Vorwurf: Bandenmäßiger Drogenhandel

Abgehörte Gespräche: Haschisch-Platte oder Smartphone

Dietzenbach - Die Oberstaatsanwältin wirft vor dem Schöffengericht in Offenbach einem Angeklagten aus Dietzenbach bandenmäßigen Drogenhandel vor. Die mutmaßlichen Taten liegen vier Jahre zurück. Von Stefan Mangold 

Verteidigerin Julia Nedoma setzt darauf, dass die Polizei ihren Mandanten nicht auf frischer Tat ertappt hatte. Das Urteil unter dem Vorsitz von Richter Manfred Beck steht noch aus.
Verteidigerin Julia Nedoma erläutert gleich zu Beginn, ihr Mandant werde sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Ein Polizist berichtet, damals über anderthalb Jahre eine Gruppe beobachtet zu haben, die in Verdacht stand, in Dietzenbach intensiven Handel mit Cannabis und Kokain zu betreiben. Im Zuge einer Telefonüberwachung ging ihnen der 38-Jährige ins Netz, den die Polizei in ihren Protokollen anfangs als „unbekannt“ notierte.

Die Oberstaatsanwältin wirft dem Angeklagten vor, in zwei Fällen Haschischplatten von rund hundert Gramm mit einem Rausch verursachenden THC-Anteil von gut 18 Prozent an „gesondert Verfolgte“ weitergegeben zu haben. Die anderen haben mittlerweile ihren Prozess schon hinter sich. Das Gericht hatten zwei von ihnen als Zeugen geladen. Sie blieben kommentarlos fern und müssen deshalb ein Ordnungsgeld von 300 Euro berappen. Ein dritter Zeuge braucht sich davor nicht zu fürchten. Er sitzt in einer Justizvollzuganstalt, muss aber erst noch geladen werden.

In den Akten von damals müssen die Polizisten vor der Verhandlung noch mal nachlesen, um einigermaßen sinnstiftend über die Geschehnisse vom September und Oktober 2013 aussagen zu können. Ein Beamter erinnert sich erst mal an gar nichts. Er habe seine damaligen Protokolle zwar angefordert, jedoch nicht rechtzeitig bekommen, „wie das in einer Behörde manchmal so ist“.

Richter Manfred Beck hilft ihm durch Zitate aus den Akten auf die Sprünge, wogegen sich die Verteidigerin Julia Nedoma ausspricht. Der Polizist erinnert sich dann doch, wie ihm und seinem Kollegen am 11. Oktober 2013 während einer Verkehrskontrolle auf der K174 zwischen Dietzenbach und Rodgau ein Wagen auffiel, der ständig verkehrsgefährdend auffuhr. Ungeschickt vom Fahrer, gerade mit Haschisch und Kokain im Auto die Verkehrsregeln zu ignorieren.

Nachdem die Beamten das Haltesignal gegeben hatten, flogen aus dem Beifahrerfenster nämlich Gegenstände, die sich als Drogen herausstellten. Zuvor hatten die Männer mit dem Angeklagten telefoniert. Die Rede war von einem „schwarzen iPhone 5“, das man demnächst abholen werde.

Bilder: Prozess gegen mutmaßlichen Kriegsverbrecher

Was es damit auf sich hat, erläutert ein weiterer Polizist. „Ein schwarzes iPhone 5 war damals das Pseudonym für eine Platte Haschisch, ein weißes für Kokain“. Schon am 25. September 2013 soll der Angeklagte in seiner Wohnung im „Starkenburgring“, der heute Spessartviertel heißt, eine Haschischplatte übergeben haben. Die Polizei verfolgte den PKW der mutmaßlichen Abholer und bat auf der Höhe von Aschaffenburg die Kollegen von der bayerischen Polizei, den Fahrer zu stoppen.

Anwältin Nedoma fragt den Polizisten, ob es sich nicht tatsächlich um ein iPhone 5 gehandelt haben könnte. Der antwortet, „dann hätten die beiden das iPhone hervorragend versteckt, die Haschischplatte aber nur locker in der Brusttasche transportiert“. Die Nummer des abgehörten Telefons sei außerdem eindeutig dem Angeklagten zuzuordnen. Mit ihr habe er Essen zu seiner Adresse bestellt. Bei Observationen habe man beobachtet, wie der Mann ans Telefon ging, wenn ein Abgehörter die entsprechende Nummer wählte. Neben den noch ausstehenden Zeugen will sich Richter Manfred Beck bis zum zweiten Verhandlungstag die Abhörbänder bringen lassen.

Rubriklistenbild: © Symbolfoto: dpa

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