Anwohner schrecken aus dem Schlaf

Lärm und Gefahr: Raser nutzen L 3001 in Dietzenbach als Rennstrecke

Stefan Witzel steht am Ortsausgang in Richtung Heusenstamm.
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Stefan Witzel ist entnervt: Die Lautstärke, die die Raser verursachen, liegt deutlich über den 60 Dezibel des normalen Verkehrs, wie er mit seinem Messgerät festgestellt hat.

Auf der Landesstraße 3001 im Dietzenbacher Stadtteil sorgen Raser für Ärger und Lärm. Ein Anwohner filmt die Verkehrssünder, um das gefährliche Treiben zu dokumentieren.

Dietzenbach – Überhöhte Geschwindigkeit, aufheulende Motoren, knatternde Motorräder: Stefan Witzels Nerven liegen blank. Er wohnt in Steinberg direkt am Ortsausgang Richtung Heusenstamm und sagt: „Das Stück der L 3001 bis zur Stadtgrenze wird immer wieder von Rasern und Posern befahren.“ Sie nutzten die Strecke, um einmal richtig aufs Gas zu drücken.

Da auf seine Beschwerden über die unerträgliche Situation seitens der Stadt lange keine Reaktion erfolgt, entscheidet Witzel sich dazu, seinem Anliegen Nachdruck zu verleihen. Er filmt die Verkehrssünder. Macht dabei dem Datenschutz entsprechend jedes Detail, das zu ihrer Identifizierung führen kann, unkenntlich. Klar zu erkennen bleibt in dem Video, das der Redaktion vorliegt, dass die Autofahrer deutlich schneller als Tempo 50 fahren. Doch weil die L3001 laut Behörden in diesem Abschnitt keinen Unfallschwerpunkt darstellt, ist der Handlungsspielraum von der Stadt Dietzenbach und Hessen mobil begrenzt

Ärger in Dietzenbach: Massive Beschwerden über Raser - doch nichts passiert

Um zu verdeutlichen, mit welcher Geschwindigkeit sie an den Wohnhäusern vorbeirauschen, nimmt der Herausgeber des Healthcare Media Portals die Sichtschutzwand zur Hilfe, die sich am Ortsausgang rechts der Straße befindet. So heißt es im Film: Mittels der Abstände der Wandstreben von 2,5 Metern sowie der Zeit, die Autofahrer benötigen, um das Ende des Zaunes zu erreichen, lasse sich leicht die ungefähre Geschwindigkeit errechnen. So kommt Witzel bei seinem temporären Aufzeichnungszeitraum zwischen Mai und Juli auf einen Durchschnittswert von rund 100 Kilometern pro Stunde innerhalb der Stadt.

Nicht allein das Unfallrisiko, das von den Rasern ausgeht, stößt ihm und, wie er betont, den übrigen Anwohnern übel auf. Auch der Krach, den sie dabei erzeugen, sorgt für erheblichen Unmut. „Der Lärm wird durch eine zusätzliche und manuell bedienbare Klappensteuerung der Auspuffanlage bewusst erzeugt“, sagt die Sprecherin im Video. Hinzu kämen laut knallende Fehlzündungen. Dabei verursachen die Temposünder eine Lautstärke, die die des normalen Verkehrs deutlich überschreitet. „Das kommt tagsüber ebenso vor wie nachts“, sagt Witzel verärgert. So zeigt der Kurzfilm, dass etwa auch gegen Mitternacht die geltenden Geschwindigkeitsbeschränkungen unter enormem Lärm deutlich überschritten werden. „Man sitzt dann senkrecht im Bett“, teilt auch Witzels Lebensgefährtin mit. Deshalb sei es für das Paar höchste Zeit, dass sich die Situation ändert.

Steinberg (Dietzenbach): Ein Blitzer würde die Raser bremsen

So ist der 63-Jährige überzeugt, dass ein feststehender Blitzer direkt am Ortsausgang das Problem lösen könnte. Die Stadt sieht dazu jedoch keine gesetzliche Grundlage, die das ermöglichen würde. „Die Installation von stationären Geschwindigkeitsmessanlagen wird von der Polizeiakademie Hessen geprüft und genehmigt. Dafür gibt es einen entsprechenden Erlass, an welchen Stellen die Anlagen aufgestellt werden dürfen“, sagt Markus Hockling, Leiter des Fachbereiches Sicherheit und Ordnung. Das trifft, so erklärt er, etwa auf Stellen zu, die als Unfallpunkte gelten. Was an der entsprechenden Stelle nach aktueller Einschätzung nicht der Fall sei.

„Außerdem zeigt die Erfahrung, dass kurz vor bekannten stationären Anlagen abgebremst und hinter ihnen wieder verstärkt gerast wird“, so Hockling weiter. An Punkten wie diesen eigneten sich mobile Messungen. Ein Mittel, von dem, wie der Fachbereichsleiter betont, in regelmäßigen Abständen Gebrauch gemacht werde. Dabei werden allerdings die Raser nur in Einzelfällen erwischt, wie neben Hockling auch Bürgermeister Jürgen Rogg in einem Schreiben erklärt, das er an Witzel als Reaktion auf das eingesendete Video geschickt hat.

Neben einem feststehenden Blitzer kommen auch bauliche Maßnahmen in dem Abschnitt der L3001 nicht infrage. Dazu fehlt ebenso nach der dafür zuständigen Straßen- und Verkehrsbehörde „Hessen Mobil“ die Grundlage. Begründet wird das in dem Schreiben an den 63-Jährigen ebenfalls mit dem unauffälligen Unfallgeschehen und dem Fehlen eines Leistungsfähigkeitsdefizites der Straße. Witzel jedoch kann die Argumente nicht nachvollziehen. „Erst dieses Frühjahr gab es wieder einen Unfall, bei dem ein Radfahrer gestorben ist.“ Zudem habe er bisher nicht feststellen können, dass am Ortsausgang regelmäßig geblitzt werde. (Von Anna Scholze)

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