Ehrenamtler suchen Alternative

Rentenberatung ist auf Zimmersuche

Dietzenbach – Wer Fragen zur Rente hat, kann seit einigen Jahren zu den beiden Beratern im Rathaus gehen. Damit soll bald Schluss sein. Die Stadt braucht die Räume, die Ehrenamtler suchen nun eine Alternative. Von Christian Wachter und Ronny Paul 

Menschen, bei denen man meint, ein Funkeln in den Augen zu erkennen, wenn es darum geht, einen Rentenantrag auszufüllen, sind eher selten. Karl-Heinz Müller ist einer von ihnen. Der Versichertenberater der Deutschen Rentenversicherung Bund unterstützt zusammen mit Lieselotte Füßl jene, für die die Formulare und die Rahmenbedingungen nicht selbsterklärend sind. Einige also. Dafür gibt es wöchentlich zwei Termine im Rathaus. Nun soll Schluss sein damit, zumindest am Europaplatz. Jüngst, so berichtet es Müller, habe nämlich Peter Amrein, Fachbereichsleiter Soziale Dienste, bei ihm vorbeigeschaut und mitgeteilt, dass man den Raum anderweitig benötige.

Dabei sei man vor einigen Jahren, als die städtische Rentenberatung Geschichte war, noch sehr gerne gesehen gewesen. „Wir haben uns damals angeboten – Erfolg ist wohl das falsche Wort bei diesem Thema, aber wir hatten immer viel Zulauf“, betont Müller. Manchmal, fügt er an, habe er allerdings schon ein wenig das Gefühl, dass diese Arbeit nicht so gewürdigt wird. Von den Menschen, die Rat suchend zu ihm kommen, spüre er allerdings die Dankbarkeit. Natürlich gebe es auch die Geschäftsstelle der Deutschen Rentenversicherung in Frankfurt, bis man dort einen Termin bekomme, dauert es aber drei Monate. „Eine Witwe zum Beispiel kann aber nicht so lange warten, wenn sie Witwenrente beantragen möchte.“

Insgesamt berät der gelernte Sozialversicherungsangestellte schon seit rund 20 Jahren bei Rentenfragen, sagt aber auch, dass sich „immer etwas verändert“, zu Jahresbeginn die Mütterrente etwa. Jährlich fährt er auch zu Wochenseminaren, um vollständig auf dem Laufenden zu bleiben. So komplex das Thema, so unterschiedlich ist auch der Bildungsgrad seiner Klienten. „Da ist eigentlich alles dabei.“ Und so berät er rentennahe Jahrgänge, worauf bei den Abschlägen zu achten ist, und andere zu den Voraussetzungen bei der Waisenrente. Müller hilft beim Ausfüllen von Formularen, weiß, welche Unterlagen fehlen und beglaubigt Kopien. Wenn es nicht anders geht, macht er Hausbesuche.

Peter Amrein bestätigt auf Nachfrage, dass durch den geplanten Umbau des Bürgerbüros (wir berichteten) kein Raum mehr für die Rentenberatung zur Verfügung steht. Er könne die Bedenken durchaus nachvollziehen. Das Rathaus sei nun mal zentral gelegen und besser angebunden. Allerdings habe die Stadt ein „großzügiges Angebot“ gemacht, mit einen Raum im Steinberger Seniorenzentrum. „Natürlich weiterhin kostenlos“, betont Amrein.

Wohnungsnot als gesellschaftlicher Sprengstoff

Die Kreisstadt sei seines Wissens ohnehin eine der wenigen Kommunen in der Umgebung, die den Beratern des Rentenversicherungsträgers kostenlose Räume anbiete und zudem noch ein kleines Budget dafür bereithalte. Denn das sei ein gutes und wichtiges Angebot. „Wir freuen uns, dass es die Rentenberatung gibt und sehen, dass sie von vielen angenommen wird.“ Ab dem 1. März stehe der besagte Raum zur Verfügung.

Für Müller ist das alles andere als eine Ideallösung. Gerade ältere Klienten könnten Probleme haben, dorthin zu kommen. Also hofft er auf eine Alternative, die behindertengerecht und mit genügend Parkplätzen ausgestattet sein sollte. So viel Platz, wie sie ihn derzeit noch im ehemaligen Standesamt im Rathaus haben, bräuchten sie nicht. „Eigentlich reicht ein Tisch und ein Kopierer, allein wegen des Datenschutzes können ja nicht zehn Menschen im Raum stehen.“

Wer eine Idee hat, welcher Raum infrage kommen könnte, erreicht Müller unter Telefonnummer 06074 29852.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare