Streit beigelegt

Reinhard-Göpfert-Haus: Kompromiss gefunden

Dietzenbach - Nach dem Auszug der Flüchtlinge stand das Reinhard-Göpfert-Haus mehr als fünf Monate leer. Die Vereine wollten in die Immobilie zurück. Nach langem Hin und Her ist dies nun möglich. Vorausgesetzt, es gründet sich ein Trägerverein. Von Ronny Paul 

Am Ende stand ein Kompromiss, den die Volksvertreter einstimmig absegneten. Nachdem vom Freundeskreis Göpfert-Haus positive Signale hinsichtlich einer Vereinsgründung ausgingen, hat die Mehrheitskoalition (CDU, SPD, WIR-BfD) kurzfristig einen Änderungsantrag aufgesetzt, mit dem letztendlich alle politischen Lager leben können. Und der die Anträge der Linken, der FDP, der AfD und des fraktionslosen Artus Rosenbusch zur Rettung der Immobilie damit nichtig machte. Somit ist das in die Jahre gekommene Reinhard-Göpfert-Haus im Westend vorerst vor dem Abriss gerettet.

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Die CDU habe ebenso wie Bürgermeister Jürgen Rogg die Möglichkeit in Betracht gezogen, das Grundstück zu veräußern, sagte Stephan Gieseler (CDU) in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung (SVV). Immerhin hatte das externe Gutachten des Dietzenbacher Diplom-Ingenieurs Siegfried Sieber dem unbebauten Grundstück einen Bodenwert von 495 .800 Euro bescheinigt. Doch das Angebot vom Freundeskreis, in die Bresche zu springen, sei ein rettender Anker gewesen, um einen Kompromiss herbeizuführen, befand Gieseler. „Es war mir wichtig, dass es kein Weiter-so-wie-vorher geben konnte“, kommentierte Bürgermeister Rogg die Entscheidung des Parlaments, die er mittrage.

Der Kompromiss sieht einen unverzüglichen Rückbau des Hauses im Rahmen des vorliegenden externen Gutachtens vor, das der Immobilie noch zehn Jahre Restlaufzeit attestiert hat (wir berichteten). Die Kosten des Rückbaus über rund 25.000 Euro trägt der Kreis Offenbach. Weiterhin ist die Verwaltung von den Volksvertretern beauftragt worden, einen Vertrag mit dem in der Gründung befindlichen Verein Freundeskreis Göpfert-Haus über eine Laufzeit von fünf Jahren mit Option auf zweimalige Verlängerung um jeweils zwei Jahre auszuhandeln. Der solle ein außerordentliches Kündigungsrecht für beide Parteien beinhalten für den Fall, dass das Haus seine Betriebsfähigkeit verliert. Auch solle angestrebt werden, die Nutzung des Göpfert-Hauses für die Kreisstadt kostenneutral zu gestalten. Die nun beschlossene und angestrebte kostenneutrale Regelung für die Stadt ermögliche dank des Engagements des Freundeskreises eine weitere Nutzung als Begegnungszentrum, sagte Rogg, der sich zunächst gegen eine Reanimation der Begegnungsstätte ausgesprochen hatte.

Die engagierten Bürger stellt der Kompromiss aber auch vor große finanzielle Aufgaben: Rund 20.000 Euro pro Jahr stehen für den Unterhalt der Immobilie im Raum. Das Geld muss der Trägerverein in Zukunft selbst berappen. Das fordert weiterhin viel Engagement. Etwa auch bei der Akquise von weiteren Lang- und Kurzzeitmietern. „Ich bin mir sicher“, sagte Freundeskreis-Vorsitzender Friedrich Jüde im Anschluss an die SVV, „dass wir viele Vereine für die Nutzung gewinnen können“. Man wolle sich den Vertrag aber nicht von der Stadt diktieren lassen, betonte Jüde.

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„Die Stadt hat uns keine andere Wahl gelassen“, sagte Ehrenbürgermeister Jürgen Heyer, der auch dem Freundeskreis angehört. Am Ende habe das Engagement die Politiker überzeugt. Die Euphorie nach der Entscheidung spreche für sich, sagte Jüde erfreut. Schließlich habe der Freundeskreis über fünf Monate in gemeinsamen Engagement die Mandatsträger „weichgeklopft und ständig bombardiert“. Eine Ansprache, die die Volksvertreter so wohl bisher nicht gekannt haben, vermutet der Vorsitzende. Das habe zu einem guten Ergebnis geführt, weil mit Vernunft eine Lösung in den Raum gestellt wurde, betonte Jüde.

Am Donnerstag, 30. März, trifft sich der Freundeskreis Göpfert-Haus zu weiteren Beratungsgesprächen.

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