Schöffengericht verurteilt Unternehmer

„Das Problem ist sicher sein Vorleben“

Dietzenbach - Ein Dietzenbacher Unternehmer ist vom Schöffengericht zu 15 Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Der Mann hatte 245.000 Euro dem Insolvenzverwalter unterschlagen. Von Stefan Mangold 

Vor dem Schöffengericht in Offenbach sitzt kein unbeschriebenes Blatt auf der Anklagebank, aber weder ein Gewalttäter, noch ein Drogenhändler, sondern ein Unternehmer, dem das Geschäft wohl mehrfach aus dem Ruder lief. Ihm warf die Anklage vor, vor dem Insolvenzverwalter 245.000 Euro versteckt zu haben. Weil die Tat schon fast acht Jahre zurück liegt, kommt der mehrfach Vorbestrafte mit 15 Monaten Haft auf Bewährung davon.

Der Angeklagte kann sich aussuchen, ob er großes Glück oder verdammtes Pech hatte. Der Bankrott, den ihm Staatsanwalt Oliver Wilbert zur Last legt, liegt lange zurück. Hätte sich der 60-Jährige schon weit früher verantworten müssen, hätte er wohl wieder in die Justizvollzugsanstalt einfahren müssen, wo er wegen Steuerhinterziehung bereits einmal zwei Drittel einer Strafe von fünf Jahren absaß. Weil die Verhandlung erst jetzt über die Bühne geht, hat er jedoch nach der Reform der strafrechtlichen Vermögensabschöpfung von 2017 einen sechsstelligen Betrag abzuleisten.

Als der frühere Eigentümer einer insolventen Spedition zwischen Juni 2011 und Januar 2012 Außenstände in Höhe von 215.000 Euro auf das Konto eines Strohmanns überweisen ließ, stand er noch unter Bewährung. Die Insolvenz hatte eine Krankenkasse beantragt, weil Beiträge ausgeblieben waren.

Rechtsanwalt Marcus Steffel räumt für seinen Mandaten alle Vorwürfe ein. Der Fall liege jedoch ewig zurück. Seitdem habe sich der Angeklagte nichts zu Schulden kommen lassen und außerdem einen Großteil der Forderungen der Kassen beglichen. Der Verteidiger konstatiert „ein positives Nachtatverhalten“.

„Das Problem ist sicher sein Vorleben“, sagt Steffel. Im Vorstrafenregister stehen Delikte wie Betrug, Urkundenfälschung und Verstoß gegen das Ausländergesetz. Außerdem ließ der Mann Angestellte mit nicht versicherten Kraftfahrzeugen fahren. Der Verteidiger erklärt, sein Mandant habe mit dem Geld Löhne und Treibstoff bezahlt. Staatsanwalt Wilbert sieht die Aussage in seinem Plädoyer skeptisch, „erwiesen ist das nicht“.

Der Staatsanwalt hatte sich dem Antrag von Anwalt Steffel nicht in den Weg gestellt, jene Verfahren, die sich auf Überweisungen unterhalb von 10 000 Euro beziehen, einzustellen. Übrig bleiben 148.000 Euro an verschobener Insolvenzmasse.

Früher konnten verurteilte Drogendealer oder Zuhälter behaupten, der Profit aus ihren Verbrechen sei verprasst. Die Justiz hatte keine Handhabe, sich an ihrem sonstigen Vermögen zu bedienen. Heute ist es den Behörden möglich, Autos oder Immobilien zu konfiszieren, deren Besitz offensichtlich nicht aus einem soliden Gehalt oder redlichen Unternehmensgewinnen resultiert.

Dem Angeklagten droht, was Verteidiger Steffel nicht abwenden kann, denn der Staatsanwalt beantragt neben 18 Monaten Haft auf Bewährung auch die Einziehung von Vermögenswerten bis zu 148.000 Euro. Außerdem fordert Wilbert 200 Stunden gemeinnützige Arbeit, verteilt auf zehn Stunden pro Monat.

Große Firmenpleiten 2009 in Deutschland

Davon hält Steffel nichts. Die Tat liege siebeneinhalb Jahre zurück. Mit der Belastung habe sein Mandant ewig auf seinen Prozess warten müssen, „so wird der Falsche durchs Dorf getrieben“. Der Verteidiger fordert eine niedrige Bewährungsstrafe im Ermessen des Gerichts.

Richter Manfred Beck erklärt, die Ermittlungen hätten sich auch gezogen, weil der Insolvenzverwalter erst Ende 2013 Strafanzeige erstattet hatte. Der Angeklagte habe das Geld verschwinden lassen, weil er dachte, „das wird schon wieder werden“. Beck verkündet 15 Monate Haft auf Bewährung und gibt dem Dietzenbacher mit auf den Weg, „bei einem Urteil in 2015 hätten Sie gesessen“.

Die 148 000 verschobenen Euro muss er zahlen. Theoretisch. Weil der Mann nur knapp 800 Euro netto verdient, also deutlich unterhalb der Pfändungsfreigrenze, kann ihn die Last nicht noch tiefer drücken.

Der Waldzoo in Offenbach darf sich auf eine neue Arbeitskraft freuen. Die nächsten 20 Monate muss der Mann dort 100 Stunden ableisten.

Rubriklistenbild: © dpa

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