgau, Offenbach, Hofheim am Taunus, Roßbach, Mörfelden-Walldorf, Groß-Gerau, Dieburg, Obertshausen, Nidda, Frankfurt, Gelnhausen und Linsengericht.

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Die Staatsanwaltschaft Darmstadt und das LKA in Wiesbaden teilten heute zunächst mit, es habe Aktionen bei einer „rockerähnlichen Gruppierung“ in Hessen, Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hamburg gegeben. Diese dauerten am Vormittag noch an. Einzelheiten zu den Festnahmen sagten die Ermittler zunächst nicht. Gesucht wurde den Angaben zufolge nach Waffen, Munition, Betäubungsmitteln, Schriftstücken und anderen Beweismitteln, die konkretere Hinweise auf illegale Geschäfte geben können. „Wir haben alle durchsuchten Objekte unter Kontrolle“, schrieb das LKA auf Twitter. Was sichergestellt wurde, war zunächst noch unklar.

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Das LKA geht in Hessen von 70 bis 80 Osmanen aus. Diese seien den Chaptern Hanau, Frankfurt und dem World Chapter mit Sitz in Dietzenbach zuzuordnen. Die Osmanen Frankfurt haben sich nach einer früheren Einschätzung von Ermittlern im Streit um den türkisch-nationalistischen Kurs von den Osmanen Germania abgespalten. Der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) nannte die Aktion einen „sorgfältig geplanten Schlag gegen die Organisierte Kriminalität in der Bundesrepublik“. Von den Durchsuchungen solle eine klare Botschaft ausgehen: „Egal in welcher Kutte Kriminelle glauben, sich in unserem Land betätigen zu können, wir werden gemeinsam mit aller Härte des Rechtsstaats gegen sie vorgehen.“

Bilder: Razzia gegen Osmanen in Dietzenbach

Die Polizei hatte das rasant wachsende Netzwerk der Osmanen in den vergangenen Monaten verstärkt ins Visier genommen. Die Mitglieder der Gruppierung, die sich 2015 im Dreieicher Stadtteil Sprendlingen als Boxclub gegründet hatte, gelten als türkisch-nationalistisch. Sie rivalisieren unter anderem mit kurdischen Gruppierungen wie den Bahoz. Aufkommenden Gerüchten, dass die Ermittler wegen eines akuten Anschlagsverdachts die Gebäude durchsuchen, erteilten die Einsatzkräfte eine Absage. „Aktuelle Mutmaßungen über bevorstehende und zu verhindernde Anschläge können wir nicht bestätigen“, hieß es am Twitter. (dpa/dani)

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