Auslauf, während Herrchen im Büro ist

Professionelles Gassigehen

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Ouzo, Quinni und Baghira sind gerne mit Claudia Karut unterwegs. Schließlich können sie mit ihr eine Stunde durch den Wald laufen, statt einmal kurz um den Block geführt zu werden.

Dietzenbach -  Für Menschen, die wegen ihrer Arbeit mittags keine Runde mit ihrem Hund drehen können, bietet Claudia Karut einen Gassigeh-Service an. Jeden Werktag zieht sie los – immer mit dabei ist die eigene Hündin Quinni. Von Christian Wachter 

Die Vorfreude ist Quinni, Baghira und Ouzo anzusehen. Sie warten aber dennoch auf das Signal von Claudia Karut, bevor sie aus ihren Boxen vom Auto auf den Parkplatz am Waldrand springen. Karut ist professionelle Gassigeherin, verschafft jenen Hunden Auslauf, deren Besitzer berufstätig sind und die Zeit für den Spaziergang am Mittag nicht haben. Heute ist sie mit einer kleinen Gruppe unterwegs, Hütehund-Dame Quinni ist ihre. Ob sie wohl eifersüchtig ist, weil sich Frauchen auch um andere kümmert? „Damit muss sie klarkommen, die Hunde machen das unter sich aus“, sagt Karut lächelnd.

Sie ist an jedem Werktag unterwegs, schließlich lässt sich der Drang nach Auslauf bei den Vierbeinern von ziemlich ungemütlichen Witterungsverhältnissen kaum trüben. Auch wenn Ouzo, wie sie erzählt, bei Regen gerne mal unter dem Schirm mitlaufe.

Damit ihren Schützlingen nichts passiert, hat Karut zahlreiche Fortbildungen absolviert, ein Anti-Giftköder-Seminar etwa oder eines zu Kommunikation und Körpersprache. Grundlegende Fehler von Menschen, die den Tieren eigentlich Gutes wollen, sind da schnell ausgemacht. So sollte man einen Hund beispielsweise nicht von oben streicheln oder ihm sich nach vorne gebeugt nähern, erläutert sie. Das könne als Bedrohung aufgefasst werden.

Dass die Vierbeiner auch ohne Leine mitdürfen, liege daran, dass sie sie unter Kontrolle habe. Will ein Besitzer ihren Service in Anspruch nehmen, ziehen sie beim ersten Mal gemeinsam los. „Es muss passen, ich schaue zum Beispiel darauf, ob der Hund auf mich achtet und wie es mit dem Jagdtrieb aussieht.“ Bevor ein neuer Hund dann Teil der Gruppe wird, führt Karut ihn noch einmal alleine an der Leine mit. Voraussetzung ist, dass ein aktueller Impfschutz und eine Tierhalterhaftpflichtversicherung vorliegen. „Generell ist es sehr wichtig, dass mir die Besitzer vertrauen“, betont Karut. Schließlich hat sie die Schlüssel für die Wohnungen und Häuser, holt die Hunde ab und bringt sie nach der Tour durch den Wald auch wieder zurück. Wer möchte, dass seinem Vierbeiner spezielle Dinge beigebracht werden, den empfehle sie allerdings an einen Hundetrainer weiter.

Einige Signale haben sich aber doch eingeschliffen. Mit einem Finger bedeutet Karut den Hunden, kurz am Rand zu warten, wenn ihnen jemand entgegenkommt. „Sie gehen mir nicht an Fremde, das ist mir wichtig, umso mehr freut es mich, wenn mir Leute begegnen und sagen, die Hunde seien gut erzogen.“ Bei Hundebesitzern, die sie kennt – und das sind im Dietzenbacher Wald nicht wenige – macht sie aber schon mal eine Ausnahme. Da ist zum Beispiel die Dame, die während ihrer Mittagspause mit Brutus unterwegs ist. Der Mischling aus Schäferhund, Husky und Berner Sennenhund ist ein anderes Kaliber, bringt mehr als 40 Kilogramm auf die Waage. „Wenn der an der Leine zieht, gibt’s den berühmten Ausfallschritt“, sagt Karut. Man kennt sich, wobei bei Regen deutlich weniger Leute unterwegs seien. „Das sind die Schön-Wetter-Gassigeher“, sind sich beide einig. Sie genieße aber auch die Ruhe, wenn wenig los ist, fügt Karut hinzu.

Nachdem die Hunde sich gegenseitig beschnuppert haben, gilt ihre volle Aufmerksamkeit einer gefrorenen Pfütze. Sie brechen mit ihren Pfoten durchs Eis und schauen Karut so an, als ob sie gerade etwas ganz Außergewöhnliches entdeckt hätten. Ouzo ist aber gleich wieder in Hab-achtstellung, hat einen anderen Hund viele Meter weiter als erster entdeckt. Mit ein paar beruhigenden Worten von Karut lässt er sich aber schnell davon überzeugen, dass keine Gefahr droht. Bei Hütehunden, erläutert sie, sei so ein Verhalten nichts Ungewöhnliches. „Ich achte aber immer darauf, dass sie mir nicht auf der Nase herumtanzen.“

Leserbilder zum Hundetag (Teil 2)

Ein Vorteil, mit einer Gruppe loszuziehen sei, dass sich die Hunde richtig auspowern können. „Wenn sie zurück in ihrer Box sind, schlafen sie oft erst einmal.“ Ohnehin würden Hunde einen wesentlichen Teil des Tages mit Schlafen verbringen. Mit dem mittäglichen Ausflug sei es aber dennoch nicht getan. „Sie brauchen Auslauf, die Besitzer sollten morgens und abends auch selbst mit den Hunden raus.“ Weil vielen Menschen das wegen Schichtarbeitszeiten allerdings nicht möglich sei, will Karut ihren Service bald erweitern und auch am Abend Touren anbieten.

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