Notizbuch der Woche: Preise und Phänomene

Dietzenbach - Nun soll das seit Jahren propagierte Ärztezentrum also doch kommen. Etwa 15 Doktoren wollen sich in der Altstadt versammeln, um den Bürgern auf relativ kleiner Fläche eine umfassende medizinische Versorgung zu gewährleisten. Von Christoph Zöllner

Neben der Notdienstzentrale zieht auch die Radiologische Gemeinschaftspraxis samt teurer Gerätschaft ein. Was die Vorfreude auf das Ärztezentrum trübt, ist der Verzicht, den Lebensmittelmarkt Tengelmann zu erweitern. Stattdessen wird es nur einen Umbau auf bestehender Fläche geben. Schade für die Altstadt. Auch die geplante Ansiedlung einer Drogerie ist geplatzt. Warum? Über die Gründe gibt es gegensätzliche Angaben von Stadt und Bauträger. Im Wesentlichen scheint es ein Streit um Stellplätze gewesen zu sein, die ja in dieser Gegend Mangelware sind. Bleibt die Hoffnung, dass das Ärztezentrum, so denn keine weiteren Hindernisse auftauchen, seiner Funktion bald gerecht werden kann – auch als Magnet für die Altstadt.

Das Spessartviertel-Gutachten liegt nach wie vor unter Verschluss, doch Grünen-Chef Lothar Niemann sprüht schon vor Optimismus. Er fühlt sich in seinen jahrelangen Bemühungen um eine Lösung in Sachen Rosenpark/Starkenburgring/Spessartviertel bestärkt. Indes halten sich der Bürgermeister und die anderen Fraktionsvorsitzenden noch mit Äußerungen zurück. Vertraulichkeit ist vereinbart. Denn sollte es tatsächlich rechtlich möglich sein, dass sich die öffentliche Hand in das Viertel einmischen kann, wäre früher oder später der Ankauf von Wohnungen erforderlich. Die Preise dürften folglich steigen, weshalb – wie bei der Entwicklungsmaßnahme – nachträglich ein Stichtag festgelegt werden muss, um Spekulationen zu unterbinden. Aber noch ist unklar, ob es überhaupt eine Sanierungssatzung und damit auch bauliche Veränderungen geben wird. Die Ziele sind nicht genau definiert, und niemand weiß, wie viele Millionen benötigt werden und woher sie kommen sollen. Fest steht jedoch schon jetzt, dass eine Sanierungssatzung Klagen mit sich bringen würde und dass ein kompletter Abriss des Spessartviertels eine Illusion bleiben dürfte.

infacher wäre eine Lösung im Fall der „Wohnanlage Richter“ an der Robert-Koch-Straße, die in der Vergangenheit immer wieder in die Schlagzeilen geraten war, weil der Besitzer mit Investitionen geizte. Immerhin – es gibt nur einen Eigentümer: Robert Richter aus Königstein möchte seinen Besitz nun versilbern und inseriert im Internet. Ein Käufer soll allerdings schlappe 10,8 Millionen Euro aufbringen, was Fachleute als überteuert geißeln. Schließlich müsste der zukünftige Eigner der drei Hochhäuser mit rund 200 Wohnungen dem Wunsch vieler Mieter entsprechen und dringend benötigte Euro in die Substanz der Immobilie investieren.

Letzteres könnte sich lohnen. Denn die meisten Mieter, die aus der anatolischen Stadt Düzbag stammen, haben der Wohnanlage trotz der widrigen Bedingungen die Treue gehalten. Von einem sozialen Brennpunkt wie im Spessartviertel kann dort also keine Rede sein.

leibt die UDS doch kein zeitlich begrenztes Phänomen? Die SPD-Rebellen, die sich im Oktober 2007 nach internen Querelen von der SPD-Fraktion getrennt hatten, wollen nach dem Vorbild der Freien Wähler einen Verein gründen und womöglich bei der Kommunalwahl 2011 antreten. Die SPD gibt sich noch gelassen, im Vertrauen darauf, dass die Hürden auf dem Weg dorthin nicht leicht zu überwinden sein werden. Schließlich kann die UDS nur mit reichlich Engagement und vielen Unterstützern am Leben bleiben. Sollte es den Rebellen, die für die Verwendung des Namens Sozialdemokraten einen hohen Preis gezahlt haben, aber tatsächlich gelingen, über die Legislaturperiode hinaus eine Rolle zu spielen, wäre dies zweifellos zum Schaden der SPD.

Eher zum Schaden der UDS ist die Sperrung möglicher Internetadressen durch  den ehemaligen SPD-Webmaster. Unter www.uds-dietzenbach.de war bis gestern sogar das Konterfei von SPD-Landtagskandidatin Ulrike Alex zu sehen, die sich bei ihren Wählern bedankte. Peinlich!

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