Prozess am Landgericht Darmstadt

Angeklagter schweigt zu Schuss auf Polizisten

Dietzenbach/Darmstadt - In Darmstadt steht ein 59 Jahre alter Mann wegen versuchten Mordes vor Gericht. Er soll unvermittelt auf einen jungen Polizisten geschossen haben - direkt vor einer Wache.

Im Prozess um einen versuchten Mord an einem Polizisten hat der Angeklagte zu Beginn der Verhandlung am heutigen Dienstag geschwiegen. Der 59 Jahre alte Mann soll in der Nacht zum 1. Februar in Dietzenbach auf den Beamten geschossen haben. Laut Staatsanwalt war er nach einem Streit mit der Ex-Freundin wegen Ruhestörung in Polizeigewahrsam genommen worden. Vor der Wache habe ihm ein Beamter einen Zigarillo aus dem Mund geschlagen. Der betrunkene Angeklagte habe daraufhin "heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen" mit einer bis dahin unentdeckten Waffe auf den 26 Jahre alten Beamten gefeuert und ihn am Oberkörper schwer verletzt.

Die beiden an dem Vorfall beteiligten Polizisten, neben dem späteren Opfer ein 24-Jähriger, schilderten vor dem Landgericht Darmstadt den Ablauf der Geschehnisse in der fraglichen Nacht: Übereinstimmend sagten beide aus, dass sie kurz vor der Tat einen Platzverweis gegen den Angeklagten ausgesprochen hätten. Zuvor habe er am Haus seiner früheren Freundin lautstark randaliert. Da bei dem Mann bei der anschließenden Kontrolle ein Alkoholwert von fast zwei Promille gemessen worden sei, habe er seinen Wagen stehen lassen müssen.

Kurze Zeit später seien die Beamten abermals gerufen worden, da der Mann erneut bei der Ex-Freundin aufgetaucht sei. Als die Polizisten ihn dann mitnehmen wollten, habe der Mann gesagt: "Okay, bei euch ist es ja sowieso wärmer". Von einer Durchsuchung und einer Fesselung des 59-Jährigen hätten sie abgesehen. Zwar sei er vorlaut und unverschämt aufgetreten, aber aggressiv habe sich der etwa 1,60 Meter große Angeklagte nicht gegeben. Eine Waffe hatten die Beamte nach eigener Aussage nicht bemerkt. Der 26-jährige Polizist sagte, man habe den Mann in der Dietzenbacher Polizeiwache durchsuchen wollen. Ihm sei nicht der Gedanke gekommen, dass dieser bewaffnet sein könnte. "Wer rechnet denn damit, direkt vor der Dienststelle angeschossen zu werden", sagte der Beamte, der nach dem Vorfall zwei Monate nicht arbeiten konnte.

Die Anwälte des 59-jährigen Angeklagten meldeten am Rande des Prozesses Zweifel an mit Blick auf die Anklage wegen versuchten Mordes. Man habe eher eine Anklage wegen versuchten Totschlags erwartet. Der Prozess wird fortgesetzt. (dpa)

Bilder: Razzia gegen Osmanen in Dietzenbach

Rubriklistenbild: © Symbolfoto: dpa

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