Bürgermeister-Stichwahl

Rogg wittert Gefahr eines „ökologischen Linksrucks“

Stimmzettel wird in Wahlurne geworfen
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In wenigen Tagen ist Stichwahl um das Amt des Bürgermeisters in Dietzenbach.

In wenigen Tagen ist Stichwahl um das Amt des Bürgermeisters in Dietzenbach. Amtsinhaber Jürgen Rogg (parteilos, aber von der CDU unterstützt) und Erster Stadtrat Dieter Lang (SPD) werben um die Gunst der Wähler. Der Kandidat der Grünen, René Bacher, ist im ersten Durchgang ausgeschieden.

Dietzenbach - Der unterlegene grüne Kandidat, der knapp 30 Prozent der Stimmen erhielt, hat nun zur Wahl des SPD-Bewerbers aufgerufen: „Ich habe mich als Bürgermeister beworben, weil Dietzenbach einen ökologischen, ökonomischen und sozialen Wechsel braucht“, heißt es in der Stellungnahme Bachers. „Allen, die sich für mich und meine Themen ausgesprochen haben, empfehle ich die Wahl von Dr. Dieter Lang. Wir haben uns in der Vergangenheit gegenseitig in Magistratssitzungen unterstützt – auch wenn die Mehrheit anders entschieden hat.“ Die Wahlempfehlung sei mit seiner Partei abgesprochen, informiert Bacher. Die grüne Spitzenkandidatin bei der Kommunalwahl, Andrea Wacker-Hempel, bestätigt, dass die Ökopartei hinter dem Aufruf Bachers steht.

Auch andere Parteien haben sich zur Bürgermeister-Stichwahl positioniert: Die FDP hatte sich schon vor dem ersten Wahlgang für Rogg ausgesprochen und die Linken vor der Stichwahl Position für Lang bezogen. Die Freien Wähler haben sich bisher mit einer offiziellen Empfehlung zurückgehalten, allerdings hatte Spitzenkandidat Jens Hinrichsen klargemacht, dass er gegen den Amtsinhaber stimmen werde.

Dietzenbach: Schwarz-grüne Koalition unwahrscheinlich

Mit der Empfehlung Bachers fallen auch einige Koalitionsmöglichkeiten weg, denn Schwarz-Grün ist nun in der Kreisstadt unwahrscheinlicher geworden, dabei hatte sich Jürgen Rogg zunächst für diese Option ausgesprochen: Denn damit Kandidaten und Wähler trotz Corona-Pandemie die Möglichkeit haben, sich auszutauschen, haben wir Lesern die Möglichkeit gegeben, Fragen einzuschicken. Unsere Redaktion hat die Fragen an die Bürgermeisterkandidaten weitergeleitet und veröffentlicht die Antworten. So fragte ein Leser, welches Bündnis der künftige Bürgermeister anstrebe. „Als Koalition strebe ich Schwarz-Grün an. Das funktioniert in Wiesbaden auch seit Jahren gut. Der ökologische Linksruck mit Rot-Rot-Grün wäre für Dietzenbachs wirtschaftliche Zukunft fatal“, lautete die Antwort Roggs, bevor er den Aufruf Bachers mitbekam. Nachdem er von der grünen Unterstützung für Lang erfahren hatte, erneuerte Rogg in Sozialen Netzwerken seine Warnung vor einem „ökologischen Linksruck“, der „Gift für die Stadt“ sei. „Wenn das so kommt, dann gute Nacht Dietzenbach“, schließt Rogg mit dramatischer Wortwahl. Und auch die CDU versucht, konservative Wähler zu mobilisieren, indem sie vor einem „Linksruck“ warnt.

Bei den Grünen möchte man indes die drastische Wortwahl nicht kommentieren. „Das steht für sich“, sagt Andrea Wacker-Hempel. „Wir wollen durch Inhalte und sachliche Arbeit überzeugen“, betont sie.

SPD-Kandidat Dieter Lang spricht sich hingegen offen für ein rot-grünes Bündnis aus. Wer diesem als weiterer Partner zur Mehrheit verhelfen soll, verrät er allerdings nicht: „Es ist kein Geheimnis, dass die Koalition zwischen der SPD/WIR-BFD und der CDU im März 2018 auseinanderging, weil die politischen Meinungen mit der CDU zu weit auseinander lagen“, so seine Antwort auf die Leserfrage. „Daher ist es an der Zeit, eine Mehrheit mit den Grünen als Partner zu bilden. Es gibt mit den Grünen einen sehr großen Konsens bei den sozialen und ökologischen Themen. Die Schnittmenge der gemeinsamen Ziele beider Parteien ist sehr groß und daher ist die Voraussetzung für eine solide politische Arbeit in Zukunft gegeben. Das ist meine persönliche Meinung, die letztliche Entscheidung liegt natürlich bei den Parteivorständen und den neuen Fraktionen.“ (Von Niels Britsch)

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