Das Prinzip der vier Formen

Im Atelier Szenenwechsel den Alltag vergessen

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Malkurs zum Junggesellinnenabschied: Auch das ist in Dorita Jungs Atelier möglich.

Dietzenbach - In Dorita Jungs Atelier sind in 30 Jahren unzählige Bilder entstanden – von ihr selbst und von ihren Schülern gemalt. Nun starten neue Kurse. Von Ronny Paul 

Als vergangenes Jahr neun junge Damen zum Junggesellinnen-Abschied in Dorita Jungs Atelier Szenenwechsel kamen, um dort einen Malkurs zu absolvieren, schwante der Dietzenbacher Künstlerin zunächst nichts Gutes. „Die haben nur geschnattert und standen unter Zeitdruck – ich dachte, das wird nichts.“ Die Braut, eine Amerikanerin, ist großer Fan von Walt Disney, erinnert sich Jung. Da hatte sie die Idee, dass jede der neun Damen ein quadratisches Bild zum Comic-Thema malt, was sich am Ende zu einem großen Bild zusammenfügen ließ. Und aus der Anfangsbefürchtung wuchs Begeisterung: „Beim Malen war auf einmal Totenstille, sie sind in ihren Werken versunken.“ Das sei überhaupt das Wichtigste: ins Bild eintauchen und Abstand vom Alltag bekommen, betont die weit über Dietzenbach hinaus bekannte Künstlerin.

Dorita Jung malt an ihrem aktuellen Stillleben in ihrem Atelier.

Seit mehr als 30 Jahren versucht Jung, die Liebe zum Malen auch bei ihren Schülern zu erwecken. In ihrem Atelier gibt sie Kurse, auch bei besonderen Ereignissen wie Geburtstagen oder eben Junggesellenabschieden. Wenn die Liebe dann einmal entfacht ist, sei das Weitere nur ein Lernprozess, sagt sie. So sind bei ihren Kursen auch „blutige Anfänger“ stets willkommen – auch Männer. Allerdings seien 99,9 Prozent ihrer Teilnehmer Frauen. Zu Beginn von Wochenendkursen würden viele Anfänger sagen: „Das kann ich nicht.“ Wenn aber sonntags der Kurs endet, gehen die meisten mit einem guten Gefühl nach Hause: „Das macht sie und mich glücklich“, hat sie beobachtet.

Um alltägliche Dinge zeichnen zu können, brauche man im Prinzip nur vier Formen – Kreis, Viereck, Dreieck und Oval –, erläutert Jung. Wie sie das meint, demonstriert sie gleich in der Praxis: Mit wenigen Bleistiftstrichen zaubert sie aus zwei Vierecken, einem Kreis und zwei Ovalen eine Flasche aufs Papier. Eine wirkungsvolle Technik, mit der auch weniger Kunstaffine vorzeigbare Zeichnungen hinbekommen. Die Techniken hat Jung nach ihrer Ausbildung zur Graveurin zunächst an der Zeichenakademie in Hanau erlernt und dann bei Seminaren bekannter Künstler verfeinert. Am Liebsten malt sie Stillleben, bevorzugt Äpfel, obwohl sie die eigentlich gar nicht so gerne esse, sagt Jung und lacht. Ihr Stillleben-Debüt war ein Apfel, aktuelle malt sie wieder an einem. Ihr Spezialgebiet ist die Ölmalerei.

Wie werde ich Kirchenmaler/in?

Seit 1986 betreibt die gebürtige Frankfurterin, die in Dietzenbach aufgewachsen ist und auch dem Künstlerkreis angehört, ihr Atelier Szenenwechsel in der Lindenstraße 35. Dort gibt sie regelmäßig Abend- und Wochenendkurse. „Ich würde gerne mal alle Bilder, die in 30 Jahren in diesem Raum entstanden sind, nebeneinander sehen“, sagt Jung und vermutet lächelnd: „Das würde wohl den Raum sprengen.“

Bis einschließlich März stehen in Jungs Atelier Abendkurse in Aquarell- und Acrylmalerei für Anfänger und Fortgeschrittene, ein Anfänger-Intensivkurs im Zeichnen (27., 28. Januar), zwei Acrylmalkurse – „Blumenzauber“ (3., 4. Februar) und „Abstrakte Welten“ (24., 25. Februar) – sowie ein Anfänger-Porträtkurs (10., 11. März) an.

Infos: dorita.jung@ gmx.de, 06074/29226.

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