Kritik an der Verkehrsführung an der Kreuzung Limesstraße  / Am Steinberg

Radfahrer fühlen sich unsicher

Anwohner Horst Neun und Bernd Dechert, vom ADFC Dietzenbach halten die Schaltung der Fahrradampel an der L 3001 für gefährlich.
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Anwohner Horst Neun und Bernd Dechert, vom ADFC Dietzenbach halten die Schaltung der Fahrradampel an der L 3001 für gefährlich.

Horst Neun ist ungehalten. Seit er in Rente ist, fährt er die meisten Strecken mit dem Rad. Und ist immer wieder mehr als erstaunt angesichts der neuen Verkehrsführung an der Kreuzung Limesstraße / Am Steinberg.

Dietzenbach – Insbesondere die Schaltung der frisch installierten Fahrradampel trifft bei dem Dietzenbacher auf Unverständnis. Diese richtet sich an die Radfahrer, die auf der L 3001 von Heusenstamm kommend links in die Limesstraße einbiegen wollen. Das Problem: Sie schaltet in dem Moment auf Grün, in dem auch die Autofahrer, die vor der Signalanlage an der Straße „Am Steinberg“ stehen, die Erlaubnis zum Weiterfahren erhalten. „Die Gefahr, dass hier ein Radfahrer umgefahren wird, ist extrem hoch“, meint Neun. Zudem sei es wahrscheinlich, dass dieser schwer verletzt werde. Denn: „Es wird hier oft mit hohem Tempo über die Kreuzung gefahren“, sagt der Radler, der in der Nähe des Verkehrsknotenpunktes wohnt. Hinzu komme, dass die PKW-Fahrer in der Straße „Am Steinberg“ das Signal überhaupt nicht einsehen könnten und somit auch nicht wüssten, dass Radler ihre Fahrbahn kreuzen könnten.

Dabei ist der Anwohner mit seiner Einschätzung nicht alleine. Auch der ADFC Dietzenbach bewertet die Ampelschaltung als risikoreich und hat sich unter anderem deshalb vor drei Wochen mit der Stadt in Verbindung gesetzt. Aus Sicht des Ortsverbandes gibt es jedoch noch weitere problematische Punkte. „Niemand weiß, für wen die Ampel gedacht ist“, sagt Vorstandsmitglied Bernd Dechert. Dies sei insbesondere ihrer Position geschuldet. Denn: Das Fahrradsignal steht auf der gegenüberliegenden Seite des Hildegardishauses und ist somit für Radler, die vom Ortsausgang kommen, schwer einsehbar. „Viele Fahrradfahrer, die geradeaus über die Kreuzung wollen, fahren auch drauflos“, berichtet Dechert von seinen Beobachtungen. Denn der Pfeil, der unter dem Fahrradsymbol ist und die Erlaubnis zum Linksabbiegen gibt, sei schlecht zu erkennen. Weiterhin erachtet Dechert es als unvorteilhaft, dass sich die Ampel aufgrund ihrer Höhe nicht im Gesichtsfeld der Radler befinde.

Mehr Sicherheit für unerfahrene Radler: Linksabbiegende Fahrradfahrer sollen gemeinsam mit den geradeausfahrenden Autos in die Limesstraße fahren.

Das neu installierte Lichtzeichen ist aus Sicht des ADFC aber nicht das einzige Manko der veränderten Verkehrsführung, die im Zuge der Baumaßnahmen die L 3001 fahrradfreundlicher gestalten soll. „Die neue Verkehrsführung ist nicht intuitiv“, kritisiert Bernd Dechert. So führt etwa die Abbiegerspur, die Radfahrer mit dem Ortsausgang im Rücken in die Limesstraße leiten soll, erst einmal nach rechts zur Straße „Am Steinberg“, bevor man sich nach links wenden kann. Doch niemand dreht sich nach rechts, wenn er in die andere Richtung fahren will.

Die Stadt indessen beruft sich auf eine Stellungnahme des Planungsbüros Habermehl und Follmann. Darin heißt es, dass die über die Kreuzung führende Linksabbiegerspur eine Möglichkeit für unsichere, beziehungsweise unerfahrene Radfahrer sei, die sich nicht trauten gemeinsam mit dem fließenden Verkehr in die gewünschte Richtung zu fahren. Dass die Radler gleichzeitig mit den Autos die Freigabe zum Fahren erhielten, entspreche den Richtlinien für Lichtsignalanlagen sowie der Empfehlung für Radverkehrsanlagen. Sinn der Ampelschaltung ist hiernach, dass die Fahrradfahrer gemeinsam mit den geradeaus fahrenden Autos in die Limesstraße fahren und so sicher dort ankommen sollen. Ebenso, so argumentiert Habermehl und Follmann weiter, entspricht die Position des Lichtzeichens den Vorgaben. Allerdings schlagen die Ingenieure vor, das Signal leicht einzudrehen, sodass der Geradeausverkehr es besser einsehen kann. Zudem teilt die städtische Verkehrsbehörde mit, dass der jetzige Signalgeber durch eine kleinere und tiefer angebrachte Anlage ausgetauscht werden soll. „Da es sich hierbei jedoch um Sondermaße handelt, ist dies mit einer längeren Lieferzeit verbunden“, heißt es vonseiten der Behörde. Die Entscheidung für die eingerichteten Fahrradschutzstreifen wird von städtischer Seite damit begründet, dass es während der Baumaßnahmen zu keiner Veränderung der Straße, sondern ausschließlich zu neuen Markierungen gekommen sei. Somit hätte nur die bereits vorhandene Verkehrsfläche genutzt werden können. „Die Mobilitätswende ist sehr vielschichtig und betrifft viele Bereiche wie die technischen Innovationen der Fahrzeuge, aber auch Veränderungen im Verhalten der Verkehrsteilnehmenden“, lautet die Stellungnahme des seit gestern amtierenden Bürgermeisters Dieter Lang. Die Veränderungen durch die Mobilitätswende gehe mit einem veränderten Straßenbild einher. (Anna Scholze)

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