Ende Januar großer Einzug

Rund 60 Flüchtlinge beziehen Haus der Integration

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Im Erdgeschoss des Hauses der Integration hat unter anderem die Flüchtlingshilfe ein Büro, im ersten und zweiten Obergeschoss ziehen Flüchtlinge ein.

Dietzenbach - In wenigen Tagen werden rund 60 Flüchtlinge ins Haus der Integration einziehen. Die Ehrenamtlichen der Flüchtlingshilfe haben dort ebenfalls ein Büro und sind gut vorbereitet. Von Christian Wachter 

Die Flüchtlingshilfe ist schon da, die Schützlinge kommen noch. Wie beispielsweise die Arbeiterwohlfahrt und die Projektstelle Flüchtlinge hat sie ein Büro im Erdgeschoss des Hauses der Integration in der Justus-von-Liebig-Straße 19 bezogen. Gerade huschen noch eher sporadisch Menschen vorbei am Baustellengeflecht aus der Kälte in das Gebäude. Am 31. Januar wird sich das ändern: Dann beziehen rund 60 Flüchtlinge den ersten und zweiten Stock.

So ganz glücklich, vermutet Gerd Wendtland, Koordinator bei der Flüchtlingshilfe, seien vielleicht nicht alle darüber, dass sie ihre Unterkünfte an der Martinstraße und der Gottlieb-Daimler-Straße verlassen müssen: „Sie haben sich dort eingerichtet, aber der Umzug ist zumutbar, auch, weil die Flüchtlinge hier gut untergebracht sind.“ Im ersten Stock stehen dafür sogenannte Mikro-Appartements zur Verfügung – Räume für bis zu sechs Personen mit eigenem Bad und Kochnische. Im zweiten Stock werden Unterkünfte für bis zu acht Personen eingerichtet. Dort gibt es Sanitäranlagen und eine Küche, die gemeinschaftlich von den Bewohnern mehrerer Räume genutzt werden. Die Höchstkapazitäten, informiert Wendtland, werde man fürs Erste nicht ausreizen müssen. Beim Ortswechsel hilft ein Dietzenbacher Umzugsunternehmer. Die meisten Flüchtlinge, schildert Wendtland, bräuchten nicht mehr als fünf Kisten, um ihr Hab und Gut unterzubringen.

Lange überlegen muss Wendtland nicht, was auf der Agenda der Flüchtlingshilfe im neuen Jahr ganz oben steht: „Arbeit, Arbeit, Arbeit – wir brauchen qualifizierte Schulabschlüsse für die Flüchtlinge, damit sie eine Ausbildung beginnen oder einen Arbeitsplatz bekommen können.“ Dafür bietet die Flüchtlingshilfe Sprachkurse und Bewerbungstrainings an, für die sie auf die Räume im Haus der Integration zurückgreifen kann. Alleine 30 Menschen unterrichten ehrenamtlich Deutsch. Unterstützung bekommen die Flüchtlinge auch durch die Vermittlung von Praktika oder Ausbildungsplätzen. Insgesamt kommen auf die knapp 300 Flüchtlinge in Dietzenbach rund 200 Helfer, ob bei der Spendenannahme, der Frauengruppe oder der Fahrradwerkstatt.

„Bei unseren Aktiven hat das Engagement kaum nachgelassen, das ist großartig“, sagt Wendtland. Eine große Hilfe sei es auch, dass die Zusammenarbeit mit den städtischen Institutionen im Haus der Integration ausgesprochen gut sei, betont der Ehrenamtler. Sein Ziel: eine möglichst schnelle Integration der Flüchtlinge in die Stadtgesellschaft. „Bis in vier oder fünf Jahren soll keiner mehr merken, dass er als Flüchtling gekommen ist.“ Ein Selbstläufer ist das nicht, deshalb setzt der Koordinator auch auf Prävention: „Wir machen unseren Flüchtlingen deutlich: Bleibt sauber, kein Schwarzfahren und auch keine Inkasso-Verfahren.“ Wegen Verträgen bei Handyanbietern und Fitnessstudios haben die Schuldenberater der Flüchtlingshilfe immer wieder einiges zu tun.

Dass in einer anderen Gemeinschaftsunterkunft in der Kreisstadt Unstimmigkeiten nicht ausblieben und sich auch manche Bewohner darüber beschwerten, will er nicht auf eine fehlende Bleibeperspektive zurückführen: „Wo Menschen, die aus unterschiedlichen Kulturkreisen stammen, auf engem Raum zusammenleben, kommt es selbstverständlich auch zu Spannungen. Die Personen, die hier Stimmung machen, sind aber klar in der Minderheit.“ Gutes weiß er von den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen zu berichten, die rund ein Jahr im Reinhard-Göpfert-Haus wohnten und dann ins Heusenstammer Rainbow-Hotel umzogen: „Wir haben noch Kontakt, sie werden dort offensichtlich gut betreut, fühlen sich wohl und gehen zur Schule.“

So konstant das Engagement der Ehrenamtlichen auch ist – die Bedarfe haben sich geändert, seit der Flüchtlingsstrom abgeebbt ist. „Es geht nicht mehr vorrangig um die Notversorgung.“ Spenden werden derzeit hauptsächlich für den Sprachunterricht gebraucht, aber auch für die Ausrüstung für Praktika oder Ausbildungen sowie für rechtlichen Beistand. Will jemand Widerspruch gegen einen abgelehnten Asylantrag einlegen, ist er auf einen Anwalt angewiesen, den er selbst bezahlen muss, schildert Wendtland. Auch Haushaltsmaterialien seien gerne gesehen – Geschirr oder Pfannen sowie Handtücher und Bettwäsche etwa: „Die Grundausstattung reicht einfach nicht.“

Wer sich engagieren oder spenden will, mailt an kontakt@ fluechtlingshilfe-dietzenbach.de.

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