Einmal Sprendlingen und zurück

Raumnot im Kreishaus: Teile des Job-Centers Pro Arbeit ausgelagert

Dreieich/Dietzenbach - Das kreiseigene Job-Center Pro Arbeit bleibt in Dietzenbach. Nachdem Teile der Einrichtung Mitte März nach Sprendlingen ausgelagert wurden, plant der Kreis Offenbach binnen der kommenden fünf Jahre eine Rückführung und Zusammenfassung aller Abteilungen an der Dietzenbacher Vélizystraße nahe dem Globus-Einkaufszentrum. Von Michael Eschenauer 

Das Grundstück für das Pro Arbeit-Zentrum zählt zur Dietzenbacher Entwicklungsmaßnahme, die über die DSK Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft abgewickelt wird, wie Landrat Oliver Quilling (CDU) und Sozialdezernent Carsten Müller (SPD) gestern erläuterten.

Weitere Details sind noch unklar. Sicher scheint immerhin, dass der Kreis selbst bauen wird, oder die Pro Arbeit dies übernimmt. Das Modell, einen Investor für den Neubau zu suchen und den Komplex anschließend zu mieten, scheidet nach Quillings Einschätzung wohl aus.

Bis dahin sind die wegen Raummangels im Kreishaus ausgelagerten Abteilungen an zwei Standorten in Sprendlingen zu finden: Das Servicecenter und die komplette Grundsicherung residieren in der Max-Planck-Straße 1-3, die Abteilungen Bildung und Teilhabe, Beschwerdemanagement sowie Teile des Wohncoachings in der Straße Im Gefierth.

Gestern war die Niederlassung in Sprendlingen den zehnten Tag geöffnet. Der Umzug, über den man das Klientel zuvor ausführlich informiert habe, habe reibungslos geklappt, berichtete Boris Berner, Vorstand der Pro Arbeit.

Insgesamt hat die Pro Arbeit rund 430 Mitarbeiter, 230 kümmern sich bis auf Weiteres in Sprendlingen um die rund 15.000 erwerbsfähigen Leistungsempfänger. Im Kreishaus arbeiten derzeit noch rund 50 Pro Arbeit-Angestellte. Weitere rund 150 sind in der Albert-Einstein-Straße in Dietzenbach tätig. Man habe Wert darauf gelegt, dass alle Abteilungen, die die Vermittlungstätigkeit und Beratung betreffen, weiterhin für den Kreis zentral in Dietzenbach blieben und die Angebote, bei denen es um Gelddinge gehe, vorübergehend nach Sprendlingen zögen, so Berner.

Somit ist nur ein Teil der Organisation – nämlich die Abteilungen Jobcoaching 25PLUS, das Bewerberbüro, das Arbeitsmarktbüro, ein Teil der beratenden Ärzte sowie ein weiterer Teil des Wohncoachings – immer noch im Kreishaus beheimatet. Nicht umgezogen sind zudem alle Abteilungen, die in Dietzenbach in der Albert-Einstein-Straße angesiedelt sind; also die Aktivierungswerkstatt, das Jobcoaching 46PLUS, das Jobcoaching SG A/Impuls, das Jobcoaching SG E/Reha, das Jobcoaching U25, die Abteilung Existenzgründer und Selbstständige, der Arbeitgeberservice, der andere Teil der beratenden Ärzte sowie das Familienmanagement.

„So können im Kreishaus Platzprobleme gelöst werden“, sagte Quilling gestern. Zudem kehren Abteilungen ins Kreishaus zurück, die bis dato etwa im Haus des Lebenslangen Lernens untergebracht waren; beispielsweise die Sport- und Kulturförderung. Die Kreisverwaltung zählt derzeit 1078 Mitarbeiter. Vor einem Jahr waren es 1 000.

Wenn die Stimmung umschlägt: Jobs mit aggressiven Kunden

Hand in Hand mit dem Umzug ging die Modernisierung des Internetangebots von Pro Arbeit. So können Formulare direkt auf der Website ausgefüllt und heruntergeladen werden. Eines der Ziele sei gewesen, so Berner, die Angebote für Migranten leichter nutzbar zu machen.

Ein hartes Geschäft:

Die Vermittlungsarbeit des kreiseigenen Job-Centers Pro Arbeit ist ein hartes Geschäft. So wächst der Anteil der gering qualifizierten erwerbsfähigen Leistungsbezieher aufgrund des Zuzugs von Flüchtlingen weiter.

Wie Kreis-Sozialdezernent Carsten Müller (SPD) gestern berichtete, haben 62 Prozent der rund 15.000 Klienten des Job-Centers im Alter bis 35 Jahre keine Ausbildung. Dieser Mangel betreffe 66 Prozent der Migranten und 50 Prozent der Deutschen, die im Job-Center vorstellig würden. Ein Drittel der „Kunden“, so Boris Berner, Chef des Job-Centers, sei unmittelbar „reif für eine Direktvermittlung“, bei zwei Dritteln aber seien erhebliche Vorarbeiten nötig.

Insgesamt blicke man auf ein „hervorragendes Jahr“ zurück. „Bis einschließlich November konnten wir 2017 insgesamt 3971 Menschen in den ersten Arbeitsmarkt vermitteln“, betont Müller. Im Vorjahr seien es zu diesem Zeitpunkt nur 3861 Vermittlungen gewesen. Für das Jahr 2017 sei mit 4200 „Integrationen“ zu rechnen. Grund für die Erfolge seien eine Ausbildungs- und Arbeitsmarktstrategie, bei der den Zielgruppen passgenaue Maßnahmen angeboten würden.

In den vergangenen fünf Jahren habe man 21.000 Vermittlungen in den ersten Arbeitsmarkt erreicht. Dabei, so Müller, liege man deutlich über dem Landes- und Bundesdurchschnitt. Die Arbeitslosigkeit im Kreis liegt bei 4,4 Prozent.

Klar sei aber auch, dass die hohen Anforderungen bei den allermeisten Jobs manchen Arbeitssuchenden überforderten. „Der Staat wird es nicht schaffen, alle Menschen aufzufangen. Auch hier im Kreis nicht“, warnt Müller. Dies zeige sich im Bereich der Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Hier gab es im November 2017 einen Anstieg gegenüber dem Vorjahresmonat um über acht Prozent auf 3057 Menschen. Dies hänge klar mit der Flüchtlingswelle zusammen.

Im Internet ist das Job-Center unter www.proarbeit-kreis-of.de zu finden. Die neue Postanschrift lautet: Pro Arbeit - Kreis Offenbach - (AöR), Kommunales Jobcenter, Max-Planck-Straße 1-3, 63303 Dreieich, die neue Servicetelefonnummer: 06074/ 805810-0 und die Faxnummer: 06074/8058-951.

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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