Ein gutes Fundament

Pro-Familia-Geschäftsführerin Heike Pinne über ihren Start und künftige Herausforderungen

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100 Tage im Amt: Heike Pinne leitet seit Mai die Pro-Familia-Beratungsstelle in Dietzenbach.

Wechselt nach Jahrzehnten die Geschäftsführung, ist das für jeden Betrieb, jede Belegschaft ein einschneidendes Ereignis. Mitarbeiter müssen sich umstellen, Abläufe neu einspielen. Ein Prozess, der vor allem eines braucht: Zeit. 

Dietzenbach – Zeit, die sich Heike Pinne aktuell ganz bewusst nimmt. Nach 38 Jahren löste sie im Frühjahr ihren Vorgänger Manfred Menzel in der Geschäftsführung der Pro-Familia-Beratungsstelle in Dietzenbach ab. Schon seit Anfang 2018 ist Heike Pinne Geschäftsführerin der Beratungsstelle in Offenbach, hat jetzt zwei Jobs.

„Ich wurde sehr herzlich aufgenommen, aber natürlich ist es eine große Veränderung fürs Team“, sagt sie. Nach einer sechswöchigen Übergangsphase, in der sie gemeinsam mit Manfred Menzel arbeitete, übernahm Heike Pinne Mitte Mai die Stelle. Kommende Woche, am 21. August, ist sie 100 Tage im Amt. „Noch bin ich dabei, alle Verantwortlichen und wichtigen Stellen im Kreis kennenzulernen.“ So sei es ihr etwa wichtig, alle Kommunen zu besuchen, auf deren finanzielle Unterstützung Pro Familia angewiesen ist, um Schwangerschafts-, Sexual- und Paarberatung allen Bürgern zugänglich zu machen.

Schon seit 20 Jahren arbeitet die Sozialpädagogin bei Pro Familia, hat damals in Dietzenbach als Beraterin angefangen, war lange in Darmstadt und schließlich in Offenbach. Angst, dass durch die Doppelbelastung eine der beiden Beratungsstellen zu kurz kommt, hat sie nicht. „Beides sind Teilzeitstellen, ich hatte also sowieso noch Kapazitäten.“ Sie arbeitet nun die eine Hälfte der Woche in Offenbach, die andere in Dietzenbach. „Ich denke, dass letztlich alle davon profitieren“, sagt Heike Pinne. Schon jetzt gebe es engen Kontakt zwischen den Kollegen in Offenbach und Dietzenbach, für die Zukunft seien zudem gemeinsame Projekte und Kooperationen denkbar. Heike Pinne will Verbindungsglied sein, dazu beitragen, dass beide Beratungsstellen voneinander lernen, einander bereichern. „Ich glaube an positive Synergieeffekte.“

In Dietzenbach habe sie ein gut aufgestelltes Team und funktionierende Abläufe vorgefunden, zu verbessern gebe es kaum etwas. „Ich kann hier auf ein sehr gutes Fundament bauen.“ In Bezug auf Mitarbeiter, aber auch auf die Wertschätzung der Beratungsstelle in der Kreisstadt. Die Herausforderungen, mit denen Pro Familia im Allgemeinen und auch in Dietzenbach in Zukunft konfrontiert sein wird, sieht Heike Pinne auf anderer Ebene. Sie seien vor allem finanzieller und politischer Art. „Die Summe dessen, was nicht von Landesmitteln gedeckt wird, wird größer, wir sind darum stärker auf Unterstützung der Kommunen angewiesen.“

Auch die andauernde Debatte über Schwangerschaftsabbrüche wirke sich auf die Arbeit von Pro Familia aus. Mehrfach haben Abtreibungsgegner vor der Beratungsstelle in Frankfurt demonstriert. „Damit rechnen wir auch hier in Dietzenbach, bereiten uns darauf vor.“ Dass es mittlerweile wieder vermehrt Angriffe auf Selbstbestimmung, sexuelle und reproduktive Rechte gebe, das will Heike Pinne so nicht akzeptieren. „Für diese Rechte müssen wir eintreten, als Verband unsere Stimme nutzen.“ Sie sei bereit, einen entsprechenden Beitrag zu leisten.

Ihre Position als Geschäftsführerin wolle sie nutzen, um dafür zu sorgen, die Bedingungen zu gewährleisten, unter denen eine gute Beratung stattfinden kann. Für Hilfesuchende, aber auch für ihre Kolleginnen und Kollegen. „Dadurch, dass ich selbst so lange in der Funktion als Beraterin tätig war, weiß ich, worauf es ankommt.“ Das umzusetzen, was ihr Team braucht, mache ihr derzeit großen Spaß.
VON LENA JOCHUM

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