Senioren helfen und Freude bereiten

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Die Ernst-Reuter-Schüler Emilcan Arsoy (links hinten) und Mohamed El Ouariachi (rechts) unterstützen im Rahmen eines Schulprojekts die Seniorinnen Anni Kluge und Inge Wittgen (von links) in ihrem Alltag im Heusenstammer Horst-Schmidt-Haus. Die Pflegerinnen Halina Täuber (mitte links) und Rosita Finda helfen dabei. 

Dietzenbach - Reuter-Schüler verbringen einen Tag der Woche in einem Pflegeheim in Heusenstamm. Von Carolin Henneberg 

„Es macht einen Riesenspaß, mit den netten Senioren spazieren zu gehen und sich um sie zu kümmern“, sagt Emilcan. Der Siebtklässler verbringt einen Tag der Woche, donnerstags zwischen 9 und 13 Uhr, im Heusenstammer Horst-Schmidt-Haus, um dort demenzkranke Bewohner zu betreuen. Auch sein Freund Mohamed begleitet gerade einen älteren Herrn an der Hand durch die Flure des Altenheims. Beide Ernst-Reuter-Schüler sind im Rahmen des „Betriebstages“ im Sozialzentrum der Arbeiterwohlfahrt (Awo) eingesetzt.

„Wir bieten das Projekt nun im vierten Jahr an“, erläutert Monika Schilm, betreuende Lehrerin des Betriebstag-Projekts an der Ernst-Reuter-Schule (ERS). „Beide siebte Klassen der Hauptschule verbringen einen Tag in der Woche nicht in der Schule, sondern sind in verschiedenen Projekten untergebracht.“ Drei davon werden an der Gesamtschule selbst angeboten: Holz- und Gartenbau, Kochstudio sowie EDV. Das vierte Projekt – die Altenpflege – ist in das Heim in Heusenstamm und ein weiteres in Offenbach ausgelagert. Dort gibt es jeweils drei Plätze für Schüler, die sehr begehrt seien: „Eine Schülerin aus dem ersten Betriebstagsjahr arbeitet nun sogar in einem Altenheim, da es ihr beim Projekt so gut gefallen hat“, erzählt Schilm. Und der zwölfjährige Emilcan kann sich gut vorstellen, später Pfleger zu werden.

Kinder sind immer ein Höhepunkt

Darüber freut sich auch Pflegedienstleiter Wolfgang David, der sehr zufrieden mit den beiden Schülern ist: „Kinder und Jugendliche sind immer ein Highlight für unsere Bewohner, an deren Gesichtern die Freude stets abzulesen ist. Die beiden geben sich wirklich große Mühe und machen ihre Sache hier ganz toll.“ David sieht seine Pflicht vor allem darin, Einblicke in das Berufsfeld zu geben. „Wir haben akuten Fachkräftemangel, dagegen muss etwas unternommen werden. Wir versuchen, unseren Teil beizusteuern.“

Neben einem Einblick in den Pflegeberuf bekommen die Schüler Respekt vor dem Alter vermittelt und entwickeln soziale Kompetenz. „Eine wichtige Voraussetzung für den Umgang mit pflegebedürftigen Menschen ist Fingerspitzengefühl“, erklärt David. „Pflegekräfte müssen sich stets der jeweiligen Situation entsprechend verhalten und passend darauf reagieren.“

Das verändert sich durch die Pflegereform

Das ändert sich durch die Pflegereform

Die Schüler gehen nicht nur spazieren, sondern singen und spielen auch mit den Senioren, reichen ihnen Essen und lesen Geschichten vor. Auch alte Filme stehen auf dem Programm, wie Mohamed in seinem wöchentlichen Bericht für die Schule notiert hat. Ein gepflegtes Berichtsheft gehört ebenso zum ERS-Projekt.

Berührungsängste kennen Emilcan und Mohamed nicht: Wenn einem Bewohner die Nase läuft, wird diese mit einem Taschentuch geputzt. Im Ruheraum, dem sogenannten Snoezelenraum, kann entspannt werden. Bei angenehmen Düften und beruhigender Beleuchtung gibt es hier Massagen und Entspannungsübungen. Immer mit dabei: Angestellte des Horst-Schmidt-Hauses. Halina Tauber und Rosita Finda kümmern sich um die beiden ERS-Schüler. Sie seien eine große Hilfe und stets engagiert. Aufgrund ihrer guten Leistungen und dem großen Spaß, den die Jungs während ihres Betriebstages haben, dürfen sie ihre Zeit im Altenheim nun verlängern. „Eigentlich ist ein halbes Jahr angedacht, aber in diesem Fall können die zwei ruhig das ganze Jahr hier bleiben“, sagt Lehrerin Schilm.

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