Im umsatzstärksten Monat

Reiseatalier sechs Wochen ohne Internet und Telefon

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Sechs Wochen lang war das Reiseatelier Meilenweit von Carla Schenk-Akbulut ohne Internet und Telefon.

Dietzenbach - Sechs Wochen war das Reiseatelier Meilenweit in Steinberg ohne Internet und Telefon. Ein mittlerweile bekanntes Problem bei Dietzenbacher Telekomkunden. Von Ronny Paul 

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Besonders ärgerlich für die Inhaberin Carla Schenk-Akbulut, weil sich die Ausfälle genau im normalerweise umsatzstärksten Monat ereignet haben.
Für Carla Schenk-Akbulut ist Reiseverkehrskauffrau ein Traumberuf. Und so zögerte sie vor rund sieben Jahren nicht, als die Gelegenheit da war, das Ladenlokal vom Astrid-Münster-Reiseservice an der Offenbacher Straße zu übernehmen. Auch der „Hype“ um die Online-Reiseportale habe sie nicht abgeschreckt, sagt sie, obwohl wegen der unzähligen Internetangebote sicherlich einige Reisebüros kaputt gegangen seien. Meilenweit ist neben dem „Dietzenbacher Reisebüro“ und der Atlantis GmbH in der neuen Stadtmitte einer von drei Anbietern in der Kreisstadt. „Gute Büros, die mehr als eine Reise bieten, haben einen Wettbewerbsvorteil“, ist sich die gebürtige Neu-Isenburgerin sicher.
Ihr Erfolgsrezept: „Wir bleiben mit den Kunden auch nach der Reise in Kontakt und schicken ihnen eine ,Welcome-back-Karte“. Viele kommen im Nachgang der Reise auch persönlich vorbei und erzählen von ihrem Urlaub, schildert sie. Rückmeldungen zu bekommen, sei sehr wichtig und ermögliche eine gute Einschätzung ihrer Kunden und der angebotenen Reisedestinationen. „Und zum Glück spricht das Internet noch nicht mit einem und kann noch nicht differenziert beraten“, sagt Schenk-Akbulut und lacht. Sie beobachte häufig, dass Kunden sich zunächst im Netz nach Urlaubsangeboten umschauen, sich dann aber in der Masse der Angebote verlieren, „witzigerweise auch viele junge Menschen.“

Die Krux an der Sache ist allerdings: Auch Meilenweit kann nicht ohne. „Wir können nicht ohne das Internet arbeiten, alle Programme benötigen eine Onlineverbindung.“ Und genau da hat es seit Jahresbeginn dran gehapert.

Seit 2. Januar war Meilenweit ohne funktionierendes Telefon und ohne Internet. Auch Schenk-Akbulut kennt das, was, wie berichtet, schon viele Dietzenbacher Telekomkunden in den vergangenen Monaten durchmachen mussten. Nämlich zum einen Unverständnis darüber „wie es in der heutigen Zeit sein kann, dass man eine solche Störung einfach nicht in den Griff bekommt“. Und zum anderen darüber, wie die Telekom mit ihren Kunden umgehe.

Schenk-Akbuluts Vorwurf an das Bonner Unternehmen: Sie schätzt, dass sie rund ein Viertel des normalen Januar-Umsatzes eingebüßt hat. „Der Januar ist normalerweise unser umsatzstärkster Monat, hier werden Reisen für das ganze Jahr gebucht.“ Und genau in dieser Zeit mussten sich die Unternehmerin und ihre drei Mitarbeiter mit mobilen Datenkarten über Wasser halten. „Wir haben einen Handyvertrag nach dem anderen leergesurft, von der Telekom kein Angebot für eine Mobile Datenkarte oder ähnliches bekommen. Wo ist hier der Kundenservice?“

Fünf-Gigabyte-Datenkarten waren nach zwei Tagen aufgebraucht, berichtet sie. Normalerweise nutzt Meilenweit zwei Telefone, in der sechswöchigen „Trockenphase“ mussten zwei Mitarbeiter mit einem von privat auf geschäftlich umgemünzten Handy über die Runden kommen. Auch Schenk-Akbulut hat die Erfahrungen gemacht, dass Techniker zu angekündigten Terminen nicht erschienen sind oder dass sie SMS bekommen hat, die Störung sei behoben, während keine Verbindung aufgebaut werden konnte. Für die Reiseverkehrskauffrau zermürbend: „Man erhält fadenscheinige Antworten, niemand ist richtig zuständig für einen, die Kompetenzen liegen immer irgendwo anders.“

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Letztlich hat der Magenta-Riese das Problem diese Woche gelöst. Telekomsprecher George-Stephen McKinney teilt auf Nachfrage mit, dass Schenk-Akbulut für den Ausfall beziehungsweise den Zeitraum der Störung bereits ein Betrag gutgeschrieben worden sei. „Zudem werden wir Frau Schenk-Akbulut wegen der Unannehmlichkeiten und der Störungsdauer noch einen Wertgutschein (aus Kulanz) zusenden. Wir gehen davon aus, Frau Schenk-Akbulut nun wieder zu unseren zufriedenen Kunden zählen zu dürfen.“

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