Bewährungsstrafe für Dietzenbacher

Freiheit mit Fußfessel für Drogenhändler

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Der Angeklagte wurde mehrfach mit Marihuana erwischt.

Dietzenbach - Ein 32-jähriger Dietzenbacher ist wegen mehrfachen Drogenhandels zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Von Stefan Mangold

Der Angeklagte, dem die Staatsanwältin am Montag vor dem Schöffengericht in Offenbach mehrfachen Drogenhandel vorwarf, kann wohl durchatmen. Wegen der günstigen Sozialprognose kommt der Dietzenbacher mit zwei Jahren Haft auf Bewährung davon. Die nächsten viereinhalb Jahre sollte er die Füße jedoch still halten. Das Urteil ist noch nicht rechtsgültig.

Geschickt hatte sich der Angeklagte als Drogenhändler nicht verhalten. Die Staatsanwältin wirft dem 32-Jährigen gleich vier verschiedene Taten zwischen Juli 2017 und Februar 2018 vor.

Rechtsanwalt Achim Groepper berichtet, sein Mandant werde alles gestehen. Der Verteidiger erzählt von der Drogenabhängigkeit des Angeklagten, den er seit Jugendgerichtszeiten kenne. Seit Mai befinde er sich in Therapie, habe die Probezeit an seinem Arbeitsplatz bestanden und pflege stabile soziale Beziehungen, insbesondere zu seiner von ihm geschiedenen Frau, der Mutter seiner Tochter, um die er sich ständig kümmere.

Richter Manfred Beck erinnert sich an den Angeklagten aus einem Prozess im Jahr 2009, „war das nicht ein Raub in einem Dietzenbacher Schönheitssalon?“ „Ein Solarium“, präzisiert der Mann. Damals bekam er drei Jahre Gefängnis.

Wegen guter Führung war er nach zwei Jahren wieder frei, habe die ersten anderthalb Jahre drogenfrei gelebt. Dann sei jedoch seine Frau schwanger geworden, die Beziehung sei mal beendet gewesen, mal wieder ins Laufen gekommen, und wiederum habe er im Cannabis-Konsum das Mittel zum Stressabbau gesucht. „Zwischen acht und zehn Gramm“, antwortet der Angeklagte auf die Frage von Beck nach der Tagesration. Ohne Zusatzeinkommen konnte der damals Arbeitslose das nicht stemmen.

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In Dietzenbach hatte ihn die Polizei vor einem Jahr mit 53 Gramm Marihuana zu 13 Prozent THC-Gehalt erwischt. Im Auto fand sich ein Pfefferspray, woraus sich der strafverschärfende „bewaffnete Drogenhandel“ stricken ließe. Ein paar Tage später geriet der Angeklagte auf dem Weg von Holland nach Deutschland beim Import von 97 Gramm Cannabis von bis zu 32 Prozent an THC-Gehalt nebst verbotenen Drogenpilzen der Grenzpolizei in die Fänge und landete in Untersuchungshaft. Diesmal führte er ein „Einhandmesser“ bei sich, nach eigener Aussage nicht zur Verteidigung, sondern um Haschisch zu portionieren.

Seit Mai gilt der Haftbefehl als außer Vollzug gesetzt. Seitdem trägt der Angeklagte eine Fußfessel und gibt regelmäßig Urinproben ab. Der Bewährungshelfer erklärt, die Tests seien allesamt negativ, zu vereinbarten Gesprächsterminen erscheine er zuverlässig.

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Vor Gericht wirkt der 32-Jährige durchaus wie jemand, von dem sich sagen lässt, „eigentlich ist das doch ein lieber Kerl“. Richter Beck wird bei der Urteilsbegründung später formulieren, „wir nehmen Ihnen ab, dass Sie das Messer nur zum Portionieren bei sich führten“. Die Staatsanwältin hatte „mit viel gutem Willen“ drei Jahre Haft gefordert, ohne jedoch zu verlangen, den Haftbefehl wieder zu vollstrecken. Verteidiger Achim Groepper betont die stabilen sozialen Verhältnisse, „mein Mandant vollzog einen Bewusstseinswandel“. Groepper plädiert auf eine Haftstrafe, „die sich noch zur Bewährung aussetzen lässt“.

Dem folgen Richter Beck und die beiden Schöffen, die nach langer Beratung zu zwei Jahren Haft eben auf Bewährung verurteilen. Die Fußfessel muss der Angeklagte weiter tragen, auch weil das Gericht ihm die Auflage gibt, „sich nicht im Spessartviertel und anderen Drogenumschlagplätzen aufzuhalten“. Die Bewährungszeit dauert viereinhalb Jahre. Im Waldzoo muss er Mann außerdem 100 Arbeitsstunden ableisten.

Die Staatsanwältin deutet an, mit dem Urteil leben zu können. Die Staatsanwaltschaft in Darmstadt solle jedoch erst zustimmen.

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