PPP-Schulsanierungen

Ein ganz großer Brocken

Unter dem Motto „Wir machen Schule“ hat die Firma SKE Schulen in Dietzenbach, Dreieich, Egelsbach, Langen und Neu-Isenburg sanieren lassen. Im Bild die eingerüstete Ernst-Reuter-Schule in Dietzenbach.   J Archivfoto: jw
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Unter dem Motto „Wir machen Schule“ hat die Firma SKE Schulen in Dietzenbach, Dreieich, Egelsbach, Langen und Neu-Isenburg sanieren lassen. Im Bild die eingerüstete Ernst-Reuter-Schule in Dietzenbach.

Dietzenbach - Bis heute stehen sich Befürworter und Gegner unversöhnlich gegenüber. Für die einen ist die Sanierung, Instandhaltung und Bewirtschaftung der Schulen im Kreis Offenbach durch private Partner ein finanzpolitischer Wahnsinn, für die anderen ein vorbildliches Bildungsprojekt. Von Christoph Zöllner

Zehn Jahre, nachdem der Kreis Offenbach und die Firma SKE Schul-Facility-Management GmbH eine Public Private Partnership (PPP) vereinbart hatten, trafen sich am Montagabend 120 Gäste in der Dietzenbacher Heinrich-Mann-Schule, um Bilanz zu ziehen und zu feiern. Dafür gab es nach Ansicht von Landrat Oliver Quilling (CDU) auch allen Grund. So mancher Kollege beneide ihn um „die schönsten Schulen in Hessen“, sagte er. Das PPP-Projekt sei eine gute Entscheidung für den Schulstandort gewesen. Auf die Frage „Würden Sie es wieder tun?“ antwortete Quilling mit einem klaren „Ja“.

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Kommentar von Redakteur Christoph Zöllner

SKE hatte im Jahr 2004 für 15 Jahre die Verantwortung für die Schulen im Westkreis übernommen, wenig später folgte für den Ostkreis die Firma Hochtief. Mit einem Gesamtvolumen von mehr als 780 Millionen Euro bis ins Jahr 2019 ist das Projekt einmalig in der Bundesrepublik. Quillings Vorgänger Peter Walter (CDU) hatte stets angegeben, dass die Kosten um 18,5 Prozent höher gelegen hätten, wäre der Kreis in Eigenregie tätig geworden. Kritik, wonach sich die PPP verteuert habe, wies Quilling zurück: Mehrkosten seien durch mehr Bestellungen verursacht worden: „Wir haben uns mehr geleistet, weil sich Schule in diesen zehn Jahren verändert hat.“ So sei etwa der Bedarf an Mensen und Räumen wegen der Nachmittagsbetreuung gestiegen. Anfangs waren es 223.000 Quadratmeter Gebäudefläche - mittlerweile 258.000: „Das will alles bezahlt sein.“

Höhere Energiekosten ohne PPP

Positiv bewertete Quilling die energetische Sanierung und die modernen Heizungsanlagen in den Schulen. „Ohne PPP hätten wir viel höhere Energiekosten.“ Zumal inzwischen die Flächen größer geworden seien und die Zahl der Computer zugenommen habe. Der CO2-Ausstoß sei von 322 auf 166 Tonnen reduziert und damit fast halbiert worden. SKE sei es gelungen, innerhalb von fünf Jahren aus sanierungsbedürftigen Bauten mit teilweise gravierenden Brandschutz- und Sicherheitsmängeln moderne Schulen zu machen. „Das war schon ein ganz großer Brocken“, so Quilling.

Auf Anfrage unserer Zeitung räumte Quilling gestern ein, dass die Beratungsleistungen vor dem Abschluss der PPP-Verträge sehr viel Geld gekostet hätten, da der Kreis mit einem Projekt dieser Größenordnung Neuland betrat. Mit dem Wissen von heute frage er sich auch, ob es vor zehn Jahren nicht möglich gewesen wäre, etwaige Veränderungen wie etwa die Ganztagsschulen vertraglich einzukalkulieren.

„Der Bedarf an Nachmittagsbetreuung war so damals nicht zu ahnen“, sagte Hans Peter Löw, Leiter der gastgebenden Heinrich-Mann-Schule. Er lobte die produktive Zusammenarbeit mit SKE. „Wir wurden damals zu Bauexperten“, erinnerte er an die Sanierung der kooperativen Gesamtschule in den Jahren 2005 und 2006. Das Erreichte könne sich immer noch sehen lassen; Besucher aus anderen Schulen seien immer voll des Lobes. „Das Umfeld hat einen großen Einfluss auf den Lernerfolg“, betonte Löw, der die Mittagsbetreuung und steigende Schülerzahlen als größte Herausforderungen nannte: „Das wird uns noch in Atem halten.“

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SKE-Geschäftsführer Johannes Huismann erzählte von der Auftragsvergabe vor zehn Jahren. Für das Unternehmen sei damit ein Traum in Erfüllung gegangen, wenngleich es viele Probleme zu lösen galt: „Wir mussten ein Projekt dieser Größenordnung erstmal in den Griff bekommen“, sagte Huismann.

Der Hessische Landesrechnungshof, der dem PPP-Projekt 2008 ein gutes Zwischenzeugnis ausgestellt hatte, will das Ende der Vertragslaufzeit abwarten, bevor er eine weitere Bewertung abgibt. Generell sei PPP weder zu loben noch zu verdammen. Man müsse jedes Projekt individuell und differenziert betrachten, hieß es auf Anfrage.

Raimund Butz, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Kreistag, bezeichnete das PPP-Projekt gestern als „Projekt mit Kehrseite“. Zum einen sei es aus Sicht der Eltern, Schüler, Schulleiter und Lehrer eine tolle Sache, zum anderen müsse das Land für den unterm Schutzschirm steckenden Kreis Millionen ausgeben, obwohl dieser eher zu den reicheren zähle. „Die Hessen zahlen langfristig für die schönen Schulen im Kreis Offenbach“, feixte Butz.

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