„Mit 90 Jahren kann man aufhören“

„Schmidt‘s Ideenhaus“ schließt seine Türen

Dietzenbach - Nach über 90 Jahren Firmengeschichte – gegründet im Jahr 1926 als Spenglerei – schließt das traditionsreiche Fachgeschäft für den gedeckten Tisch seine Türen. Das Ideenhaus Schmidt wird es in seiner bisherigen Form nicht mehr geben. Von Carolin Henneberg

„Handel ist Wandel“ – sagte Gabi Schmidt, Inhaberin von Schmidt’s Ideenhaus, schon im Jahr 2013 in einem Interview mit unserer Zeitung. Dieser Wandel und die damit einhergehenden Kaufgewohnheiten haben es der Einzelhändlerin seitdem immer schwerer gemacht. „Trotz einer sehr aktiven Kaufmannschaft in Dietzenbach, ist es schwierig, Fachgeschäfte in unserer schönen Branche – Haushaltswaren, Porzellan und Geschenkartikel – mit einem breiten Angebot rentabel zu führen“, sagt Schmidt. Der Internethandel habe enorm zugelegt, „der Postbote wird oft zum liebsten Lieferanten“. Auch Treuepunkt-Aktionen für Besteck, Töpfe, Pfannen und Ähnliches – wie etwa Rewe sie anbietet – seien nicht gerade förderlich für das Fachgeschäft.

Man habe lange über die Entscheidung, das Geschäft zu schließen, nachgedacht, habe alle Aspekte abgewogen. Leicht sei die Entscheidung letztendlich nicht gefallen, „doch mit 90 Jahren kann man aufhören, da hat man das Alter erreicht“, sagt die Geschäftsführerin mit gemischten Gefühlen. Es sei einfach schade, dass die Wertschätzung für den Einzelhandel immer mehr verloren gehe. „Das macht vor allem auch meine Eltern sehr traurig“, sagt Schmidt, die den Familienbetrieb schon in dritter Generation führt und im Jahr 2005 mit dem Ideenhaus von der Bahnhofsstraße an die Schmidtstraße gezogen war, um näher am Herz der Altstadt, dem Stadtbrunnen zu sein.

Nach dem Ortswechsel folgte 2013 der nächste Wandel. Um den Kundenwünschen noch mehr zu entsprechen und entgegen zu kommen, weitete Familie Schmidt ihr Angebot auf den Genussbereich aus: „Die Kunden wollen keine Dinge mehr, die im Schrank stehen oder die sie ohnehin schon haben, es muss etwas Sinnvolles sein, das man auch gerne verschenkt.“ So die Idee, die damals dahinter steckte. Man habe sich sehr bemüht, habe viel Kraft in das Geschäft gesteckt, so Schmidt. Doch auch, wenn es sie traurig stimmt, ist sie mit der nun gefundenen Lösung zufrieden: „Auf rund 200 Quadratmetern entsteht ein Spielwarengeschäft“, sagt Schmidt, „mit einem Leerstand hätten wir uns nicht abfinden können“.

Und auch die Familie selbst bleibt an der Schmidtstraße weiterhin präsent, wenn auch in anderer Form: „Auf 80 Quadratmetern richten wir uns einen zeitgemäßen Genussladen mit feinen Ölen, Essigen, Gewürzen und Gourmet-Produkten sowie außergewöhnlichen Heimtextilien ein“, berichtet Gabi Schmidt. So könne man auch weiterhin Ansprechpartner für die Stammkunden sein, und der Kontakt gehe nicht verloren.

Wie schon zum 90-jährigen Bestehen im vergangenen Jahr (wir berichteten), soll es noch einmal Aktionen für alle Kunden geben. Auch ein Schlussverkauf ist geplant. Informationen, wie es genau weitergeht, folgen in Kürze, kündigt Schmidt an.

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Rubriklistenbild: © dpa

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