Quarterback fürs deutsche Team

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Gabi Duvinage

Dietzenbach ‐ In ein paar Wochen lässt die Fußballweltmeisterschaft die Gefühle der Deutschen wieder Achterbahn fahren. Sollte es wider Erwarten zum vorzeitigen Aus kommen, ist das gar nicht so schlimm. Von Sebastian Faerber

Denn vom 27. Juni bis zum 3. Juli haben wir noch ein weiteres, heißes Eisen im Feuer: Gabi Duvinage, Mitarbeiterin der Städtischen Betriebe, reist mit unserer Nationalmannschaft nach Stockholm, um dort nach dem ersten WM-Pokal zu greifen, der im „American Football“ bei den Frauen vergeben wird. Die Vorbereitungen haben begonnen, die Spannung ist groß, und ihre Dietzenbacher Arbeitskollegen drücken die Daumen.

Vor mehr als 20 Jahren stand Duvinage vor der Entscheidung: Eishockey oder Football? Ein Kontaktsport sollte es in jedem Fall sein: „Ich bin auf dem Land groß geworden und hab’ immer mit den Jungs Fußball gespielt“, erinnert sich Duvinage. Das habe sie hinsichtlich Team- und Wettkampfsportarten geprägt. Vom Eishockey riet ihr die Mutter allerdings ab, das sei zu brutal. „Football birgt entgegen dem herrschenden Vorurteil nicht so große Verletzungsrisiken – Fußball zum Beispiel ist da viel schlimmer“, findet Duvinage. Also erhielt das für Europäer ungewöhnlich anmutende „Ei“ ihren Zuspruch.

Da Frauen damals in jenem Sport so oft anzutreffen waren wie Oasen in der Sahara, trainierte die Bayerin zunächst vier Jahre bei den Männern mit – gewiss keine schlechte Schule. Später dann schloss sie sich der Frauenmannschaft „Nürnberg Hurricanes“ an. Einige Zeit später siedelte sie nach Frankfurt über. Dort gab es allerdings keine Frauenmannschaft, nur die Überbleibsel einiger aufgelöster Teams. Duvinage tat sich mit den verbliebenen „heimatlosen“ Spielerinnen zusammen und mit etwa sieben Football-verrückten Mitstreiterinnen fährt sie seither zweimal im Monat zu ihrem Heimatverein nach Nürnberg. Um sich im Leistungssport behaupten zu können, ist jedoch mehr nötig, und so treffen sich die Frauen zusätzlich zweimal pro  Woche im Frankfurter Ostpark, um dort vor allem an Taktik und Technik zu feilen.

Zur Nationalmannschaft kam die 42-Jährige über ein Auswahlverfahren, bei dem sie sich gegen eine Reihe anderer Spielerinnen durchsetzen konnte. Ihre Rolle ist die der Spielmacherin, beim Football „Quarterback“ genannt. Da sie bereits seit mehr als 20  Jahren aktiv ist und zweimal die Deutsche Meisterschaft gewann, kann sie der Mannschaft auch mit ihrer Erfahrung eine große Hilfe sein. „Außerdem kann ich den Ball weit werfen und bin gut darin, die Übersicht zu behalten“, ist Gabi Duvi nage von ihren Stärken überzeugt. Letztgenannte Fähigkeit sei beim Football enorm wichtig, da einem schnell angst und bange werden könne, wenn ein behelmter und gepanzerter Trupp angestürmt kommt mit dem Ziel, einen zu Fall zu bringen.

Auch wenn die Gartenbauabteilung sie einige Zeit missen muss, freuen sich ihre Kollegen für sie und wünschen ihr möglichst viel Erfolg. Und auch bei Gabi Duvinage selbst ist die Vorfreude mittlerweile riesig: „Ich finde es total klasse, für Deutschland zu spielen! Das ist eine große Ehre“, sagt sie über den Stellenwert, den das Turnier für sie hat. Überhaupt drehe sich momentan bei ihr alles um den Sport aus Übersee. Das belegt auch der Einsatz, den sie bereit ist zu bringen: Fließt im Profisport normalerweise das Geld vom Verband zum Spieler, ist das bei Duvinage zwar nicht umgekehrt, aber für die Reise zum WM-Austragungsort in Stockholm und den gesamten Aufenthalt muss sie selbst aufkommen – immerhin rund 800 Euro.

Neben dem sportlichen Ereignis freut sich Duvinage auf eine schöne Zeit und viel Spaß im Mannschaftshotel: „Dabei sein ist alles“. Aber nicht nur insgeheim hofft die Nummer 12 auch auf eine Medaille – möglichst aus Edelmetall. Ob es aber für Gold oder Silber reichen wird, ist alles andere als sicher, denn die Favoritinnen, die aus Kanada kommen, und auch die Amerikanerinnen dürfen sich gute Chancen ausrechnen. „Wir müssen in der Vorbereitung zueinander finden“, spricht Gabi Duvinage über den wichtigsten Aspekt kurz vor der Weltmeisterschaft, einen „be seelenden und tragenden“ Teamgeist aus der Wiege zu heben.

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