100 Kilo Plastikdeckel für Polio-Impfungen

Regenbogenschüler tun mit Müll Gutes

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Ein buntes Vergnügen: Die Klasse 4c der Regenbogenschule zeigt gemeinsam mit der Lehrerin Michaela Sevim (links) und der Schulleiterin Bettina Houari Fah (rechts) das Ergebnis ihrer Sammelaktion.

Dietzenbach – Können Kunststoffdeckel Leben retten? 250 Regenbogenschüler hoffen darauf. Ein halbes Jahr lang haben sie bunte Schraubverschlüsse von Milchkartons und Flaschen gesammelt, die nun an den Rotary Club abgegeben werden. Von Tamara Schempp 

Deren Dachorganisation Rotary International hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Verbreitung der Virenkrankheit Kinderlähmung zu stoppen und so die Aktion „Polio Plus“ ins Leben gerufen. 2014 gründete Rotary International den Verein „Deckel drauf“. Die Idee: Die Mitglieder sammeln Verschlüsse und verkaufen sie an Recyclingunternehmen. Der Erlöse gehen an gemeinnützige Projekte. Von 500 Deckeln kann eine Polio-Impfung bezahlt werden.

Drei prall gefüllte Müllsäcke sind das Ergebnis der Sammelaktion in der Regenbogenschule. „Mir hat meine Cousine geholfen, wir haben 200 Deckel zusammenbekommen“, erzählt Noura aus der Klasse 4c, die mit ihrem Sammelfieber die ganze Schule angesteckt hat. Ihre Klassenlehrerin Martina Billy hat mit ihrer Kollegin Michaela Sevim auf einer Fortbildung vom Verein „Deckel drauf“ erfahren. „Wir dachten, dass wir das gut unterstützen können, da jeder Schüler mitwirken kann“, sagt Sevim über ihre Motivation zum Mitmachen. „Die Kinder waren total motiviert, wir haben innerhalb einer Woche schon 1 000 Deckel gesammelt.“

Nicht jeder Schüler hat sich an der Aktion beteiligt. Das findet Chiara aus der Klasse 4c sehr schade, sagt sie. „Manche hatten keine Zeit oder keine Lust“, ist ihre Beobachtung. Dabei sei das Projekt so wichtig. „Ich finde es total schlimm, dass Kinder in anderen Ländern so wenig Geld haben, deshalb bin ich froh, dass wir helfen konnten.“ Schulleiterin Bettina Houari Fah ist „schon ein bisschen stolz“ auf ihre fleißigen Schützlinge.

Anfangs habe sie gar nicht so richtig gewusst, was ihre Kolleginnen mit den Deckeln vorhaben. „Ich hab’ sie gefragt: Braucht ihr die zum Basteln?“ Nachdem ihr das System erklärt wurde, sei sie jedoch sofort begeistert gewesen. „Ich würde es jederzeit wieder machen.“ Wie viele Deckel genau zusammengekommen sind, weiß die Schulleiterin nicht. „Wir haben aufgehört zu zählen.“

50 Impfungen dürften es nach ihrer Schätzung sein, die vom Verkauf bezahlt werden können. Die etwa 100 Kilo schweren Säcke lagert Hausmeister Frank Goedicke in der Aula, bis er sie kommende Woche zum Unternehmen Aramark nach Neu-Isenburg fährt, der nächstgelegenen Annahmestelle des Vereins „Deckel drauf“. Bettina Hoari Fah findet den Gedanken daran, dass an den vielen Deckeln auch einmal Getränkekartons und Flaschen hingen, „erschreckend“. Mit der Aktion möchte sie die Schüler für das Thema Nachhaltigkeit sensibilisieren.

Plastik lieber recyceln als Bio-Alternativen verwenden

Bei so manchem Viertklässler scheint die Botschaft angekommen zu sein. „Man schmeißt Dinge weg, ohne das Bewusstsein zu haben“, kritisiert Aurelia. Die Zehnjährige hat einen Vorschlag, wie es sich nachhaltiger leben lässt: Stofftaschen statt Plastiktüten benutzen. Die stellvertretende Klassenlehrerin der 4c, Anna Fehling, nennt ihren Schülern weitere Möglichkeiten zur Müllvermeidung: Lebensmittel in Glasbehältern aufgewahren, verpackungsfrei einkaufen. Wichtig sei es, den Impuls an die Eltern zu tragen. Nicht jeder kann ein menschliches Leben retten, aber zumindest etwas für die Umwelt tun.

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